USA und Israel im Iran-Krieg: Gemeinsamer Kampf mit unterschiedlichen Prioritäten?
USA und Israel im Iran-Krieg: Unterschiedliche Prioritäten?

USA und Israel im Iran-Krieg: Gemeinsamer Kampf mit unterschiedlichen Prioritäten?

Washington/Tel Aviv - US-Präsident Donald Trump und Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu betonen zwar regelmäßig ihre enge Verbundenheit, doch im aktuellen Krieg gegen den Iran zeigen sich zunehmend unterschiedliche Schwerpunkte und Kommunikationsstrategien. Während beide Länder seit Sommer 2025 gemeinsam iranische Atomanlagen bombardieren und seit drei Wochen erneut Krieg gegen die Islamische Republik führen, deuten zahlreiche Aussagen und Handlungen auf divergierende Interessen hin.

Widersprüchliche Kriegsziele und Zeitpläne

Die Angaben der beiden Verbündeten passen häufig nicht zum tatsächlichen Kriegsgeschehen. Präsident Trump erklärte am Freitag, die US-Angriffe würden zurückgefahren, da man kurz davor stehe, die Kriegsziele zu erreichen. Gleichzeitig berichten US-Medien von der Entsendung Tausender zusätzlicher Soldaten in die Region. Auf die Frage, ob Israel bereit sei, den Krieg zu beenden, wenn die USA es sind, antwortete Trump nur mit einem vagen „Das denke ich, ja.“

Tags darauf präsentierte der israelische Generalstabschef Ejal Zamir ein ganz anderes Bild. Drei Wochen Krieg hätten den iranischen Machtapparat zwar geschwächt, man befinde sich aber erst „auf halbem Weg“. Der Krieg werde auch während des jüdischen Pessachfests weitergehen, das am 1. April beginnt und eine Woche dauert. Verteidigungsminister Israel Katz kündigte sogar eine weitere Verstärkung der Angriffe an und betonte: „Wir werden nicht aufhören, bis alle Kriegsziele erreicht sind.“

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Trumps ungewöhnliche Kriegsdefinition

Für besonderes Kopfschütteln sorgte eine Aussage Trumps bei Fox News Radio. Auf die Frage, wann der Krieg zu Ende sei, antwortete der Präsident mit den Worten: „When I feel it in my bones“ – was übersetzt bedeutet: „Wenn ich es tief in mir spüre.“ Diese subjektive Definition steht im Kontrast zur ursprünglichen Prognose der US-Regierung, die eine Kriegsdauer von vier bis sechs Wochen in Aussicht gestellt hatte.

Während Trump behauptet, der Iran sei trotz andauernder Angriffe militärisch quasi ausgeschaltet, sieht Israels Militär noch eine umfangreiche Liste an Zielen. Diese Diskrepanz spiegelt möglicherweise unterschiedliche Prioritäten wider: Der US-Präsident hat angesichts der bevorstehenden Zwischenwahlen im November die wirtschaftlichen Folgen der Ölkrise stärker im Fokus als die israelische Regierung.

Öffentliche Zurechtweisungen und Koordinationsprobleme

Ein Post Trumps auf Truth Social ließ vor Tagen aufhorchen: „ES WERDEN KEINE WEITEREN ANGRIFFE VON ISRAEL“ auf ein wichtiges Gasfeld im Iran erfolgen. Die Vereinigten Staaten hätten von der Attacke nichts gewusst. Es war das erste Mal, dass der Republikaner den Verbündeten im Krieg öffentlich so scharf zurechtwies. Kritiker hatten Trump zuvor vorgeworfen, sich von Netanjahus Regierung praktisch am Nasenring durch die Manege ziehen zu lassen.

Israels Regierung war nach diesem Post bemüht zu betonen, man ziehe weiter an einem Strang. Netanjahu versicherte: „Israel hat allein gegen die Gasförderanlage gehandelt.“ Allerdings berichtete die Zeitung „Israel Hajom“ unter Berufung auf amerikanische und israelische Beamte, der Angriff sei sehr wohl koordiniert gewesen – was auch US-Medienberichte nahelegen.

Schlingerkurs bei Kriegsbegründungen

Schon zu Beginn der Kampfhandlungen zeigte die US-Regierung einen bemerkenswerten Schlingerkurs bei der Frage nach den Kriegsgründen. Zunächst bediente Trump das Motiv vom „Regime Change“, indem er die Iraner aufrief, die autoritäre Regierung zu stürzen. Dann rückte er den militärischen Aspekt in den Vordergrund: das Waffenarsenal des Irans zu vernichten und atomare Bewaffnung zu verhindern. Schließlich betonte er, der Iran versuche, Israel zu vernichten, und man wolle das amerikanische Volk verteidigen.

Die US-Zeitschrift „The Atlantic“ kommentierte sarkastisch, Trump habe unter den verschiedenen Begründungen ausgewählt, „als würde er Horsd'œuvres von einem Buffet in einem seiner Golfresorts aussuchen.“

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Unterschiedliche Fokussierungen trotz gemeinsamer Ziele

US-Geheimdienstchefin Tulsi Gabbard erklärte, während sich die israelische Regierung darauf konzentriere, die iranische Führung auszuschalten, lege Trump den Fokus darauf, die Produktionskapazitäten für ballistische Raketen und die iranische Marine zu neutralisieren – letzteres besonders wichtig für die Sicherheit der strategisch bedeutsamen Straße von Hormus.

Die Zeitung „Israel Hajom“ kommt zu dem Schluss: „Die Kriegsziele Israels und der USA sind weitgehend identisch.“ Die Anstrengungen seien bloß nicht in allen Teilbereichen gleich. So betrachte Trump den Sturz der Führung in Teheran nicht als primäres Ziel. „Er wäre bereit, sich mit einem Wechsel der Führungsriege zufriedenzugeben, selbst wenn es sich um Ajatollahs handelt“, meint das Blatt. Trumps Hauptaugenmerk liege vielmehr darauf, Irans Bestrebungen zu vereiteln, eine globale Energiekrise herbeizuführen.

Kritik und Rücktritte

Kritiker beider Regierungen sahen sich durch den Rücktritt des Chefs des Nationalen Zentrums für Terrorismusbekämpfung in den USA, Joseph Kent, bestätigt. Er betonte, der Iran habe keine unmittelbare Bedrohung für die USA dargestellt. Es sei offensichtlich, dass die Vereinigten Staaten den Krieg auf Druck der Israelis begonnen hätten.

Diese Darstellung wiesen sowohl amerikanische als auch israelische Stellen zurück. Netanjahu selbst bezeichnete entsprechende Behauptungen als „Zeitungsente“ und „lächerlich“. „Amerika kämpft nicht für Israel“, sagte er. „Amerika kämpft mit Israel für ein gemeinsames Ziel: unsere Zukunft zu schützen, die Zivilisation gegen diese Barbaren zu verteidigen.“

Trotz aller Differenzen in Kommunikation und Prioritätensetzung bleibt die militärische Zusammenarbeit zwischen den USA und Israel im Iran-Krieg intakt. Die Frage, ob beide Länder tatsächlich noch denselben Kampf führen, wird jedoch durch die widersprüchlichen Aussagen und Handlungen zunehmend relevant.