Niedersachsen setzt auf kontrollierte Drohnenabwehr statt Abschuss
Die Innere Sicherheit steht vor neuen Herausforderungen durch unerlaubte Drohnenflüge. In Niedersachsen lehnt Innenministerin Daniela Behrens (SPD) radikale Maßnahmen wie den Abschuss der Fluggeräte entschieden ab. „Die Polizei ist für die Gefahrenabwehr da und nicht, um neue Gefahren zu erzeugen“, betonte die Ministerin in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Ein pauschaler Abschuss könne dazu führen, dass Drohnen unkontrolliert abstürzen und damit Menschen gefährden.
Abgestuftes Vorgehen und Millionen-Investitionen
Statt auf Abschüsse setzt die Polizei in Niedersachsen auf ein abgestuftes und verhältnismäßiges Vorgehen. Zunächst sollen Drohnen erkannt und identifiziert werden. „Dazu könnte in Zukunft auch gehören, dass wir die Kontrolle über sie übernehmen und sicher landen lassen können“, erläuterte Behrens. Ein zentrales Ziel sei dabei stets die Ermittlung der Piloten hinter den unerlaubten Flügen.
Für diese moderne Abwehrtechnik stellt das Land Niedersachsen in diesem Jahr rund 7,3 Millionen Euro bereit. Die Mittel sollen insbesondere in Systeme fließen, die fremde Drohnen detektieren, verifizieren und abwehren können. Dabei arbeitet Niedersachsen eng mit anderen Bundesländern und der Bundeswehr zusammen, um eine möglichst hohe Kompatibilität der Technologien zu gewährleisten.
Innovative Abfangtechnik aus Niedersachsen
Wie eine praktische Umsetzung der Drohnenabwehr aussehen kann, zeigt das niedersächsische Start-up Argus Interception aus Rotenburg an der Wümme. Das Unternehmen entwickelt spezielle Abfangdrohnen, die andere Fluggeräte mit Netzen einfangen und kontrolliert zu Boden bringen. Diese Technologie wird bereits von der Bundespolizei und nach Unternehmensangaben auch von der Bundeswehr eingesetzt.
Gleichzeitig nutzt die Polizei Niedersachsen Drohnen seit längerem aktiv für eigene Einsätze, etwa bei der Suche nach Vermissten, der Überwachung von Großveranstaltungen oder der Beobachtung von Versammlungen. Der Fokus liegt nun jedoch verstärkt auf der Abwehr unerlaubter Fluggeräte.
Steigende Sichtungen und konkrete Vorfälle
Die Notwendigkeit einer effektiven Drohnenabwehr wird durch aktuelle Zahlen und Vorfälle unterstrichen. Das Landeskriminalamt Niedersachsen registrierte im vergangenen Jahr 435 Meldungen über unbekannte Flugobjekte oder auffällige Lichter am Himmel. Im Dezember 2025 führten Drohnen über Hannover sogar zu einem zeitweisen Stillstand des Flugbetriebs – ein deutliches Signal für die Dringlichkeit der Thematik.
Innenministerin Behrens betonte abschließend: „Unser Maßstab ist dabei immer der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit, der Eigensicherung und der Vermeidung von Risiken für Unbeteiligte.“ Damit setzt Niedersachsen auf einen Sicherheitsansatz, der Technologie, Kooperation und rechtliche Prinzipien in Einklang bringt.



