DDR-Alltag: Günstige Brötchen und politisch gedeckelte Preise im Rückblick
Die Preise für Lebensmittel und Haushaltswaren beliefen sich in der DDR oftmals auf nur wenige Pfennige. Diese Erinnerungen an den Alltag in der Deutschen Demokratischen Republik sorgen weiterhin für kontroverse Diskussionen unter Lesern, die darüber streiten, was davon heute fehlt oder überholt ist.
Subventionierte Grundnahrungsmittel und geringe Verschwendung
Franziska Krumhaus, die zur Wendezeit noch sehr jung war, erinnert sich an die Tonnen mit Brot- und Essensresten an Schulen und Kindergärten. „Wenigstens wurde es zum Füttern der Tiere genutzt und damit recycelt und nicht einfach weggeworfen“, betont sie. Sie weist darauf hin, dass Grundnahrungsmittel subventioniert wurden, damit sich jeder Brot, Butter und Milch leisten konnte. „Ob die überdimensionierte Auswahl und die teilweise abartig hohen Preise uns heute glücklicher machen, wage ich zu bezweifeln“, fügt sie hinzu und verweist auf ihre Reiseerfahrungen, bei denen sie beobachtet hat, dass Menschen mit weniger Besitz oft zufriedener wirken.
Harte Arbeit für geringe Gehälter
Michael Töle erinnert sich an preiswertes Essen in Gaststätten, stellt aber klar: „Aber was haben wir verdient? In vier Schichten 800 Mark. Unser Kollege drüben verdiente wahrscheinlich das Vierfache.“ Er bestreitet, dass Esswaren weggeworfen wurden, und erklärt, die Preise seien unterschiedlich gewesen: Was im Westen teuer war, war in der DDR billig. Tobias Rauscher, der in einem sächsischen Dorf aufwuchs, beschreibt, wie bei ihm zu Hause kaum etwas an Tiere verfüttert wurde, außer dem letzten harten Brotstück, genannt Ränftel. „In der DDR arbeiteten alle hart für geringe Gehälter“, sagt er und vermutet, dass dies in Westdeutschland ähnlich war. Er erzählt auch von seinem kindlichen Unternehmertum, als er Brötchen für fünf Pfennige kaufte und sie an Nachbarn für zehn bis fünfzehn Pfennige weiterverkaufte – vielleicht der erste Kinderkapitalist im Sozialismus.
Erinnerungen an knusprige Brötchen und politisch niedrige Preise
Björn Kunkel, der bei der Wende sieben Jahre alt war, erinnert sich daran, dass damals viele Backwaren auf dem Frühstückstisch standen. Unverzehrte Brote wurden nicht weggeworfen, sondern am nächsten Tag zu ‚Armen Rittern‘ verarbeitet oder aus altem Schwarzbrot Bratstullen gemacht. Die Preise für Lebensmittel und Mieten waren politisch niedrig gehalten, und Lebensmittelverschwendung gab es laut seinen Eltern kaum. Sabine Krebs denkt mit Wehmut an die Brötchen zurück und wünscht sich, es würde sie noch geben. Sie liebte das Frühstück bei Besuchen bei ihrer Mutter in Halle/Saale, besonders die Brötchen mit Honigbär. Nach ihrem Umzug von Köln nach Rostock im Jahr 2011 musste sie feststellen, dass diese Leckereien vom Bäcker nicht mehr existieren.
Westliche Perspektiven und anhaltende Debatten
Klaus Pastoors, der als Wessi von 1976 bis 2000 in West-Berlin lebte, besuchte Ostberlin zwei oder drei Mal. Er erinnert sich an den Zwangsumtausch von 25 D-Mark und ein Mittagessen für 5,61 Ostmark in einem Kaufhaus am Alex. In einer Bäckerei kaufte er Brötchen für fünf Pfennig das Stück: „Das waren die leckersten Brötchen, die ich bis dahin gegessen hatte. Total knusprig, innen voll, nicht so wie die Westbrötchen“, schwärmt er. Andrea Weimann-Göttle, eine ehemalige DDR-Bürgerin, erinnert sich daran, dass in der DDR nur die benötigte Anzahl an Brötchen gekauft wurde, die Qualität jedoch nicht die beste war, da viel Luft enthalten war. Sie erwähnt auch, dass Brötchen teilweise vom Bäcker geholt, eingeweicht und an Schweine verfüttert wurden, und betont, dass Lebensmittel subventioniert waren, um das Überleben der Bäcker zu sichern.
Fazit: Einheit und aktuelle Herausforderungen
Klaus Droll, 1951 in der DDR geboren, geht die ständigen Vergleiche zwischen Ost und West auf die Nerven. „1990 wurde unser Land wieder vereinigt. Damit sollte es doch gut sein“, sagt er und argumentiert, dass die Preise gar nicht verglichen werden können. Er erinnert sich daran, dass bei ihm zu Hause kein Brötchen weggeworfen wurde – harte Brötchen wurden zerschnitten, mit Milch übergossen und Zucker bestreut, was als Semmelmilch bekannt war. Abschließend weist er auf die heutige Situation hin: „Schaut mal heute in die Biotonnen, wie viel Brot etc. weggeworfen wird bei den Preisen“, und unterstreicht damit die anhaltende Relevanz der Debatte über Lebensmittelverschwendung und soziale Gerechtigkeit.



