Massiver Protest gegen digitale sexuelle Gewalt in Berlin
Mehrere tausend Menschen haben am Samstagnachmittag in Berlin an einer Großdemonstration gegen sexualisierte digitale Gewalt teilgenommen. Unter dem Motto „Gegen sexualisierte digitale Gewalt - Solidarität mit allen Opfern“ versammelten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf dem komplett gefüllten Pariser Platz am Brandenburger Tor. Die Polizei sprach zunächst von deutlich über tausend Personen bei weiterem Zustrom, während die Veranstalter sogar von rund 13.000 Demonstranten berichteten – deutlich mehr als die ursprünglich angemeldeten 500 Teilnehmer.
Betroffene schildern traumatische Erfahrungen
Auf der Kundgebung kamen zahlreiche Betroffene zu Wort, die von ihren erschütternden Erfahrungen mit digitaler Gewalt berichteten. Die bekannte Klimaschutzaktivistin Theresia Crone schilderte eindringlich: „Digitale Gewalt endet nicht so richtig. Sie bleibt in den Suchmaschinen in den Köpfen.“ Sie erzählte von einem Fake-Profil mit ihrem Namen und Gesicht, das Fotos von sexuellen Situationen und Gewaltszenen zeigte. Besonders bedrückend sei gewesen, dass es sehr lange gedauert habe, bis ein Täter überhaupt bestraft worden sei, und dass solche Fälle tausendfach passierten.
Die Demonstration fand nach Angaben der Organisatoren in Solidarität mit der Moderatorin und Schauspielerin Collien Fernandes statt, die schwere Vorwürfe gegen ihren Ex-Partner Christian Ulmen erhoben hatte. Fernandes selbst warb für die Demonstration und postete bei Instagram: „Sexuelle Gewalt, physische und psychische Gewalt sind weiter verbreitet, als man ahnen mag. Sie finden statt, in der Mitte unserer Gesellschaft.“
Politische Forderungen nach Reformen
Die Protestierenden forderten mit Plakaten wie „Menschenrechte auch im Internet“ und „Die Scham muss die Seiten wechseln“ konkrete politische Maßnahmen. Im Fokus der aktuellen Debatte stehen insbesondere Deepfakes, bei denen etwa das Gesicht einer Frau in pornografisches Material eingefügt wird, sowie die Verbreitung von Fake-Profilen.
Auf Bundesebene hatten Union und SPD in ihrem Koalitionsvertrag bereits vereinbart, das Cyberstrafrecht zu reformieren und Strafbarkeitslücken zu schließen. Konkret heißt es darin, dass man „bei bildbasierter sexualisierter Gewalt. Dabei erfassen wir auch Deep Fakes“ vorgehen wolle. Bundesjustizministerin Hubig kündigte an, noch im Frühjahr einen entsprechenden Gesetzentwurf vorzulegen.
Rechtliche Auseinandersetzungen im Hintergrund
Die Demonstration fand vor dem Hintergrund rechtlicher Auseinandersetzungen statt. Christian Ulmens Anwalt Christian Schertz kündigte rechtliche Schritte gegen die Berichterstattung über die Vorwürfe an, bei der es sich „in großen Teilen um eine unzulässige Verdachtsberichterstattung“ handle. Zudem würden „unwahre Tatsachen aufgrund einer einseitigen Schilderung verbreitet“.
Die Veranstaltung zeigte deutlich, dass digitale sexuelle Gewalt ein massives gesellschaftliches Problem darstellt, das dringend politischer und rechtlicher Lösungen bedarf. Die große Teilnehmerzahl unterstreicht die Dringlichkeit des Themas und den Wunsch nach wirksamen Schutzmaßnahmen für Betroffene.



