Vier Jahre nach der russischen Invasion: Angriffe auf die Ukraine gehen unvermindert weiter
Der vierte Jahrestag der russischen Vollinvasion in der Ukraine markiert einen weiteren historischen Fixpunkt, doch für die Bevölkerung bedeutet das tägliche Grauen keine Pause. In der Nacht zum Dienstag trafen Drohnenangriffe die südostukrainische Stadt Saporischschja und verletzten mindestens fünf Menschen, darunter ein Kind. Die ukrainische Katastrophenschutzbehörde (DSNS) meldete Angriffe auf zahlreiche Einrichtungen in der Stadt, die unweit der südlichen Frontlinie liegt und nahezu täglich von russischen Streitkräften angegriffen wird.
Details zu den Angriffen in Saporischschja
Bei einem der Einschläge drang eine Drohne in eine Fabrik ein, die an ein neunstöckiges Wohngebäude angrenzt. Der dadurch ausgelöste Brand breitete sich über eine Fläche von 200 Quadratmetern aus und gefährdete die umliegenden Wohnbereiche. Ein weiterer Angriff traf unbebautes Gelände in der Nähe von Wohnhäusern, wobei fünf Gebäude und mehrere parkende Autos in einem Innenhof beschädigt wurden. Diese Vorfälle verdeutlichen, wie gefährlich das Leben in Frontnähe auch nach vier Jahren Krieg bleibt.
Bereits am Vortag waren bei russischen Angriffen auf Saporischschja und die Schwarzmeerhafenstadt Odessa drei Menschen getötet worden. Der seit dem 24. Februar 2022 andauernde Angriffskrieg Russlands ist der größte militärische Konflikt in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg und hat verheerende humanitäre Folgen.
Verheerende Bilanz des Krieges nach vier Jahren
Laut Schätzungen des Center for Strategic and International Studies (CSIS) sind auf russischer Seite bis zu 325.000 Soldaten getötet worden, wobei die Zahl der Verletzten und Vermissten auf bis zu 1,2 Millionen ansteigen könnte. Auf ukrainischer Seite belaufen sich die getöteten Soldaten auf bis zu 140.000, mit Verletzten und Vermissten könnte die Gesamtzahl bis zu 600.000 erreichen. Hinzu kommen Zehntausende zivile Opfer, die durch den Konflikt getötet oder verletzt wurden.
Nach vier Jahren Krieg hält die russische Armee weiterhin etwa 20 Prozent des ukrainischen Territoriums besetzt. Die anhaltenden Kämpfe und Besatzungen führen zu massiven Zerstörungen der Infrastruktur und Vertreibungen der Bevölkerung.
Klimaschäden durch den Krieg
Eine Analyse der Initiative zur Treibhausgasbilanzierung von Kriegen (IGGAW) zeigt, dass der Krieg auch erhebliche Umweltschäden verursacht. Seit Februar 2022 wurden schätzungsweise 311 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente ausgestoßen, was etwa der Hälfte der jährlichen Treibhausgasemissionen Deutschlands entspricht.
Die Hauptquellen dieser Emissionen sind:
- 37 Prozent stammen direkt aus Kriegshandlungen, wie dem enormen Verbrauch von Kerosin, Öl und Diesel durch Jets, Schiffe und Panzer.
- Fast ein Viertel der Emissionen wird durch Wald- und Buschbrände verursacht, die hauptsächlich an oder nahe der Frontlinien oder in Grenzgebieten wüten.
Internationale Solidarität zum Jahrestag
Anlässlich des vierten Jahrestags reisten ranghohe Politiker aus der Europäischen Union nach Kyjiw, um ihre Unterstützung für die Ukraine zu bekräftigen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen traf gemeinsam mit mehreren Staats- und Regierungschefs aus nordeuropäischen und baltischen Ländern per Zug in der ukrainischen Hauptstadt ein.
Von der Leyen erklärte auf X, sie sei in Kyjiw, um den anhaltenden Einsatz der EU für den gerechten Kampf der Ukraine zu unterstreichen. Sie wolle dem ukrainischen Volk und dem Aggressor eine deutliche Botschaft senden: "Wir werden nicht nachgeben, bis der Frieden wiederhergestellt ist. Frieden zu den Bedingungen der Ukraine."
Es handelt sich bereits um den zehnten Besuch der seit 2019 amtierenden Kommissionschefin in Kyjiw seit Kriegsbeginn. Sie wird von EU-Ratspräsident António Costa begleitet. Die EU-Spitzenvertreter nehmen an der zentralen Gedenkzeremonie in Kyjiw teil, treffen Präsident Wolodymyr Selenskyj und besuchen eine Energieanlage, die durch russische Angriffe beschädigt wurde.
Herausforderungen in der EU-Unterstützung
Trotz der bekundeten Solidarität stehen die EU und von der Leyen vor Herausforderungen bei der Umsetzung weiterer Unterstützungsmaßnahmen. Geplante neue Finanzhilfen und ein weiteres Sanktionspaket gegen Russland sind insbesondere am Widerstand Ungarns gescheitert. Alle Versuche, Ministerpräsident Viktor Orbán zu einem Umdenken zu bewegen, blieben bislang erfolglos.
Der vierte Jahrestag des Krieges zeigt somit nicht nur die anhaltende Brutalität des Konflikts, sondern auch die komplexen politischen und humanitären Herausforderungen, die mit der internationalen Unterstützung für die Ukraine verbunden sind.



