Beliebte Politikreihe 'Malchower Format' vor dem Aus: Kirche nennt Überlastung als Grund
Malchower Format vor dem Aus: Kirche nennt Überlastung als Grund

Das Aus für eine politische Institution in der Uckermark

Mit einer bewegenden Szene endete die vorerst letzte Veranstaltung des „Malchower Formats“ in der kleinen Dorfkirche an der B109. Nicole Albrecht, eine vor zwei Jahren in die Uckermark zugezogene selbstständige Erzieherin, erhob sich und verlas einen offenen Brief, in dem sie leidenschaftlich für den Fortbestand der politischen Vortragsreihe plädierte. Anschließend sammelte sie Unterschriften von Gleichgesinnten, die diese einzigartige Veranstaltungsreihe ebenfalls erhalten wollten. Doch trotz dieser Bemühungen steht nun fest: Nach 70 Auflagen geht mit dem „Malchower Format“ eine Ära zu Ende.

Eine Erfolgsgeschichte im ländlichen Raum

Fünf Jahre lang hatte das „Malchower Format“ politische, wissenschaftliche und medizinische Schwergewichte in die Uckermark gebracht. Fast monatlich fanden in der Malchower Dorfkirche Diskussionsveranstaltungen statt, die im ländlichen Raum ihresgleichen suchten. „Schnell war mir klar, dass es sich dabei um eine herausragende Veranstaltungsreihe handelt, die man im ländlichen Raum so gar nicht erwartet hätte“, beschreibt Nicole Albrecht ihre erste Begegnung mit dem Format gegenüber dem Nordkurier.

Die Reihe war unter der Federführung von Pfarrer Thomas Dietz entstanden, der im vergangenen Jahr in den Ruhestand ging. Sein Adressbuch, so heißt es, hätte noch Potenzial für Dutzende weiterer Veranstaltungen geboten, und auch er selbst hätte nichts gegen eine Fortführung gehabt.

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Die letzten Höhepunkte einer bedeutenden Reihe

Bevor das endgültige Aus kommt, stehen noch vier besondere Veranstaltungen auf dem Programm:

  • Am Mittwoch, dem 22. April, spricht Dr. Ahmad Mansour, der israelisch-deutsche Psychologe und Autor arabisch-palästinensischer Herkunft, zum Thema „Wie der Extremismus Deutschland spaltet - eine intellektuelle Selbstzerstörung?“
  • Peter Hahne, ehemaliger ZDF-Fernsehmoderator und Autor, fragt am Donnerstag, dem 7. Mai: „Warum macht ihr uns kaputt?“
  • Maren Müller, bekannt als die Frau, die Markus Lanz stoppen wollte und Pionierin der Medienkritik, spricht am Donnerstag, dem 4. Juni.
  • Den Abschluss bildet Universitätsprofessor Dr. Dr. Christian Schubert aus Innsbruck am 25. Juni mit dem Thema „Der Transhumanismus träumt von einer sinnentleerten Welt“.

Ein engagierter Kampf für den Erhalt

Nicole Albrecht war nicht bereit, das Ende dieser besonderen Reihe einfach hinzunehmen. Sie wandte sich mit Briefen an den Gemeindekirchenrat und argumentierte leidenschaftlich für eine Fortführung. „Gerade in einer Zeit gesellschaftlicher Spannungen und zunehmender Verunsicherung sind solche Orte des respektvollen Austauschs von besonderer Bedeutung“, schrieb sie in ihrem Schreiben.

Sie betonte die Bedeutung des kirchlichen Rahmens: „Gerade der geistliche Rahmen des kirchlichen Kontextes gibt solchen Veranstaltungen eine zusätzliche Tiefe: Es öffnet sich Raum für Hoffnung, der Glaube wird gestärkt und es wird erfahrbar, dass das Gespräch zwischen Menschen immer auch im Zeichen von Nächstenliebe und Versöhnung stehen kann.“

Bei der 66. Auflage mit Politikberaterin Antje Hermenau initiierte sie schließlich eine Unterschriftensammlung, in die sich sofort viele Besucher eintrugen. Die Hoffnung war groß, dass der Gemeindekirchenrat seine Entscheidung noch einmal überdenken würde.

Die ernüchternde Antwort der Kirche

Doch Dietlind von Zitzewitz musste den Anwesenden diese Hoffnung nehmen. Im Namen des Gemeindekirchenrates erklärte die Cremzowerin, dass sich das Gremium beraten und letztlich gegen eine Fortführung des Formats in dieser Form ausgesprochen habe. Der entscheidende Grund: Arbeitsüberlastung.

„Momentan binde die Suche nach einem Nachfolger für Thomas Dietz alle Kräfte“, appellierte sie um Verständnis und fügte die ernüchternden Worte hinzu: „Wir schaffen das nicht.“

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Damit ist eine politische Bildungsreihe zu Ende gegangen, die fünf Jahre lang für anspruchsvolle Diskussionen und respektvollen Austausch in der Uckermark stand. Während die letzten vier Veranstaltungen noch stattfinden werden, bleibt die Frage, ob und wie solche Formate im ländlichen Raum zukünftig erhalten werden können.