Die Spannungen in der Golfregion bleiben trotz einer formellen Waffenruhe hoch. Die USA und der Iran haben sich erneut gegenseitig angegriffen. Das US-Militär teilte mit, sechs vom Iran auf Kuwait und Bahrain abgefeuerte ballistische Raketen abgefangen zu haben. Ein weiteres Geschoss habe sein Ziel verfehlt, erklärte das US-Regionalkommando Centcom auf der Plattform X. Zuvor hatten die USA im Bereich der Straße von Hormus vier iranische Drohnen abgewehrt und anschließend Radarstellungen auf der iranischen Insel Qeschm und im Ort Goruk attackiert.
Iran bestätigt Angriffe und nennt US-Stützpunkte als Ziel
Die iranischen Revolutionsgarden bestätigten die Angriffe und erklärten laut der Nachrichtenagentur Tasnim, als Vergeltung für die US-Angriffe Stützpunkte des Feindes in der Region attackiert zu haben. Kuwaits Luftabwehr war nach Armeeangaben gegen Raketen- und Drohnenangriffe im Einsatz. Auch in Bahrain gab es Raketenalarm. Das US-Militär dementierte iranische Behauptungen, wonach das Hauptquartier der US-Marine im Nahen Osten in Bahrain beschädigt worden sei. Die Angaben beider Seiten ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.
Der Iran hatte zuvor mehrfach Geschosse auf Kuwait und andere Golfstaaten abgefeuert, wo das US-Militär Stützpunkte unterhält. Erst am Mittwoch traf eine Drohne den internationalen Flughafen von Kuwait, wobei mindestens eine Person getötet und Dutzende verletzt wurden.
Gegenseitige Vorwürfe zwischen USA und Iran
Die Führung in Teheran bezeichnet ihre Angriffe stets als Vergeltung für US-Angriffe, während die USA von Selbstverteidigung sprechen. Die abgewehrten iranischen Kampfdrohnen hätten eine Bedrohung für die Schifffahrt dargestellt, so Centcom. Die anschließenden Angriffe auf Qeschm und Goruk seien erfolgt, um sich gegen weitere Angriffe zu verteidigen. Welche Waffensysteme eingesetzt wurden, blieb unklar.
Straße von Hormus als Nadelöhr der Weltwirtschaft
Irans Streitkräfte hatten kurz nach Kriegsbeginn die Kontrolle über die Meerenge übernommen, die als Exportroute für Dünger, Öl und Flüssiggas von großer Bedeutung ist. Die USA verhängten eine Seeblockade, um den Iran am Ölexport zu hindern. Eigentlich gilt seit fast zwei Monaten eine Waffenruhe, die am 28. Februar mit Angriffen der USA und Israels gegen den Iran begann. Doch immer wieder kommt es zu vereinzelten Angriffen. Parallel laufen zähe Verhandlungen für ein Rahmenabkommen.
Kuwait kauft Abwehrsysteme in den USA
Um sich besser zu schützen, kauft Kuwait in den USA Abwehrsysteme gegen Drohnenangriffe. Das US-Außenministerium genehmigte den Verkauf von Rüstungsgütern im Wert von rund zwei Milliarden US-Dollar (etwa 1,7 Milliarden Euro). Wann das System geliefert wird, blieb unklar.
Trump: Iran hat noch ein Fünftel seiner Raketen
US-Präsident Donald Trump schätzte, dass der Iran noch über gut ein Fünftel seines Raketenarsenals verfügt. Die meisten Drohnenfabriken, Abschussrampen und Raketenproduktionseinrichtungen seien zerstört, sagte er dem Sender NBC News. „Aber sie verfügen weiterhin über Kapazitäten. Prozentual würde ich sagen, vielleicht noch 21 bis 22 Prozent ihrer Raketen.“ Diese Schätzung widerspricht früheren Medienberichten. Die „New York Times“ und die „Washington Post“ hatten berichtet, der Iran verfüge noch über etwa 70 Prozent seiner Raketen und mobilen Abschussrampen.
Konflikt zwischen Hisbollah und Israel dauert an
Parallel gehen die Kämpfe zwischen der libanesischen Hisbollah-Miliz und Israel weiter. In der Nacht heulten in mehreren Gebieten im Norden Israels die Sirenen. Die israelische Armee teilte mit, eine Drohne sei abgefangen worden, zwei weitere im Südlibanon niedergegangen. Verletzte gab es nicht. Obwohl sich Israel und der Libanon auf einen neuen Anlauf zur Umsetzung der Waffenruhe geeinigt hatten, lehnte die Hisbollah die Bedingungen ab. Die libanesische Regierung hat nur begrenzten Einfluss auf die vom Iran unterstützte Miliz.



