Seit mehr als einem Monat hält ein Buckelwal die Bucht von Wismar in Atem. Das Tier ist vor der Ostseeinsel Poel gestrandet und konnte bisher nicht befreit werden. Nun soll ein neuer Rettungsversuch mit einem Lastkahn gestartet werden. Doch der Walforscher und Meeresbiologe Fabian Ritter zeigt sich skeptisch.
Experte warnt vor Belastung durch Lärm
Ritter, Mitgründer und zweiter Vorsitzender des Wal- und Delfinschutzvereins „M.E.E.R.“, äußerte im ZDF-Morgenmagazin Bedenken. „Der Zustand des Wals ist nach wie vor prekär. Er hat eine lange Leidensgeschichte hinter sich. Wenn wir jetzt mit großem, schwerem Gerät, vielen Menschen und viel Geld das Allermöglichste versuchen, laufen wir Gefahr, dem Wal zu schaden“, erklärte er.
Besonders der lange Transport in dem Lastkahn bereitet Ritter Sorgen. „Was mir Sorgen macht, ist die Lautstärke. Das wird sehr laut für den Wal. Wale und Delfine leben in einer Welt des Schalls und sind extrem empfindlich.“ Er verglich die Belastung mit einem Menschen, dem man drei Tage lang eine helle Lampe ins Gesicht halte.
Blutproben und Atemluftanalyse fehlen
Ritter betonte zudem, dass man den Wal nach drei Tagen nicht einfach losschicken könne. „Man muss sicherstellen, dass er bewegungsfähig ist und Nahrung aufnehmen kann. Was mir noch fehlt, sind die Ergebnisse einer Blutprobe oder eine Analyse der Blasluft.“
Der Meeresbiologe wollte keine konkrete Prognose zu den Überlebenschancen des Walbullen abgeben. „Es wurde schon viel spekuliert, und er hat uns immer wieder überrascht. Daher möchte ich keine Prognose stellen.“
Rettungsversuch mit Lastkahn geplant
Der Buckelwal treibt seit mehr als 50 Tagen in der Ostsee und vor der Insel Poel. In dieser Woche soll der Abtransport mit einem Lastkahn erfolgen. Der Kahn soll das Tier samt Wasser aufnehmen und möglicherweise bis in den Atlantik bringen. Ursprünglich war der Abtransport frühestens für Dienstag geplant. Der Lastkahn ist bereits auf dem Weg zur Insel Poel.



