Justizminister einigen sich auf Kompromiss
Die Justizministerinnen und Justizminister der Länder haben auf ihrer Konferenz in Hamburg einen Kompromiss zur Reform des Paragrafen 188 vorgestellt. Der Paragraf, der die Beleidigung von Politikern unter besondere Strafe stellt, war zuletzt stark in die Kritik geraten. Insbesondere aus den unionsgeführten Ländern kam der Vorwurf, die Vorschrift gefährde die Meinungsfreiheit.
Bayerns Justizminister Georg Eisenreich (CSU) betonte: „Eine Demokratie braucht Machtkritik.“ In Teilen der Bevölkerung sei das Gefühl entstanden, dass dies mit den schärferen Sanktionen nicht mehr möglich sei. Äußerungen wie „Lackaffe“ oder „Pinocchio“ gegenüber Bundeskanzler Friedrich Merz hatten zu Ermittlungen geführt und Debatten über die Grenzen der Meinungsfreiheit ausgelöst.
Schutz für Kommunalpolitiker im Fokus
Der nun gefundene Kompromiss sieht vor, dass der Schutz vor Beleidigungen künftig vor allem für kommunale Amts- und Mandatsträger wie Bürgermeister und Gemeinderäte gelten soll. Spitzenpolitiker wie die Bundesjustizministerin oder der Kanzler sollen hingegen nicht mehr von der Strafverschärfung profitieren. „Spitzenpolitiker können und müssen eine harte Auseinandersetzung aushalten“, sagte Moritz Oppelt (CDU), Justizminister von Baden-Württemberg.
Gleichzeitig soll die Beleidigung von Politikern vom „relativen“ zum „absoluten Antragsdelikt“ werden. Bisher konnte die Staatsanwaltschaft auch ohne Anzeige des Betroffenen ermitteln. Künftig soll dies nur noch auf Antrag des Beleidigten möglich sein. Dieser Vorschlag stammt aus Sachsen und Baden-Württemberg und wurde von den unionsgeführten Ländern gegen die Stimmen der anderen Parteien durchgesetzt.
Hintergrund: Der Mord an Walter Lübcke
Der Paragraf 188 war nach dem Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke im Juni 2019 eingeführt worden. Lübcke war von einem Neonazi erschossen worden, nachdem er massiv im Internet hetzt worden war. Die damalige Bundesregierung reagierte mit der Strafverschärfung, um Politiker besser zu schützen. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) erinnerte in Hamburg an Lübcke und betonte, dass mit Hetze gegen Amtsträger nicht nur die Person, sondern auch die Demokratie angegriffen werde.
In der Praxis hatte der Paragraf jedoch zu einer Vielzahl von Ermittlungen gegen Bürger geführt, die Spitzenpolitiker beleidigt hatten. Dies hatte Kritik hervorgerufen, da Politiker nach Ansicht vieler Juristen ein dickeres Fell haben müssten. Die FDP und ihr Chef Wolfgang Kubicki sprachen sich seit Langem für eine Abschaffung des Paragrafen aus. Nun haben sich die Justizminister auf eine Reform verständigt, die den Schutz auf die lokale Ebene konzentriert.



