Merz warnt: Wohlstandsillusion in Deutschland wird nicht halten
Merz: Wohlstandsillusion wird nicht halten

Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) hat in einem Interview mit dem „Spiegel“ deutliche Worte zur aktuellen Stimmungslage in Deutschland gefunden. Er kritisiert die mangelnde Reformbereitschaft vieler Bürger und warnt vor einem drohenden Wohlstandsverlust. „Ich bin unzufrieden mit der Atmosphäre, die in Deutschland herrscht“, sagte Merz. Es gebe einen tiefgreifenden Umbruch, auf den sich die Gesellschaft einstellen müsse. „Das ist noch nicht gelungen, weil viele ihren Besitzstand wahren wollen und sich gegen jede Veränderung wehren.“

Appell an die Bevölkerung

Der Kanzler betonte, dass Deutschland nicht einfach so weitermachen könne wie in den letzten 20 Jahren. „Ich nehme dabei in Kauf, dass ich dafür angefeindet werde. Aber ich habe einen Amtseid abgelegt, und ich habe ein Gewissen. Beides verpflichtet mich.“ Große Teile der Bevölkerung, aber auch der politischen Klasse unterschätzten, „was sich in der Welt da draußen gerade abspielt“. Merz weiter: „Bitte nehmen Sie es nicht als Vorwurf, aber wir haben uns in einer Wohlstandsumgebung eingerichtet. Ich bin seit 20 Jahren der erste Kanzler, der den Deutschen sagt: Unsere Wohlstandsillusion wird nicht halten. Wir müssen mehr tun und bewegen, als wir bisher getan haben.“

Selbstkritik und Kritik an der Koalition

Merz äußerte auch Selbstkritik: „Vielleicht kann ich es netter verpacken, vielleicht kann ich es freundlicher sagen. Aber die Lage ist so herausfordernd, dass ich mich dem nicht entziehen werde.“ Auf die Frage des „Spiegel“, ob alle in seinen Reihen und der SPD den Ernst der Lage verstanden hätten, antwortete Merz nüchtern: „Nein.“ Die Unzufriedenheit in der Bevölkerung sieht er auch von der Regierung mitverursacht: „Wir haben kein gutes Erwartungsmanagement betrieben. Man darf nicht über Nacht schnelle Erfolge erwarten, aber genau das erhofft natürlich die Bevölkerung.“ Dabei hatte Merz selbst mit Ankündigungen wie dem dann ausgebliebenen „Herbst der Reformen“ die Erwartungen hochgeschraubt.

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