Diplomatischer Eklat: US-Vizepräsident löscht Völkermord-Tweet vor Aserbaidschan-Besuch
US-Vizepräsident JD Vance (41) hat während einer Auslandsreise im Kaukasus für diplomatische Verstimmung gesorgt. Nach einem Besuch in Armenien, bei dem er das Denkmal für die Opfer des Völkermords an den Armeniern von 1915 besuchte, löschte sein Team einen entsprechenden Tweet, bevor Vance in das verfeindete Nachbarland Aserbaidschan weiterreiste.
Traditioneller Besuch mit nachträglicher Löschung
Wie es für Staatsgäste in Armenien üblich ist, besuchte Vance das Denkmal Zizernakaberd in Jerewan. Dieses erinnert an die bis zu 1,5 Millionen christlichen Armenier, die 1915 von Truppen des Osmanischen Reichs in die Wüste deportiert wurden und dort verhungerten. Nach dem Besuch postete sein offizieller X-Account ein Video mit dem Text: „Heute haben Vizepräsident Vance und Second Lady Usha Vance bei einer Kranzniederlegungszeremonie am Armenischen Völkermord-Denkmal teilgenommen, um die Opfer des armenischen Genozids von 1915 zu ehren.“
Doch noch bevor Vance mit der Air Force Two nach Baku in Aserbaidschan aufbrach, änderte sich sein Ton. Auf Journalistenfragen antwortete er nur noch von einem „sehr schrecklichen Ereignis, das vor etwas mehr als 100 Jahren stattfand“ und vermied bewusst das Wort „Völkermord“. Etwa eine Stunde später – der Flug von Jerewan nach Baku dauert 74 Minuten – war der ursprüngliche Tweet gelöscht.
Team spricht von versehentlichem Upload
Das Team von Vance erklärte auf CNN-Anfrage, der Tweet sei von einem Mitarbeiter, der nicht Teil der Reisedelegation war, irrtümlich hochgeladen worden. In Aserbaidschan angekommen, unterzeichnete Vance mit Präsident Ilham Alijew (64), der seit 2001 als Nachfolger seines Vaters im Amt ist, umgehend eine „strategische Partnerschaft“.
Die Türkei als Nachfolgestaat des Osmanischen Reichs bestreitet den Völkermord an den Armeniern bis heute ebenso wie ihr verbündetes Aserbaidschan. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan (71) spricht lediglich von „harten Umständen des Ersten Weltkriegs“.
Empörung unter armenischen Gemeinschaften
Aram Hamparian, Chef des Armenian National Committee of America (ANCA), kritisierte das Verhalten scharf: „Es ist zutiefst beunruhigend, mitanzusehen, wie Vizepräsident Vance – ein Mann, der lautstark seine Solidarität mit den verfolgten christlichen Opfern bekundet – angesichts dieses ausländischen Drucks eine solche Schwäche an den Tag legt.“
Die USA hatten den Völkermord an den Armeniern erst 2021 unter Präsident Joe Biden offiziell anerkannt. Die aktuelle Trump-Regierung, die in der Türkei einen wichtigen Partner sieht, hat diese Anerkennung wieder rückgängig gemacht.
Deutschlands ambivalente Haltung
Auch Deutschland zeigt sich in dieser Frage zurückhaltend. 1915 war das Deutsche Reich Verbündeter des Osmanischen Reichs. 2016 verabschiedete der Bundestag zwar eine Resolution zur Anerkennung des Völkermords, doch die damalige Kanzlerin Angela Merkel (71, CDU) und ihre Regierungsbank blieben der Abstimmung fern, um den Flüchtlingsdeal mit der Türkei nicht zu gefährden.
Die diplomatisch heikle Situation zeigt, wie historische Aufarbeitung bis heute von außenpolitischen Interessen überlagert wird. Vances Tweet-Löschung wirft Fragen nach der Konsistenz der US-Außenpolitik unter der Trump-Administration auf.



