Ukraine: Drohnen treffen St. Petersburg vor Wirtschaftsforum – Sieben Tote in Donezk
Ukraine: Drohnen treffen St. Petersburg vor Wirtschaftsforum

In einer Reihe von Drohnenangriffen auf die russische Metropole St. Petersburg sind nach Angaben des Gouverneurs Teile der Infrastruktur in mehreren Bezirken beschädigt und mehrere Menschen verletzt worden. Die Angriffe ereigneten sich nur einen Tag vor dem Beginn des Internationalen Wirtschaftsforums in St. Petersburg, das von Präsident Wladimir Putin als russisches Pendant zum Weltwirtschaftsforum in Davos bezeichnet wird.

Drohnenangriffe auf St. Petersburg und Umgebung

Am Dienstagmorgen meldeten die Behörden, dass die Luftabwehr in der Region Leningrad drei Drohnen abgeschossen habe. Weitere 13 Drohnen seien vor Moskau abgefangen worden. Am Flughafen Pulkowo in St. Petersburg wurde der Flugverkehr vorübergehend eingeschränkt. Auf Telegram und X verbreitete Bilder zeigen Brände an Ölanlagen in der Hafenstadt.

Sieben Tote bei Drohnenangriff in der Region Donezk

Im russisch kontrollierten Teil der ostukrainischen Region Donezk wurden nach Angaben der dortigen Behörden sieben Menschen getötet und elf weitere verletzt. Eine Drohne habe einen Reisebus getroffen, der auf der Strecke zwischen Moskau und Simferopol auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim unterwegs war, teilte der von Moskau eingesetzte Regionalgouverneur Denis Puschilin auf Telegram mit.

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Kraftstoffausgabe im besetzten Luhansk begrenzt

Nach der Einführung von Benzin- und Diesel-Limits auf der Krim müssen sich nun auch die Menschen im besetzten ukrainischen Gebiet Luhansk auf eine begrenzte Ausgabe von Kraftstoff einstellen. Die Abgabe von AI-95 (entspricht Super), AI-92 (Normal) und Diesel wird auf höchstens 20 Liter pro Person beschränkt, wie die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass unter Berufung auf die Besatzungsbehörden meldete. Begründet wurde der Schritt mit den derzeitigen Vorräten und einer gestiegenen Nachfrage. Es handele sich um vorübergehende Beschränkungen.

Weitere Drohnenangriffe und Schäden

In der Stadt Mitschurinsk in der zentralrussischen Region Tambow wurden bei einem Drohnenangriff Nebengebäude einer Industrieanlage, ein Wohnhaus und eine Bibliothek beschädigt. Verletzte gebe es nicht, teilte Gouverneur Jewgeni Perwyschow mit. Zudem wurde die Lukoil-Raffinerie in Wolgograd nach einem ukrainischen Drohnenangriff vom 29. Mai offenbar lahmgelegt. Insidern zufolge wurde eine Rohöldestillationsanlage, die 40 Prozent der Kapazität ausmacht, abgeschaltet.

Selenskyj warnt vor neuem massiven russischen Angriff

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warnte nach einem schweren russischen Angriff mit vielen Toten und Verletzten in der Nacht zu Dienstag erneut vor einer großen Attacke. Noch in dieser Nacht könne es zu einem massiven Angriff kommen, sagte er unter Berufung auf Geheimdienstinformationen. Erst in der Nacht auf Dienstag hatte Russland die Ukraine mit schweren Luftangriffen überzogen, bei denen nach ukrainischen Angaben 22 Menschen starben und 130 verletzt wurden.

Russische Luftangriffe und ukrainische Gegenmaßnahmen

Die russischen Streitkräfte haben nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau mehrere Einrichtungen der Rüstungsindustrie in der Ukraine beschossen, darunter zehn Rüstungsunternehmen in Kiew, die Kampfdrohnen herstellen. Auch drei Rekrutierungszentren wurden angegriffen. Dies sei eine Reaktion auf einen ukrainischen Drohnenangriff auf ein Studentenwohnheim im russisch kontrollierten Luhansk gewesen, bei dem 21 Menschen getötet wurden. Die Ukraine bestreitet, das Wohnheim angegriffen zu haben.

Kreml spricht von neuem Paradigma

Der Krieg in der Ukraine ist nach Darstellung des Kremls wegen ukrainischer Angriffe auf Zivilisten in eine neue Phase eingetreten. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte, der Konflikt habe ein neues Paradigma erreicht. Moskau stellt die Luftangriffe als Vergeltung für den Drohnenangriff auf das Studentenwohnheim dar.

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Internationale Reaktionen und EU-Beitrittsverhandlungen

Bundeskanzler Friedrich Merz drängte beim Empfang des ungarischen Ministerpräsidenten Peter Magyar in Berlin auf den Beginn der EU-Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine. Litauens Regierungschefin Inga Ruginiene forderte, die Ukraine bis 2030 als Vollmitglied in die EU aufzunehmen. Russland verhängte unterdessen Einreiseverbote gegen fünf britische Staatsbürger, darunter die Journalisten Catherine Belton und Richard Holmes, als Antwort auf antirussische Rhetorik und Waffenlieferungen an die Ukraine.

Ölraffinerien und Kraftstoffengpässe

Ukrainische Drohnenangriffe auf russische Raffinerien haben zu erheblichen Ausfällen geführt. Russland hat die Rohölexporte über seine Westhäfen im Mai um 15 Prozent auf 2,5 Millionen Barrel pro Tag gesteigert, den höchsten Wert seit September 2024, da das Öl wegen der beschädigten Anlagen nicht mehr im eigenen Land verarbeitet werden kann. Auf der Krim kommt es zu Engpässen bei der Treibstoffversorgung, nachdem ukrainische Drohnenangriffe die Lieferungen eingeschränkt haben. Der von Russland eingesetzte Regierungschef Sergej Axjonow rief die Bevölkerung zu Geduld und Ruhe auf. Russland erwägt zudem ein zweimonatiges Exportverbot für Benzin und prüft den Import von Flugzeugtreibstoff.