Das Bundesamt für Verfassungsschutz hat vor einer möglichen Eskalation durch die proiranische Gruppe Harakat Ashab al-Jamin al-Islamija (Haji) gewarnt. Die Behörde erklärte auf Anfrage des „Handelsblatts“, dass Haji nicht mehr nur „einfache“ Angriffe wie Brandstiftungen plane, sondern langfristig auch gefährlichere Tatmittel wie Sprengstoff oder Waffen in Betracht ziehe.
Anschlagsserie in Europa
Seit Anfang März wurden in Europa mehrere jüdische und US-amerikanische Einrichtungen angegriffen, darunter ein israelisches Restaurant in München. Zu den Taten bekannte sich Haji mittels Videos. Die Angriffe erfolgten in den Nacht- oder frühen Morgenstunden, Verletzte oder Tote gab es bislang nicht. Der Verfassungsschutz vermutet hinter der Gruppierung ein irakisch-schiitisches Netzwerk, das einschlägige Social-Media-Kanäle nutzt, um über seine Aktivitäten zu berichten.
Politische Motivation offen gelegt
Haji benenne neuerdings klar ihre politische Motivation und drohe offen israelischen Einrichtungen sowie den sogenannten „Feinden des Islams“ in Europa. Viele der Taten ereigneten sich im Großraum London, wo sechs Ziele angegriffen wurden, darunter ein jüdischer Rettungsdienst und Synagogen. Der britische Oberrabbiner Ephraim Mirvis sprach auf X von einer „Kampagne der Gewalt und Einschüchterung“ gegenüber Juden. Premierminister Keir Starmer verurteilte die Taten.
Ermittlungen und Sicherheitsmaßnahmen
Die Polizei erklärte nach dem jüngsten Vorfall, ein Zusammenhang zu ähnlichen Brandanschlägen könne noch nicht hergestellt werden, es gebe aber „Ähnlichkeiten“. Die Anti-Terror-Polizei ermittelt unter anderem zu einem erneuten Brandanschlag auf eine Synagoge in London. Auch in München läuft ein Verfahren, nachdem die proiranische Terrorgruppe den Anschlag auf ein israelisches Restaurant für sich reklamiert hatte. Banken in Paris haben nach einem vereitelten Anschlag ihre Sicherheitsvorkehrungen erhöht und Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt.
Die Behörden beobachten die Entwicklung mit Sorge und haben die Sicherheitsmaßnahmen an jüdischen und israelischen Einrichtungen in mehreren europäischen Ländern verstärkt. Der Verfassungsschutz betont, dass die Gefahr durch Haji ernst genommen werden müsse, auch wenn es bislang keine Toten oder Verletzten gegeben habe.



