Liedermacher Roland Hefter: 'Für mich ist die Stadt das Höchste' – Seine Ziele für den Münchner Stadtrat
Roland Hefter: Seine Ziele für den Münchner Stadtrat

Liedermacher Roland Hefter: 'Für mich ist die Stadt das Höchste' – Seine Ziele für den Münchner Stadtrat

Der Liedermacher Roland Hefter, seit 2020 für die SPD im Münchner Stadtrat, tritt bei der kommenden Kommunalwahl erneut an. In einem exklusiven Gespräch mit der AZ verrät er seine politischen Vorhaben und überrascht mit einem klaren Vorschlag zum umstrittenen Gasteig-Projekt.

Vom Schildermacher zum Stadtrat: Hefters ungewöhnlicher Weg

Roland Hefter, 59 Jahre alt und gelernter Schildermacher, ist seit Jahrzehnten mit seiner Gitarre auf Bühnen unterwegs. Seine Lieder, die als Mischung aus französischem Laissez-faire und bayerischer Gemütlichkeit beschrieben werden, haben ihn bekannt gemacht. Hits wie 'Busn bei de Knie' wurden auf Spotify fast 650.000 Mal gestreamt. Doch auch politisch sorgte er für Aufsehen, etwa mit einem Spottlied über das Gendern, das im Rathaus für Diskussionen sorgte.

Hefter, in München geboren und in Waldtrudering aufgewachsen, betont seine langjährige Verbundenheit mit der SPD. 'Für uns in der Stadt war es selbstverständlich, dass wir SPD wählen', sagt er. Oberbürgermeister Dieter Reiter holte ihn 2020 in den Stadtrat, weil Hefter schon immer politisch aktiv war. Bei der Kommunalwahl kandidiert er nun auf Platz 5 der SPD-Liste, direkt hinter Reiter und anderen Spitzenkandidaten.

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Pragmatische Politik statt Parteikarriere

SPD-Chef Christian Köning lobt Hefter als Bereicherung für die Fraktion. 'Er erweitert unsere Denkweisen, weil er kein klassischer Parteipolitiker ist', so Köning. Hefter setze sich besonders für die Bekämpfung von Einsamkeit bei Senioren und faire Bezahlung für Künstler ein. Seine Vorschläge seien stets pragmatisch, etwa zu Bus-Haltestellen oder der Laubentsorgung. Ein Beispiel: Hefter schlug vor, weitere Fahrverbote auf dem Mittleren Ring durch Tempo 30 zu verhindern.

Hefter ist bei den Wählern beliebt. Bei der Landtagswahl 2023 kletterte er von Platz 52 auf Platz 17, verpasste den Einzug aber knapp. 'Ich will keine Parteikarriere machen', betont er. 'Für mich ist die Stadt das Höchste.' Er legt Wert auf die Meinung der normalen Menschen und warnt davor, Nicht-Wähler zu ignorieren. 'Ich kann es nicht leiden, wenn Parteien Dinge nur vorantreiben, um in ihrer eigenen Blase als Held gefeiert zu werden', sagt er.

Verkehrswende und Stadtentwicklung: Hefters kontroverse Ansichten

In der Verkehrspolitik zeigt Hefter sich skeptisch gegenüber ideologischen Debatten. 'Ich kann den stumpfen Satz 'Die Stadt gehört den Menschen und nicht den Autos' nicht leiden', erklärt er. Ein Auto werde schließlich von Menschen gekauft und gefahren. Er kritisiert auch Argumente, dass Autos zu viel Platz verbrauchen, und vergleicht dies mit privaten Badezimmern. Trotz steigender Zahlen von Fußgängern und Radfahrern in München sind fast 760.000 Autos zugelassen, 250.000 mehr als 2020. Hefter selbst fährt gerne mit dem Motorrad ins Umland und betont, dass viele Münchner für weite Strecken noch auf das Auto angewiesen sind.

In manchen Punkten ähnelt Hefter Oberbürgermeister Dieter Reiter, der sich das München der 90er Jahre zurückwünschte. Hefter sagt: 'Früher herrschte eine andere Zufriedenheit mit dem Leben und der Stadt. Dabei haben wir es doch so schee bei uns.'

Konkrete Ziele: Vom Valentin Musäum bis zum Gasteig

Hefter hat klare Vorhaben für seine nächste Amtszeit. An erster Stelle steht der behindertengerechte Umbau des Valentin Musäums am Isartor. 'Der Plan ist, im Innenhof eine überdachte, barrierefreie Ausstellungsfläche zu schaffen', erklärt er. Zweitens setzt er sich für eine gute Lösung beim Ausbau des Sechzigerstadions ein, wo er selbst Dauerkarteninhaber ist. 'Wenn die Kurve zu singen beginnt, habe ich jedes Mal Tränen in den Augen', gesteht er.

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Sein drittes und wohl kontroversestes Ziel betrifft den Gasteig. Hefter spricht sich gegen die aktuellen Pläne aus, bei denen die Stadt den Gasteig sanieren und der Freistaat einen neuen Saal im Werksviertel bauen will. 'Ich bin gegen zwei Säle', sagt er entschieden. 'Wir brauchen einen Highlight-Konzertsaal mit genug Übungsräumen, und wenn der am Ende im Werksviertel ist, ist das auch okay.' Die Sanierung des Gasteigs würde eine riesige Baustelle auf der Rosenheimer Straße bedeuten und zwischen 700 Millionen und einer Milliarde Euro kosten, ohne Garantie für ein besseres Ergebnis. Hefter plädiert daher für einen gemeinsamen Bau von Stadt und Freistaat. 'Wo auch immer. Und wenn es nicht am Gasteig ist, wäre dort Platz für Wohnungen oder irgendetwas anderes.'

Kampf gegen die AfD: Sorgen der Wähler ernst nehmen

Hefter nennt ein weiteres wichtiges Ziel: die Bekämpfung der AfD. 'Und das geht nur, wenn sie Wähler verlieren', sagt er. 'Das wiederum geht nur, wenn wir die Sorgen dieser Wähler ernst nehmen.' Er betont, dass politische Arbeit immer die Bedürfnisse aller Bürger im Blick behalten muss, um Spaltung zu verhindern und eine lebenswerte Stadt für alle zu erhalten.