Zehn Tage Waffenruhe zwischen Israel und Hisbollah: Jubel in Beirut, doch Libanon beklagt israelische Verstöße
Waffenruhe Israel-Hizbollah: Jubel in Beirut, Verstöße gemeldet

Zehn Tage Feuerpause: Waffenruhe zwischen Israel und Hisbollah tritt in Kraft – Libanon meldet Verstöße

Nach wochenlangen intensiven Kämpfen ist eine von US-Präsident Donald Trump vermittelte Waffenruhe zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah-Miliz in Kraft getreten. Die Feuerpause begann pünktlich um Mitternacht Ortszeit (Donnerstag 23.00 Uhr MESZ) und soll zunächst für einen Zeitraum von zehn Tagen gelten. Bereits in den ersten Stunden nach Inkrafttreten der Vereinbarung kam es jedoch zu Spannungen.

Jubel in Beirut bei Kriegsende – doch erste Verstöße gemeldet

In der libanesischen Hauptstadt Beirut brachen spontane Freudenfeiern aus, als die Waffenruhe bekannt wurde. Augenzeugen berichteten, dass insbesondere in den schwer vom Krieg betroffenen südlichen Vororten der Stadt Menschen auf die Straßen strömten und in die Luft schossen. Lokale Medien meldeten, dass sich zahlreiche Vertriebene bereits auf den Weg in ihre Heimatregionen im Süden des Landes machten – mehr als eine Million Menschen waren durch die Kämpfe vertrieben worden.

Gleichzeitig warf die libanesische Armee Israel bereits in den frühen Morgenstunden Verstöße gegen die vereinbarte Feuerpause vor. Seit Inkrafttreten der Waffenruhe habe es zeitweiligen Beschuss auf südlibanesische Dörfer gegeben, teilte das Militär mit. Aus Sicherheitskreisen verlautete, dass kurz nach Mitternacht Artilleriegranaten in der Nähe der Küstenstadt Tyros eingeschlagen seien. Zudem habe eine Drohne ein Auto in Haris im Südlibanon getroffen. Die libanesische Armee rief die Bevölkerung erneut auf, vorerst nicht in die südlichen Dörfer und Städte zurückzukehren.

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Komplexe Vereinbarung nach US-Vermittlung

US-Präsident Donald Trump hatte die Waffenruhe nach intensiven Gesprächen mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu und dem libanesischen Präsidenten Joseph Aoun angekündigt. Die Hisbollah war an diesen direkten Verhandlungen nicht beteiligt. Netanyahu bestätigte die Vereinbarung in einer Videobotschaft, betonte jedoch, dass israelische Bodentruppen auch während des zehntägigen Zeitraums in einer Pufferzone im Südlibanon bleiben würden.

Die Hisbollah ließ zunächst offen, ob sie sich an die Feuerpause halten wird. Die Miliz forderte, dass jede Waffenruhe „umfassend für das gesamte libanesische Gebiet“ gelten müsse und keinerlei Truppenbewegungen Israels zulassen dürfe. Kurz vor Inkrafttreten der Vereinbarung hatte die von Iran unterstützte Miliz noch zahlreiche Raketen auf Orte im Norden Israels gefeuert, wobei nach Angaben von Sanitätern drei Menschen durch Raketensplitter verletzt wurden.

Sechs Punkte der Vereinbarung und historische Belastungen

Laut US-Außenministerium wurden zwischen Israel und dem Libanon sechs zentrale Punkte vereinbart:

  1. Die libanesische Regierung soll mit internationaler Hilfe die Hisbollah daran hindern, vom Libanon aus Angriffe gegen israelische Ziele durchzuführen.
  2. Israel verzichtet währenddessen auf „offensive Militäroperationen“ gegen libanesische Ziele.
  3. Israel behält sich das Recht vor, jederzeit notwendige Maßnahmen zur Selbstverteidigung zu ergreifen.
  4. Beide Seiten ersuchen die USA um weitere Verhandlungsvermittlung.
  5. Ziel ist die Klärung aller offenen Fragen, einschließlich der Festlegung der internationalen Landesgrenze.
  6. Langfristiges Ziel ist ein umfassendes Sicherheits- und Friedensabkommen zwischen den offiziell im Kriegszustand befindlichen Nachbarstaaten.

Die Vereinbarung steht unter dem Schatten historischer Erfahrungen: Während einer 2024 vereinbarten Waffenruhe hatte die israelische Armee weiterhin regelmäßig Ziele im Libanon angegriffen, und die von der libanesischen Regierung zugesagte Entwaffnung der Hisbollah war nicht gelungen. Beide Seiten warfen sich damals gegenseitig Verstöße vor.

Hohe Opferzahlen und regionale Auswirkungen

Die jüngsten Kämpfe haben verheerende humanitäre Folgen hinterlassen. Dem libanesischen Gesundheitsministerium zufolge wurden bei den erneuten Kämpfen bisher knapp 2200 Menschen getötet, darunter zahlreiche Frauen und Kinder. Die israelische Armee sprach zuletzt von mehr als 1700 getöteten Hisbollah-Mitgliedern seit Anfang März. Die genaue Zahl der getöteten Zivilisten bleibt unklar.

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Der Krieg zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz hatte die erst Mitte vergangener Woche in Kraft getretene Waffenruhe im Irankrieg sowie die anschließenden Verhandlungen zwischen den USA und Iran erheblich belastet. Iran begrüßte die nun vereinbarte Feuerpause als wichtigen Schritt für den regionalen Frieden. Teheran habe in den Gesprächen mit den USA auf eine umfassende Waffenruhe gedrängt, sagte der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Esmaeil Baqaei, im Staatssender Irib.

Die libanesische Regierung, die selbst keine aktive Konfliktpartei ist, bemüht sich weiterhin um Deeskalation. Unter Führung von Präsident Aoun hat die Regierung den Druck auf die Hisbollah-Miliz erhöht, nachdem sie lange Zeit wenig bis gar keinen Einfluss auf deren Aktivitäten hatte. Die kommenden zehn Tage werden zeigen, ob die fragile Waffenruhe hält und den Weg für dauerhafte Friedensverhandlungen ebnen kann.