Trauerstaatsakt für Rita Süssmuth: Politik ehrt „Ausnahmepolitikerin“ mit letztem Gruß
Trauerstaatsakt für Rita Süssmuth: Politik ehrt Ausnahmepolitikerin

Trauerstaatsakt im Bundestag: Letzte Ehre für Rita Süssmuth

Die Spitzen der deutschen Politik haben sich im Bundestag versammelt, um Abschied von der verstorbenen CDU-Politikerin Rita Süssmuth zu nehmen. Mit einem feierlichen Trauerstaatsakt wurde die frühere Bundestagspräsidentin und Bundesministerin geehrt, die im Alter von 88 Jahren verstarb. Bundeskanzler Friedrich Merz würdigte sie als „Ausnahmepolitikerin“, deren Wirken das Gesicht der Bundesrepublik nachhaltig geprägt habe.

Würdigung einer prägenden Demokratin

Bundestagspräsidentin Julia Klöckner stellte Süssmuth in die Reihe der „großen Frauen der deutschen Demokratiegeschichte“. Sie betonte, dass Süssmuth gesellschaftliche Fragen stets früher erkannt habe als andere und nie davor zurückgeschreckt sei, unbequeme Debatten zu führen – selbst wenn der Gegenwind aus den eigenen Reihen kam. Diese Charakterstärke machte sie zu einer einzigartigen Persönlichkeit im politischen Leben Deutschlands.

Ökumenischer Gottesdienst und staatliches Zeremoniell

Dem Staatsakt im Bundestag ging ein ökumenischer Gottesdienst in der Sankt-Hedwigs-Kathedrale in Berlin-Mitte voraus. Prälat Karl Jüsten verwies in seiner Predigt auf Süssmuths tiefe Verwurzelung im christlichen Glauben, die möglicherweise eine Grundlage für ihre starke Persönlichkeit gewesen sei. An beiden Veranstaltungen nahmen die Spitzen aller fünf Verfassungsorgane teil, darunter Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundesratspräsident Andreas Bovenschulte und der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Stephan Harbarth.

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Versammelte politische Prominenz

Im Plenarsaal des Bundestages versammelte sich die politische Elite Deutschlands, um der Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Neben den amtierenden Spitzenpolitikern waren zahlreiche ehemalige Amtsträger anwesend, darunter Altkanzlerin Angela Merkel, Altkanzler Olaf Scholz, der frühere Bundespräsident Christian Wulff sowie frühere Bundestagspräsidenten wie Wolfgang Thierse, Norbert Lammert und Bärbel Bas. Ein übergroßes Schwarz-Weiß-Porträt Süssmuths hing an der Wand hinter der Regierungsbank, während Blumengestecke aus weißen Chrysanthemen die Atmosphäre des Abschieds unterstreichen.

Pionierin der Frauenpolitik

Rita Süssmuth gehörte dem Bundestag von 1987 bis 2002 an und amtierte von 1988 bis 1998 als dessen Präsidentin. Die Professorin für Erziehungswissenschaften war als Seiteneinsteigerin in die Politik gekommen, als Bundeskanzler Helmut Kohl sie 1985 zur Ministerin für Jugend, Familie und Gesundheit berief. Bereits ein Jahr später erweiterte sie ihr Ressort um die Zuständigkeit für Frauen – ein Novum in der deutschen Geschichte. Mit ihrem modernen Familien- und Frauenbild eckte sie häufig in ihrer eigenen Partei an, blieb aber stets ihrer Überzeugung treu.

Nachhaltiges politisches Erbe

Bundeskanzler Merz betonte in seiner Rede, dass Süssmuth fachlich exzellent, beharrlich und streitbar gewesen sei – und dabei „ziemlich oft ziemlich unbequem“, auch für seine eigene Partei. „In vielen Fragen – vielleicht in den meisten – hat die Geschichte ihr recht gegeben“, konstatierte Merz. Süssmuth habe sich selbst, ihre Partei und das gesamte Land immer wieder herausgefordert und damit zum Besseren verändert.

Demokratin mit Herz und Verstand

Der Journalist Heribert Prantl, der auf Wunsch Süssmuths sprach, bezeichnete die Verstorbene als „eine der Demokratie verpflichtete Möglichmacherin“. Ihre Tatkraft sei unwiderstehlich menschenfreundlich gewesen, sie habe Herzenswärme ausgestrahlt und stets andere Meinungen respektiert. „Rita Süssmuth war Demokratin mit Herz und Seele und mit scharfem Verstand“, so Prantl. Er erinnerte an ihren Kampf für eine humane Aids-Politik und für ein liberales Abtreibungsrecht, bei dem die letzte Entscheidung bei den Frauen liegt.

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Vorkämpferin für Parität

Ihr letztes großes politisches Anliegen war der Kampf um Parität in den Parlamenten. Süssmuth setzte sich unermüdlich für gesetzliche Regelungen ein, die eine gleichberechtigte Vertretung von Frauen und Männer in den Volksvertretungen sicherstellen sollten. Dabei zeigte sie, wie Prantl betonte, eine „verfassungspolitische Radikalität“, die ihr politisches Wirken bis ins hohe Alter charakterisierte. Ihr Engagement ebnete möglicherweise den Weg für spätere politische Entwicklungen – vielleicht, so Prantl, hätte es ohne Rita Süssmuth eine Kanzlerin Angela Merkel nie gegeben.