Heidelberger Mäzen Henry Jarecki in Epstein-Akten: Bundesverdienstkreuz in Gefahr
Heidelberger Mäzen in Epstein-Akten: Orden in Gefahr

Heidelberger Mäzen Henry Jarecki in Epstein-Akten: Bundesverdienstkreuz in Gefahr

Der US-amerikanische Multimillionär Henry Jarecki, der als großzügiger Mäzen der Stadt Heidelberg und ihrer Universität gilt, gerät durch die jüngst veröffentlichten Epstein-Akten massiv unter Druck. Seine enge Freundschaft mit dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein und insbesondere seine euphorischen E-Mails an diesen nach dessen Haftentlassung im Jahr 2009 werfen ein äußerst kritisches Licht auf den 92-jährigen Investor und Bundesverdienstkreuzträger.

„Der König ist zurück!“ – Fragwürdige E-Mail-Korrespondenz

Laut den nun öffentlich gewordenen Dokumenten schickte Jarecki im Juli 2009 eine höchst bedenkliche E-Mail an Jeffrey Epstein, der gerade wegen Prostitution einer Minderjährigen aus dem Gefängnis entlassen worden war. Auf Epsteins Nachricht „Frei und zu Hause.“ antwortete Jarecki mit den Worten: „Der König ist zurück! Ich hoffe, du kommst nicht zur Besinnung. Und wann ist die Party?“ Diese Äußerung wird von Politikern und der Öffentlichkeit als zutiefst fragwürdig bewertet.

Bereits im Frühjahr 2009 hatte Jarecki laut einer weiteren E-Mail aus dem Leak versucht, Epstein als Co-Autor für ein Buchprojekt zu gewinnen. Das geplante Werk sollte den Titel „Was ist, wenn ich erwischt werde?“ tragen und enthielt laut angeblicher Buchgliederung Ratschläge, wie man sich auf Konflikte mit der Justiz vorbereiten könne – inklusive Tipps zur Vorratshaltung von Bargeld und zur Einrichtung eines Verstecks.

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Ein Mäzen mit großer Wirkung in Heidelberg

Henry Jarecki, 1933 in Stettin geboren und vor den Nazis in die USA geflohen, hat sich in den vergangenen Jahrzehnten als bedeutender Förderer Heidelbergs profiliert. Über die nach seinem Vater benannte Max-Jarecki-Stiftung flossen seit 2010 mehr als 250 Millionen Euro in das ambitionierte Stadtentwicklungsprojekt Bahnstadt. Beim Spatenstich für den Forschungscampus im September 2022 posierte Heidelbergs Oberbürgermeister Eckart Würzner noch stolz neben dem Mäzen.

Die Universität Heidelberg ernannte Jarecki im Jahr 2014 zum Ehrensenator. Nur zwei Jahre später erhielt er für seine Verdienste um die deutsch-amerikanischen Beziehungen das Bundesverdienstkreuz. Diese Auszeichnungen stehen nun zur Disposition.

Politische Forderungen nach Konsequenzen

Die Grünen-Co-Bundesvorsitzende Franziska Brantner fordert vehement die Aberkennung des Bundesverdienstkreuzes. Zudem solle die Universität Heidelberg prüfen, ob Jarecki den Titel des Ehrensenators behalten dürfe. Die Heidelberger SPD schließt sich dieser Forderung an.

Die Heidelberger FDP, die 2022 eine Spende Jareckis in Höhe von 11.000 Euro erhalten hatte, erklärte, zum Zeitpunkt der Zuwendung sei nichts über die Verbindung zu Epstein bekannt gewesen. Die nun bekannt gewordenen E-Mail-Zitate seien „nicht akzeptabel“ und eine umfassende Aufklärung der Vorwürfe „zwingend notwendig“.

Reaktionen der betroffenen Institutionen

Die Universität Heidelberg möchte auf Anfrage nicht offenlegen, wie viel Geld Jarecki ihr bislang zukommen ließ. In einer schriftlichen Stellungnahme heißt es lediglich: „Die Universität wird die weiteren Entwicklungen sorgfältig verfolgen.“ Fragen nach einer möglichen Aberkennung der Ehrensenatorwürde bleiben unbeantwortet.

Die Stadt Heidelberg betont, dass keine direkten Geschäftsbeziehungen zu Henry Jarecki bestünden, sondern ausschließlich zur Max-Jarecki-Stiftung. Ein Pressesprecher verwies darauf, dass es „Aufgabe der Ermittlungsbehörden“ sei, die Aktenlage zu bewerten.

Stellungnahme der Stiftung: Demenz und Bedauern

Ein Sprecher der Max-Jarecki-Stiftung erklärte, Henry Jarecki leide inzwischen an Demenz und könne Fragen zur Sache nicht mehr selbst beantworten. Bevor seine Krankheit fortgeschritten sei, habe er „tiefes Bedauern“ über seine Verbindung zu Epstein geäußert. Jarecki habe die E-Mails zu einer Zeit geschrieben, als das volle Ausmaß von Epsteins Verbrechen noch nicht bekannt gewesen sei. Ihm sei gesagt worden, Epstein sei zu Unrecht verurteilt worden. Die E-Mails seien „im Rückblick im Ton leider unbekümmert“ gewesen.

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Die enge Beziehung der beiden Männer wird durch vom US-Justizministerium veröffentlichte Bilder dokumentiert, die Jarecki oberkörperfrei mit Epstein auf einem Golfmobil zeigen. Die Aufnahmen stammen vermutlich von einer der Privatinseln Jareckis. In einer E-Mail aus dem Mai 2009 schrieb Epstein aus dem offenen Vollzug: „Guana und Norman gehören meinem Freund Henry Jarecki.“