Hohe Fehlquoten im Deutschen Bundestag: Linke-Fraktion fällt negativ auf
Im Deutschen Bundestag herrscht zwar eine strikte Präsenzpflicht, doch die Realität sieht anders aus: Die Fehlquoten sind bemerkenswert hoch. Besonders eine Fraktion sticht in der aktuellen Legislaturperiode negativ hervor. Laut einer aktuellen Datenanalyse des Nachrichtenmagazins Der Spiegel verzeichnet die Linkspartei die höchsten Abwesenheitsraten bei namentlichen Abstimmungen.
Überraschender Wiedereinzug und anschließende Disziplinprobleme
Die Linke schaffte im Januar 2025, nur wenige Wochen vor der Bundestagswahl Ende Februar, einen politischen Comeback. Nachdem die Partei in Umfragen zunächst unter der Fünf-Prozent-Marke gedümpelt hatte, katapultierte eine fulminante Rede von Heidi Reichinnek im Bundestag zum Thema Brandmauer und Migration die Linke zurück in die öffentliche Wahrnehmung. Reichinneks enorme Reichweite in sozialen Medien mobilisierte insbesondere internetaffine junge Wähler. Mit knapp zehn Prozent der Stimmen und 64 Abgeordneten zog die Partei schließlich doch noch in den Bundestag ein.
Allerdings zeigten sich bereits kurz nach der Wahl interne Probleme. Hinter vorgehaltener Hand wurde in den Gängen des Bundestages gemunkelt, es sei schwieriger, einen Sack Flöhe zu hüten als diese heterogene Fraktion zu führen. Viele der über die Landesliste eingezogenen Abgeordneten hatten kaum Erfahrung mit professionellen parlamentarischen Abläufen.
Gregor Gysi und andere prominente Fehlende
Das prominenteste Beispiel für die hohen Fehlzeiten ist ausgerechnet eine Ikone der politischen Linken: Gregor Gysi. Laut der Spiegel-Analyse verpasste er im vergangenen Jahr bereits 26 namentliche Abstimmungen. Allein am 13. November 2025 fehlte Gysi bei sieben Abstimmungen. Insgesamt war er an sieben Sitzungstagen entschuldigt abwesend.
Die Daten zeigen ein klares Bild:
- Bei namentlichen Abstimmungen fehlte durchschnittlich fast jeder fünfte Linken-Abgeordnete.
- Bei der AfD war fast jeder Siebte abwesend.
- Bei den Grünen fehlte rund jeder Neunte.
Finanzielle Konsequenzen der Abwesenheit
Die Präsenzpflicht im Bundestag ist nicht nur eine formale Regelung, sondern hat handfeste finanzielle Konsequenzen. Für jede versäumte namentliche Abstimmung müssen Abgeordnete 200 Euro Strafe zahlen. Unentschuldigte Fehltage werden mit 300 Euro pro Tag geahndet. Dies summiert sich bei häufigen Abwesenheiten zu beträchtlichen Summen.
Bundestagsabgeordnete erhalten eine monatliche Diät von etwa 12.000 Euro zuzüglich einer steuerfreien Kostenpauschale in Höhe von fast 5.500 Euro. Wer regelmäßig fehlt, riskiert somit nicht nur politischen Einfluss, sondern auch erhebliche finanzielle Einbußen.
Spitzenreiter der Fehlzeiten kommt aus Baden-Württemberg
Der absolute Spitzenreiter bei den Fehlzeiten ist jedoch nicht Mitglied der Linken, sondern der fraktionslose Abgeordnete Sieghard Knodel. Der 65-Jährige aus Baden-Württemberg verzeichnete 44 entschuldigte Fehltage und nahm nur an fünf von 46 namentlichen Abstimmungen teil. Knodel war unmittelbar nach der Wahl aus der AfD-Fraktion ausgetreten und begründete seine häufige Abwesenheit mit einer Burnout-Erkrankung.
Die hohen Fehlquoten werfen Fragen zur Arbeitsdisziplin und Effektivität der parlamentarischen Arbeit auf. Während einige Abgeordnete gesundheitliche oder persönliche Gründe für ihre Abwesenheit anführen, bleibt die grundsätzliche Erwartung an die Präsenzpflicht im höchsten deutschen Parlament unverändert hoch.



