Texas führt Bibel als Pflichtlektüre an öffentlichen Schulen ein
Bibel wird Pflichtlektüre in texanischen Schulen

Mehr als fünf Millionen Schülerinnen und Schüler an öffentlichen Schulen in Texas werden künftig dazu verpflichtet, die Bibel zu lesen. Die zuständige Bildungsbehörde des US-Bundesstaates hat dies laut US-Medienberichten beschlossen. Ein von den Republikanern geführter Ausschuss verabschiedete am Freitag mit 9 zu 5 Stimmen eine neue Pflichtlektüreliste für jede Klassenstufe. Zudem wurden die landesweiten Lehrplanvorgaben für den Sozialkundeunterricht vom Kindergarten bis zur achten Klasse neugefasst.

Biblische Geschichten im Unterricht

Die neue Leseliste empfiehlt neben weltlicher Literatur unter anderem die Geschichten von Jona und dem Wal, David und Goliat sowie Adam und Eva. Auch Textstellen zu christlicher Demut und Liebe aus dem Alten und Neuen Testament sind enthalten. Bibeltreue Kreationisten dürfte freuen, dass nun neben naturwissenschaftlichen Theorien zur Entstehung der Erde auch die Schöpfungsgeschichte verbreitet wird. Bildungsbeamte in Texas begründeten die Entscheidung damit, dass „die Bibel als unverzichtbares literarisches Werk, das für das Verständnis der amerikanischen Gründungsgeschichte und Kultur von Bedeutung“ sei. Ob die Idee, dass Eva aus der Flanke Adams erschaffen wurde, im Unterricht als antiquierter Genderstereotyp kritisch hinterfragt werden soll, ist unklar.

Einfluss der Evangelikalen

Schätzungen zufolge gehören rund 27 Prozent der erwachsenen Bevölkerung in Texas – mehr als sechs Millionen Menschen – eher strenggläubigen evangelikalen Gruppierungen an. Evangelikale haben landesweit eine mächtige Lobby und großen Einfluss auf die US-Politik. Laut einem Bericht der „Texas Tribune“ diskutierten die Ausschussmitglieder unter der Leitung des Republikaners Tom Maynard sogar darüber, ob Lehrkräften verboten werden sollte, Bücher zu vergeben, die nicht vom Staat vorgeschrieben und online von den Eltern genehmigt wurden. Dieser Vorschlag wurde jedoch nicht angenommen.

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Kritik von Trennung von Staat und Kirche

Kritik kam von Befürwortern einer Trennung von Staat und Kirche. „Die Regierung von Texas – ganz zu schweigen von jeder anderen amerikanischen Regierungsstelle – sollte sich niemals damit befassen, den Menschen eine bestimmte Religion aufzuzwingen“, sagte Rachel Laser von der Organisation „Americans United for Separation of Church and State“ der „New York Times“. Die Organisation hatte bereits gegen ein Gesetz geklagt, das das Aushängen der Zehn Gebote in texanischen Klassenzimmern vorschreibt. Texas ist bekannt für seine christlich-missionarischen Vorstöße im Bildungsbereich. Der Bundesstaat erlaubt bereits die schulinterne Tätigkeit von Kaplänen, die als Seelsorger Schüler betreuen. Auch gibt es schon jetzt optionale bibelorientierte Lehrpläne. Die neue Leseliste soll ab 2030 verbindlich sein.

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