Neuer Pastor in Penzlin: Fusion und Herausforderungen
Neuer Pastor in Penzlin: Fusion und Herausforderungen

Der neue Pastor in Penzlin hat Glück. Gerade wurde sein Pfarrhaus neu saniert. Der Garten soll in den nächsten Monaten fertig werden. Doch nicht nur für Penzlin ist Nicolas Winkler zuständig, sondern für insgesamt 23 Kirchen. Seine Gemeinde Penzlin-Mölln fusionierte Anfang des Jahres mit der Gemeinde Ivenack-Stavenhagen.

Eine fahrintensive Funktion

Die neue Kirchengemeinde Penzlin-Stavenhagen, die er sich mit seinem Kollegen Christian Herrmann teilt, verfüge insgesamt über 36 Kirchen und Kapellen. Seine Funktion sei sehr fahrintensiv, sagte Winkler dem Nordkurier. Während seines Studiums habe er als Gemeindesekretär in der Kirchengemeinde Wanzka gearbeitet, auch dort gebe es viele Gotteshäuser. Kirchenreiche Gemeinden seien ihm also vertraut.

Die Fusion bedeute vor allem einen Zusammenschluss in der Verwaltung. Bei Gottesdiensten und Gemeindearbeit seien beide Gemeinden jeweils eigenständig. In der neu fusionierten Gemeinde gebe es vier größere Orte, neben Penzlin und Stavenhagen seien das Möllenhagen und Rosenow.

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Er komme aus Stuttgart, habe unter anderem in Greifswald studiert. In der Region sei er seit Ende der 2010er-Jahre beheimatet. Den besten regionalen „Fremdenführer“ hat er allerdings an seiner Seite: Seine Frau kommt aus Penzlin, beide wohnten vorher in Hohenzieritz.

Um Pastor zu werden, muss man in viele Bereiche hineinschauen

Um Pastor zu werden, müsse man zuvor in viele Bereiche hineinschauen, erklärt Nicolas Winkler. Man sei Religionslehrer, Seelsorger, Liturge, Pädagoge und Verwalter. „Wir haben eine Bandbreite an Aufgaben wie vielleicht kein anderer Beruf“, so Nicolas Winkler. Nach Studium und Abschluss werde man schließlich als Pastor für drei Jahre entsandt. Danach könnte man es sich aussuchen. Winkler kann sich jedoch durchaus vorstellen, nach den drei Jahren in Penzlin zu bleiben.

Die Fusion begleitete er schon länger

Die Fusion der beiden Kirchengemeinden begleitete er schon längere Zeit. Er sei mit seinem Vorgänger schon länger befreundet und habe dadurch vieles über die geplante Fusion mitbekommen. Der Kirchenkreis unterstütze die Fusion für sechs Jahre mit Geld für das Personal. Ein solcher Schritt sei zudem nötig, weil die einzelnen Gemeinden nicht mehr tragfähig seien und es nicht genügend Pastoren gebe. Und dennoch: „Es war halb freiwillig, halb erzwungen“, gibt Nicolas Winkler zu.

Die Gemeinden seien sehr unterschiedlich. Penzlin-Mölln habe jahrelang denselben Pastor gehabt, im Bereich Möllenhagen-Ankershagen dagegen hätten die Pastoren in den vergangenen zehn Jahren mehrfach gewechselt. Ähnlich sei die Situation in Kittendorf. In Stavenhagen habe es mehrere Wechsel gegeben, aber immer auch einen Pastor. Alle hätten aber bereits Fusionen hinter sich gebracht. Man habe vier komplett verschiedene Arten, wie Gemeinde gelebt werde. Die Herausforderung sei, das zusammenzuführen. Zudem hätten die einzelnen Gemeinden unterschiedlich viel Personal.

Nur zehn bis zwanzig Prozent sind Gemeindemitglieder

Man merke auch, dass die Kirche hierzulande eine Minderheitenkirche sei. Nur zehn bis zwanzig Prozent der Bevölkerung seien Gemeindemitglieder. In den Gottesdiensten seien die Besucher meist ältere Menschen. Ohnehin gebe es für Kinder andere Formate wie Kindergottesdienste in kindgerechter Sprache. Viele Besucher seien allerdings offen für neue Ideen. „Wenn die Kirche überleben will, muss sie dazu kommen, Menschen zu aktivieren, dass sie selbst das Christentum leben“, findet Nicolas Winkler.

Er sei in der neuen Kirchengemeinde für Penzlin-Mölln und Möllenhagen-Ankershagen zuständig und sei in den meisten Kirchen regelmäßig. Im Sommer gebe es zudem mehr Gottesdienste draußen. Den Garten seines Pfarrhauses wolle er für Feiern nach Gottesdiensten nutzen.

Im letzten Jahr wurde das Pfarrhaus in Mölln verkauft

Die Kirche müsse öfter auch Immobilien verkaufen. Im vergangenen Jahr sei beispielsweise das Pfarrhaus in Mölln verkauft worden. Früher oder später müssten leider auch einige Kirchen aufgegeben und stillgelegt werden, macht Winkler deutlich. Natürlich wolle kein Dorf seine Kirche verlieren. Aber es gebe meist zu wenig Personal und zu wenig Mitglieder. Hinzu kämen die Kosten für den Unterhalt. Da spreche man von ein paar tausend Euro jährlich für alle 36 Kirchen.

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Bei zwei Kirchen seien noch Sanierungsarbeiten nötig, nämlich in Zahren und Groß Vielen. „Da müssen wir noch sehen, ob wir es uns leisten können“, schätzt der Pastor ein. Die Kirche, die demnächst aufgegeben werde, sei in Wrodow. Diese sei seit Jahren nicht mehr in Betrieb und baufällig. Interessanterweise gebe es gerade bei Nicht-Kirchenmitgliedern manchmal kein Verständnis dafür, dass die Kirche kein Geld habe. Viele wollen die Kirchen im Ort behalten, aber sie nicht unterhalten.

Dennoch versuche er jeden Sonntag in einen seiner Kirchenorte zu gehen und mit den Menschen zu sprechen. Dabei gehe es oft darum, was möglich sei oder was sie für Kirche und Friedhof tun könnten. In manchen Orten hätten die Menschen einmal im Monat die Andacht bereits selbst übernommen, weil dafür zum Beispiel kein Pastor nötig sei. Das sei Teil der Realität, wenn Kirche regelmäßig stattfinden solle.

Wofür braucht man die Kirche im Dorf?

Es gebe noch mehr Möglichkeiten, wie Ausstellungen, Picknick und Grillen. Kirchen seien eben Räume, die zur Verfügung stehen, und es sei schade, wenn diese nur einmal im Jahr genutzt würden. Letztlich stelle sich ganz allgemein die Frage, wofür man die Kirche im Dorf brauche. Es wäre schön, wenn sie im Leben der Menschen eine Rolle spielen würden. Aber dafür dürften sie nicht auf Gottesdienste, Beerdigungen und Hochzeiten reduziert werden. Wie die Kirchen genutzt werden, müssten die Menschen selbst entscheiden. „Es muss ja auch zum Ort passen“, findet Nicolas Winkler.