Im Prozess um den tödlichen Stoß gegen die 16-jährige Liana K. vor einen Güterzug in Friedland, Niedersachsen, hat das Landgericht Göttingen eine Entscheidung verkündet: Der 31-jährige Beschuldigte muss in die forensische Psychiatrie. Der Richter ordnete die Unterbringung des Mannes in einem psychiatrischen Krankenhaus an. Ein psychiatrischer Gutachter hatte bei dem Angeklagten eine paranoide Schizophrenie diagnostiziert.
Tathergang und Folgen
Nach Überzeugung des Schwurgerichts stieß der Beschuldigte die Jugendliche im Sommer 2025 am Bahnhof von Friedland vor einen durchfahrenden Güterzug. Die 16-Jährige erlitt durch den Zusammenprall schwere Kopfverletzungen, die nach Angaben der Ermittler sofort tödlich waren. Liana K. war 2022 mit ihrer Familie aus der Ukraine nach Deutschland geflüchtet. Ihr gewaltsamer Tod sorgte bundesweit für Schlagzeilen und löste politische Debatten aus.
Politische Dimension
Bis heute beschäftigt der Fall auch die Politik. Der ausreisepflichtige Iraker hätte nach den europäischen Asylregeln bereits Monate vor der Tat von Deutschland nach Litauen überstellt werden sollen. Die Landesaufnahmebehörde hatte einen Antrag auf Abschiebungshaft gestellt, den das Amtsgericht Hannover jedoch ablehnte. Am Mittwoch befasste sich der niedersächsische Landtag erneut mit möglichen Konsequenzen aus dem Fall.
Sicherungsverfahren statt Strafprozess
Die Staatsanwaltschaft Göttingen ging aufgrund der paranoiden Schizophrenie davon aus, dass der Beschuldigte zum Tatzeitpunkt nicht schuldfähig war. Daher wurde kein regulärer Strafprozess mit einer Anklage geführt, sondern ein sogenanntes Sicherungsverfahren. Dabei wird nicht nur geklärt, ob der Beschuldigte der Täter ist, sondern auch, ob er in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht wird.
Forderungen der Prozessbeteiligten
Trotz der Schuldunfähigkeit bezeichneten die Strafverfolger die Tat im Plädoyer als heimtückischen Mord und erklärten, dass von dem Beschuldigten eine Gefahr für die Allgemeinheit ausgehe. Die Verteidigung hingegen plädierte nach neun Verhandlungstagen auf Freispruch aus Mangel an Beweisen. Die Nebenklage, die die Mutter der Getöteten vertrat, forderte eine Verurteilung wegen Mordes und sprach sich für einen Wechsel in ein reguläres Strafverfahren aus.
Beisetzung und Abschied
Im September 2025 war Liana unter großer Anteilnahme beigesetzt worden. Familie und Freunde nahmen in Heilbad Heiligenstadt im Nordwesten Thüringens Abschied und erwiesen der Jugendlichen bei einer von einem ukrainisch-orthodoxen Geistlichen geleiteten Zeremonie die letzte Ehre.



