Zwillinge, so sagt man, haben ein besonderes Verhältnis zueinander. Sie tun oft dieselben Dinge – und das häufig zur selben Zeit. Da verwundert es nicht wirklich, wenn sie auch zeitgleich heiraten. Genau das ist den Zwillingsbrüdern Manfred und Wilfried Pingel passiert: Sie haben am selben Tag geheiratet und nun, ein halbes Jahrhundert später, gemeinsam Goldhochzeit gefeiert.
Ähnlichkeit bei Zwillingsbrüdern hält sich in Grenzen
Wilfried und Manfred sieht man nicht an, dass sie Zwillinge sind – zu unterschiedlich ist ihr Erscheinungsbild. Doch ihr Verhältnis ist ungeachtet dessen seit frühster Kindheit sehr eng. So wohnen beide nach wie vor in ihrem Heimatort Klinken, der heute zur Gemeinde Lewitzrand gehört. Gerade einmal vier Grundstücke trennen die beiden Ehepaare, die jeweils in Häusern wohnen, die schon eine Generation zuvor in Familienbesitz waren. Wilfried übernahm das Elternhaus, Manfred das von Onkel und Tante, die kinderlos geblieben waren. Die Goldpaare haben jeweils zwei Kinder großgezogen.
Die Armeezeit war hart für das junge Glück
Ihre Frauen haben sie bei Tanzveranstaltungen kennengelernt. „Und dann kam die Armeezeit!“, erinnert sich Angelika Pingel. Das war hart, bedeutete es doch für das junge Glück, dass man sich nur in großen Abständen sah. Manfred und Wilfried sind sich während dieser zwei Jahre als Soldaten überhaupt nicht persönlich begegnet. Sie wurden zum selben Datum eingezogen, aber in verschiedenen Truppenteilen eingesetzt und bekamen auch nicht zeitgleich Urlaub.
Beide sind Handwerker geworden. Wilfried Pingel hat eine Klempnerlehre gemacht, sein Zwillingsbruder Manfred wurde Maurer. Er war später als Ofensetzer tätig und schließlich Betriebshandwerker bei einer Wohnungsbaugesellschaft. „Das war ein schönes, sehr selbstständiges Arbeiten!“, erinnert er sich. Wilfried hingegen beschloss sein Arbeitsleben als Gemeindearbeiter.
Goldhochzeitsfeier mit 60 Gästen
Für die Goldhochzeitsfeier mit insgesamt mehr als 60 Gästen haben die Pingels die örtliche Sporthalle gemietet. Ein befreundeter Jäger lieferte ein Wildschwein, die anderen Speisen kamen von einer Schlachterei. Die Feier ging bis nachts um drei Uhr – dennoch blieb vom Buffet reichlich übrig. Weil nach den Jahrzehnten der Hausstand mehr als komplett ist, baten die beiden Goldhochzeitspaare um Geldgeschenke. Und sie wissen bereits, wofür sie diese verwenden werden: Wilfried und Angelika fahren mit den Kindern nach Berlin ins Musical und auf Stadtrundfahrt, Essen im Restaurant auf dem Fernsehturm inklusive. Manfred und Brigitte machen eine Schiffsreise nach Irland und Schottland – seit Jahren ein Herzenswunsch der Goldbraut.
Die Heirat am selben Tag hat in der Familie Pingel übrigens Tradition: „Unsere älteren Geschwister haben es einige Jahre zuvor vorgemacht“, schmunzelt Manfred Pingel.



