Ein fast neues Relikt aus vergangenen Zeiten
Als ich kürzlich in der hintersten Ecke meines Schranks stöberte, stieß ich auf einen längst vergessenen Gegenstand, der sofort eine Welle der Nostalgie auslöste. Vor mir lag ein Heizkissen in seiner Originalverpackung, mit der Aufschrift: „Heizkissen VEB Elektrowärmegeräte 435 Bernburg/Saale, Typ Nord, 60 W, EVP 26,40 M“. Das Gerät stammte noch aus DDR-Zeiten und hatte mir damals bei Bauchschmerzen geholfen.
Der kleine Luxus in der Mangelwirtschaft
In der Deutschen Demokratischen Republik galt ein solches Heizkissen als durchaus kostspieliger Besitz. Mit einem Preis von 26,40 Mark erforderte es einen beachtlichen Teil des monatlichen Einkommens. Doch es war mehr als nur ein einfaches Wärmegerät – es symbolisierte den Einfallsreichtum und die Sparsamkeit, die das Leben in der DDR prägten. Die Menschen wussten die wenigen verfügbaren Güter zu schätzen und pfleglich zu behandeln.
Der aufgedruckte Hinweis „Im Gebrauch nicht falten oder rollen! Keine Nadeln reinstecken“ wurde gewissenhaft befolgt, um dem wertvollen Stück ein langes Leben zu ermöglichen. Das Heizkissen selbst befand sich in einem erstaunlich guten Zustand, fast wie neu, lediglich ein dezenter Duft vergangener Jahrzehnte hing noch daran.
Vom Alltagshelden zum Ladenhüter
Doch was ist aus diesem einstigen Luxusgegenstand geworden? Auf dem Flohmarkt meines kleinen Dorfs in der Uckermark wollte ich dem Heizkissen einen neuen Besitzer bescheren – doch niemand zeigte Interesse. Es lag da wie ein diskreter Zeitzeuge, der seine Geschichten nur denen erzählt, die gezielt danach fragen.
Stoßen uns die sichtbaren Spuren der Jahre heute ab? Oder sind es die zu erwartenden Stromkosten in Zeiten des Energiesparens, die potenzielle Käufer abschrecken? Vermutlich spielen beide Faktoren eine Rolle. Inzwischen bevorzuge ich persönlich Flaschen mit warmem Wasser oder Kirschkernkissen anstelle elektrischer Wärmequellen.
Die Frage nach den vergessenen Schätzen
Dieses Heizkissen hat mittlerweile doch noch einen neuen Besitzer gefunden, doch es wirft eine größere Frage auf: Welche Gegenstände aus DDR-Zeiten haben Sie noch aufbewahrt? Ob sie Ihren Alltag bereichern oder als stumme Zeugen in Schrankecken ruhen – manchmal sind es gerade diese kleinen Dinge, die uns an eine Ära erinnern, die uns geprägt hat.
Die Geschichten, die solche Alltagsgegenstände erzählen, reichen weit über ihren materiellen Wert hinaus. Sie handeln von Kreativität im Mangel, von Wertschätzung für das Vorhandene und von einer Zeit, die trotz aller Einschränkungen auch ihre besonderen Momente hatte.



