Verteidigungsabkommen: Polen und Deutschland rücken enger zusammen
Verteidigungsabkommen: Polen und Deutschland rücken zusammen

Kommentar: Die Verbrüderung von Polen und Deutschland hat einen speziellen Grund

Berlin und Warschau rücken in der Verteidigungspolitik enger zusammen. Das ist angesichts der schwierigen gemeinsamen Geschichte keine Selbstverständlichkeit, aber sinnvoll. Von Frank Specht

Vom polnischen Außenminister Radosław Sikorski stammt der Satz, er fürchte sich weniger vor deutscher Stärke als vor deutscher Machtlosigkeit. Zwar war die Äußerung einst auf die Euro-Rettung gemünzt, doch wird sie heute auch gerne im sicherheitspolitischen Kontext zitiert. Denn so wie im Kalten Krieg die Bundesrepublik Frontstaat zum Warschauer Pakt war, so steht heute Polen mit seiner Grenze zur russischen Exklave Kaliningrad, zur Ukraine und zu Belarus ganz vorne, wenn es um die Verteidigung der Nato geht. Und da ist es gut, wenn man den westlichen Nachbarn an seiner Seite weiß.

Insofern ist es konsequent, wenn die beiden Länder 35 Jahre nach ihrem Nachbarschaftsvertrag von 1991 nun auch ein Verteidigungsabkommen unterzeichnet haben. Eine Selbstverständlichkeit ist es auch 87 Jahre nach Beginn von Hitlers Angriffskrieg in Polen und den damit verbundenen Gräueltaten nicht.

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Mit der Vereinbarung könnte eine enge Sicherheitspartnerschaft entstehen, ähnlich wie beim deutsch-französischen Tandem – auch wenn das zuletzt durch das Aus beim gemeinsamen Kampfjetprojekt etwas aus dem Tritt geraten ist. Doch ähnlich wie zwischen Berlin und Paris gibt es auch zwischen Berlin und Warschau durchaus Differenzen.

Historischer Kontext und Bedeutung

Die Unterzeichnung des Verteidigungsabkommens ist ein bedeutender Schritt in den bilateralen Beziehungen. Sie symbolisiert das gewachsene Vertrauen und die gemeinsame Verantwortung für die Sicherheit in Europa. Gerade vor dem Hintergrund der russischen Aggression gegen die Ukraine gewinnt die Zusammenarbeit an strategischer Relevanz.

Polen ist durch seine geografische Lage besonders exponiert. Die enge Kooperation mit Deutschland stärkt nicht nur die Verteidigungsfähigkeit beider Länder, sondern auch die gesamte NATO-Ostflanke. Das Abkommen sieht regelmäßige gemeinsame Militärübungen, eine verbesserte Koordination der Luftverteidigung und den Austausch von Geheimdienstinformationen vor.

Kritiker könnten einwenden, dass die militärische Zusammenarbeit die Spannungen mit Russland weiter verschärfen könnte. Doch angesichts der aktuellen Bedrohungslage überwiegen die Vorteile einer abgestimmten Verteidigungspolitik. Die Geschichte lehrt, dass Uneinigkeit in Europa oft zu Konflikten geführt hat.

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