Elon Musk hat erneut jegliche Mitverantwortung für Todesfälle infolge der Auflösung der US-Entwicklungshilfebehörde USAID zurückgewiesen. Auf seiner Plattform X behauptete der Techmilliardär am Montag, es gebe „nicht einen einzigen Namen“ eines Menschen, der aufgrund der Streichung von Hilfsgeldern gestorben sei. „Nicht einen einzigen Namen!“, schrieb Musk in einem Post, der umgehend für Kontroversen sorgte.
Musk bestreitet Todesfälle und spricht von Revolution
Ohne Belege fügte Musk hinzu, die Zahl der Todesfälle in Afrika sei nach den Kürzungen sogar zurückgegangen – „weil sie nicht mehr in der Lage sind, eine gewaltsame Revolution voranzutreiben, um linke Regime zu installieren!“ Später postete er ein Foto bewaffneter Kämpfer vor einem Zelt mit USAID-Schriftzug und kommentierte: „So hat USAID Eure Steuergelder ausgegeben.“ Die Herkunft und den Kontext des Fotos ließ er offen.
Der „New York Times“-Kolumnist Nicholas Kristof, der mehrfach über die Folgen der Kürzungen berichtet hatte, nannte daraufhin die Namen von vier Menschen in Afrika, die an AIDS, Malaria oder bei der Geburt gestorben seien – darunter mehrere Kinder. „In fast jedem Dorf, das man im Südsudan, in Uganda, Liberia, Sierra Leone oder anderen Ländern besucht, trifft man auf Menschen, die aufgrund von Kürzungen bei der Entwicklungshilfe sterben“, schrieb Kristof und forderte Musk zu einer gemeinsamen Reise dorthin auf.
Musk beleidigt Kritiker und droht mit Klage
Der Milliardär reagierte mit Beleidigungen und bezeichnete Kristof als Lügner. Auch der Kongressabgeordnete Ro Khanna, ein Demokrat, geriet ins Visier. Khanna hatte im Juni gefordert, Musk zur Rechenschaft zu ziehen. „Er wird dafür gefeiert, 4400 Millionäre geschaffen zu haben, aber niemand spricht über die 4,5 Millionen Kinder weltweit, die er durch die Auflösung von USAID möglicherweise zum Tode verurteilt hat“, sagte Khanna in einem Podcast. Musk nannte ihn ebenfalls einen Lügner, drohte mit einer Klage und schrieb, „Ro the Robber“ gehöre ins Gefängnis.
Die Schätzungen zu den möglichen Todesopfern sind verheerend: Der Thinktank Center for Global Development in Washington D.C. schätzt, dass die Budgetkürzungen allein im vergangenen Jahr zwischen 500.000 und eine Million vermeidbare Todesfälle verursacht haben könnten. Eine Studie in der Fachzeitschrift „The Lancet“ kommt in einer Hochrechnung sogar auf mindestens 9,4 Millionen zusätzliche Tote weltweit bis zum Jahr 2030, darunter rund 2,5 Millionen Kinder unter fünf Jahren.
Hintergrund: USAID wurde aufgelöst
US-Präsident Donald Trump hatte nach seinem Amtsantritt im Januar 2025 die Auflösung von USAID per Dekret verfügt. Gleichzeitig ernannte er Musk, der ihn im Wahlkampf unterstützt hatte, zum Chef des neu geschaffenen Department of Government Efficiency (DOGE). Als DOGE-Chef nannte Musk USAID „ein Schlangennest radikal-linker Marxisten, die Amerika hassen“ und eine „kriminelle Organisation“. Die Behörde wurde bis Juli 2025 abgewickelt, die Zahlungen weitgehend eingestellt. Die Restverträge verwaltet seitdem das Außenministerium.
Im Jahr 2024, dem letzten Amtsjahr von Präsident Joe Biden, verfügte USAID über ein Gesamtbudget von 42,8 Milliarden US-Dollar und leistete laut UN 47 Prozent der globalen humanitären Hilfe. Die Zahlungen machten weniger als ein Prozent des US-Bundeshaushalts aus. Durch Trumps Kürzungen sank die humanitäre Hilfe der USA laut der Organisation Refugees International von 14 Milliarden im Jahr 2024 auf 3,7 Milliarden US-Dollar im Folgejahr.
Regierungsbeamter weicht Fragen aus
Elon Musk ist nicht der Einzige, der die Konsequenzen bestreitet. Der Demokrat Mark Pocan befragte am Dienstag Russell Vought vor einem Parlamentsausschuss. Pocan wollte mit Verweis auf die Studienlage wissen, ob der Regierungsbeamte anerkenne, dass durch die Budgetkürzungen Menschen gestorben seien. Vought wich der Frage mehrfach aus und griff dann die Studien an. Eine klare Antwort blieb er schuldig.



