Die Grünen überraschen mit einer Kehrtwende in ihrer Männerpolitik. In einem Manifest, das führende Politiker wie die Vorsitzende Franziska Brantner (46) und die prominente Ricarda Lang (32) unterstützen, wird ein neues Männlichkeitsbild entworfen: Männer sollen Muskeln aufbauen, stark sein und andere beschützen dürfen. Bisher galt das Männerbild der Grünen als das Gegenteil des Machos – sensibel, feministisch und mit Lastenrad unterwegs. Nun wollen die Grünen wieder mehr junge Männer für sich begeistern.
Manifest für moderne Männlichkeit
In dem Manifest heißt es, die Partei habe im Feminismus früher nur „definiert, was Männer nicht sein sollen: nicht gewalttätig, nicht dominant, nicht unterdrückend.“ Dies sei „alles richtig. Alles wichtig. Aber wir haben vergessen, ein Angebot zu machen, was Männlichkeit stattdessen sein kann.“ Die Lösung sei „moderne Männlichkeit“. Diese sei „keine Absage an Stärke“. „Im Gegenteil! Sie ist eine Absage an ein enges, verkümmertes Verständnis von Stärke, das nur Härte kennt und Verletzlichkeit als Schwäche diffamiert. Moderne Männlichkeit bedeutet die Freiheit, der Mann zu sein, der du sein willst – in der Verantwortung für andere.“
Fitness und Fürsorge erwünscht
Das Manifest konkretisiert: „Du willst jeden Tag ins Gym gehen und achtest auf deine Ernährung? Hervorragend.“ „Du willst für deine Familie sorgen können? Großartig. Das ist eine Form von Fürsorge, die Respekt verdient.“ Oder: „Du willst beschützen können? Ja, bitte. Die Welt braucht Menschen, die sich schützend vor andere stellen.“ Das alte Männerbild sei hingegen „eine Rollen-Diktatur“ gewesen, in der Schwule, Sensible oder Künstler als „nicht männlich genug“ galten. Nun gelte: „Moderne Männlichkeit ist inklusiv. Sie sagt: Es gibt unendlich viele Wege, ein Mann zu sein.“
Reaktion auf rechte Tendenzen
Zuerst hatte der „Spiegel“ über die Initiative berichtet („Wie die Grünen junge Männer erreichen wollen: Pumpen für die Partei“). Die Grünen bekennen selbst, dass „progressive“ Politik jungen Männern lange vor allem erklärt habe, wie sie NICHT sein sollen. Dadurch sei ein Vakuum entstanden, das Influencer wie Andrew Tate (39) mit traditionellen Männlichkeitsbildern gefüllt hätten. Jetzt soll ein Gegenangebot her: Stärke ja, aber ohne Dominanz; Ehrgeiz in Ordnung, aber mit Verantwortung. Die Verfasser stellen klar: „Dieser Text ist kein Regelwerk, sondern eine Einladung, Männlichkeit neu zu denken.“
Politisches Kalkül
Hintergrund der Initiative ist ein politisches Problem: Vor allem junge Männer wenden sich zunehmend rechten Parteien und sogenannten Manosphere-Influencern zu, die traditionelle Rollenbilder oder sogar offene Frauenfeindlichkeit propagieren. Die Grünen wollen diesem Trend ein positives Verständnis von Männlichkeit entgegensetzen („Stärke, die ermöglicht statt einschränkt“). Ob Fitnessstudio und Beschützer-Rolle junge Wähler zurückbringen? Darüber dürfte nun innerhalb der Grünen kräftig diskutiert werden.



