Aufgeheizte Debatte um Jugendklub in Stavenhagen
Die Stimmung in Stavenhagen ist aufgeheizt. Viele Reuterstädter befürchten, dass der Jugendklub geschlossen werden könnte. Doch die Stadt betont, dass dies nicht geplant sei. Die Fronten zwischen der Stadtverwaltung und der Arbeiterwohlfahrt (Awo) sind jedoch verhärtet. Beide Seiten setzen nun auf neue Gespräche, um eine Lösung zu finden.
Finanzielle Engpässe und Konzeptforderungen
Die Stadtvertretung hat am Mittwochabend einen Antrag der Zählgemeinschaft Linke/EB Trautmann abgelehnt. Dieser sah vor, den Beschluss zur möglichen Kündigung des Vertrages mit der Awo zurückzunehmen. Hintergrund sind finanzielle Engpässe der Stadt. Sie fordert ein überarbeitetes Konzept für den Jugendklub. Oliver Wickel (CDU) stellte klar: „Kein Stadtvertreter will den Jugendklub schließen.“ Es gehe um Bedingungen und Inhalte für die zukünftige Trägerschaft. Die Stadt müsse sparen, das gelte für alle Bereiche. Der Vertrag mit der Awo solle vorsorglich gekündigt werden, um mit dem Träger ins Gespräch zu kommen. „Wenn wir die sechsmonatige Frist für die Kündigung verpassen, hat die Stadt ein Problem“, so Wickel. Die vertraglich festgelegte Summe könne Stavenhagen im nächsten Jahr nicht mehr aufbringen.
Streit um Social-Media-Beitrag
Wickel warf Linken-Politiker Peter Ritter vor, mit einem Beitrag in sozialen Medien die Stimmung in der Stadt angeheizt zu haben. Ritter wies dies zurück und sprach von unbegründeten Anschuldigungen. Michael Jirsch (UFS) bedauerte die zunehmend scharfe Tonlage. Er erinnerte daran, dass auch die Linke eine Überarbeitung des Konzeptes gefordert habe. In einer früheren Gesprächsrunde zwischen Stadt und Jugend hatten Jugendliche geäußert, der Klub sei eher eine Einrichtung für Kinder. Gewünscht würden stärker altersgerechte Angebote. Daraus leitete die Stadt den Auftrag ab, mit der Awo über ein verändertes Konzept zu sprechen.
Vorschlag: Kündigung vorerst nicht versenden
Vize-Stadtpräsident Detlef Hein (UFS) erklärte, der Vertrag mit der Awo sei noch nicht gekündigt. Er schlug vor, die Kündigung zunächst nicht zu versenden und erst dann aktiv zu werden, wenn bis zum 30. Juni keine Einigung erreicht werde. Die Awo sei über eine mögliche Kündigung informiert worden. Man habe jedoch die Rückmeldung erhalten, die Stadt müsse Zahlen vorlegen, damit der Träger neu kalkulieren könne. „Für die Awo war dann das Gespräch beendet“, sagte Hein. Er begrüßte es, dass am Montag, 4. Mai, nun wieder miteinander geredet werden soll. Die Awo hat die Stadtvertreter in den Jugendklub eingeladen.
Frühere Konflikte und fehlender Plan B
Peter Ritter erinnerte an eine frühere, ähnliche Situation. Damals habe die Awo mit der Schließung der Jugendklubs in Basepohl und Stavenhagen gedroht, sollte die Stadt nicht zahlen. Für neue Verhandlungen müsse der finanzielle Rahmen klar benannt werden. Ritter verwies auf die Vertragslage: Mit der Kündigungsklausel gehe die Trägerschaft automatisch an die Stadt über. Eine Mutter einer 15-jährigen Tochter wollte wissen, was passieren würde, wenn keine Einigung zustande kommt. „Ist dann der Klub zu oder gibt es eine Alternative?“ Sie entnehme aus der Diskussion, dass die Stadt kein Geld hat und höre nur, was alles die Awo tun müsste. „Was hat die Stadt vor?“, fragte sie. Einen Plan B gibt es nicht, wenn die Verhandlungen scheitern. So ehrlich mussten es die Stadtvertreter zugeben. Umso wichtiger sei es, den Diskussionsfaden mit der Awo wieder aufzunehmen, meinte Peter Ritter. Und Oliver Wickel ergänzte, dass alle ohne Konfrontation Konzept und Finanzen klären wollen.



