Jürgen Klopp hat sich erstmals seit dem Rücktritt von Julian Nagelsmann als Bundestrainer öffentlich geäußert. In einem Interview mit MagentaTV aus New York erklärte der 59-Jährige, dass er grundsätzlich bereit sei, den vakanten Posten beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) zu übernehmen. „Ich bin mittlerweile mehr als aufgetankt, also ich bin bereit“, sagte Klopp. Allerdings machte er deutlich, dass eine schnelle Lösung unwahrscheinlich sei: „Zeit“ sei der entscheidende Faktor für eine Unterschrift.
Verhandlungen mit dem DFB: Klopp fordert Einfluss
Klopp bestätigte, dass der DFB auf ihn zugekommen sei. Die Gespräche mit DFB-Präsident Bernd Neuendorf stünden jedoch noch am Anfang. „Es werden intensive Gespräche sein müssen, weil es natürlich die Probleme, die wir aktuell haben, nicht an der Personalie Julian Nagelsmann hängen“, betonte er. Damit signalisierte der ehemalige Liverpool-Coach, dass er weitreichende Befugnisse fordert – vergleichbar mit der „Carte blanche“, die Jürgen Klinsmann 2004 erhielt. Klopp will nicht in die Verbandsstrukturen eingebunden werden, sondern maximale Gestaltungsfreiheit, um den deutschen Fußball grundlegend zu verändern.
Hürde Red Bull: Vertrag bis 2029 muss aufgelöst werden
Neben dem DFB muss Klopp auch seinen Vertrag mit Red Bull klären, der noch bis 2029 läuft. Dort ist er seit 19 Monaten als Head of Global Soccer tätig. „Es ist ja schwierig, Gesprächen vorzugreifen, aber wir haben natürlich auch schon Dinge angetextet“, sagte er zu möglichen Trennungsproblemen. Klopp betonte, dass er Verträge normalerweise gern einhalte, aber Red-Bull-Chef Oliver Mintzlaff wisse, wie wichtig der Job für den deutschen Fußball sei. „Weil ich weiß, dass ihm der deutsche Fußball auch am Herzen liegt und er dementsprechend sehr offen ist für diese Gespräche. Aber geführt werden müssen sie ja trotzdem“, so Klopp.
Wendepunkt für den deutschen Fußball
Klopp warnte davor, dass der neue Bundestrainer allein nicht alle Probleme lösen könne. „Der deutsche Fußball steht jetzt natürlich an einem Wendepunkt. Wir müssen jetzt Dinge grundlegend verändern“, erklärte er. Die EM 2028 sei noch fern; zunächst müssten strukturelle Reformen angegangen werden. „Ob das am Ende dann ich sein werde oder wer auch immer das sein wird, das ändert nichts daran, dass die Veränderungen notwendig sind“, sagte Klopp. Er selbst fühle sich nach seiner Auszeit beim FC Liverpool erholt und motiviert. Die WM habe ihm neue Impulse gegeben: „Wie auch immer es für mich weitergeht: blöder werde ich nach dieser Weltmeisterschaft sicher nicht sein.“
Geld als unausgesprochene Hürde
Ein Thema blieb im Interview außen vor: die Finanzen. Red Bull wird Klopp nicht ohne Ablöse ziehen lassen, und der DFB steht nach der teuren Trennung von Nagelsmann und den Verlusten durch die WM unter finanziellen Druck. Die Verhandlungen dürften daher Zeit in Anspruch nehmen. Klopp selbst bleibt gelassen: „Es wird schon eine Lösung geben.“



