Die Familie des US-Präsidenten Donald Trump profitiert einem Medienbericht zufolge von einem milliardenschweren Geschäft der US-Regierung mit Kasachstan. Wie die "New York Times" unter Berufung auf eigene Recherchen berichtet, sicherte sich das US-Unternehmen Kaz Resources mit Unterstützung Trumps 1,6 Milliarden Dollar (etwa 1,4 Milliarden Euro) an US-Bundesfinanzierung für den Abbau von Wolfram in der zentralasiatischen Republik.
Beteiligung der Trump-Söhne und des Handelsministers
Zu den Profiteuren des zuvor nicht öffentlich bekannten Geschäfts gehören den Informationen zufolge die Söhne von Trump, Donald Trump Jr. und Eric Trump, sowie die Söhne von Handelsminister Howard Lutnick. Eine Firma, die teilweise den Trump-Söhnen gehört, habe zusammen mit anderen Partnern einen 20-prozentigen Anteil an einer mit dem Kasachstan-Projekt verbundenen Gesellschaft erworben. Eine von der Familie Lutnick kontrollierte Investmentgesellschaft, die von den Söhnen Brandon und Kyle Lutnick geleitet wird, habe ebenfalls von dem Deal profitiert.
"Damit setzt sich ein Muster der Selbstbereicherung in der zweiten Trump-Regierung fort, das in der amerikanischen Geschichte kaum seinesgleichen hat", kommentiert die "New York Times". Kern des Geschäfts ist der Zugang zu einer der weltgrößten unerschlossenen Wolfram-Reserven bei Unrek in Kasachstan. Wolfram ist ein militärstrategisch wichtiges Metall, das unter anderem in der Rüstungsindustrie und in der Elektronik verwendet wird.
Milliardengewinne für die Trump-Familie
Mit diesem Deal dürfte die Größenordnung, in der die Familie Trumps von dessen Präsidentschaft finanziell profitiert, eine neue Rekordhöhe erreichen. "Insgesamt sprechen unabhängige Schätzungen mittlerweile von einer Größenordnung im Milliardenbereich, die Donald Trump und seine Familie seit Beginn seiner zweiten Amtszeit direkt oder indirekt aus präsidialnahen Geschäften gezogen haben", sagt Christian Lammert, Professor für Politikwissenschaft am John-F.-Kennedy-Institut der FU Berlin und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Amerikastudien (DGfA), dem Tagesspiegel.
"Zivilgesellschaftliche Organisationen und investigative Medien kommen für Trumps Geschäftsgewinne im Umfeld seiner politischen Karriere inzwischen auf Summen von deutlich über einer Milliarde Dollar allein in der zweiten Amtszeit, wenn man Lizenzgeschäfte, Auslandsimmobilien, hochbewertete Beteiligungen und neue Geschäftsmodelle wie Krypto-Investments zusammenrechnet", sagt Lammert. Eine Analyse, die auf den von der Familie veröffentlichten Finanzangaben und ergänzenden Recherchen basiert, veranschlage die Einnahmen aus der Präsidentschaft "auf mindestens rund 1,4 bis 1,5 Milliarden Dollar, wobei ein erheblicher Teil davon in den vergangenen Jahren geflossen sein soll."
Ausweitung internationaler Projekte
Im Vergleich zu Trumps erster Amtszeit falle bei seiner im Januar 2025 begonnenen zweiten Amtszeit auf, "dass vor allem die internationalen Projekte und Joint Ventures stark ausgeweitet wurden, mit erwarteten Einnahmen von mehreren hundert Millionen Dollar allein aus Auslandsimmobilien und Resort-Entwicklungen." Hinzu kämen staatlich flankierte oder politisch begünstigte Projekte im Energie-, Rohstoff- und Infrastruktursektor, bei denen Trump-nahe Investoren und Familienmitglieder beteiligt seien.
Lammert betont jedoch, dass diese Zahlen Schätzungen auf Basis öffentlich zugänglicher Dokumente und investigativer Recherchen sind: "Sie bilden eher eine Untergrenze ab, da viele Strukturen über private Vehikel, Minderheitsbeteiligungen und ausländische Partner laufen." Bemerkenswert sei weniger der exakte Betrag als die Tatsache, "dass eine amerikanische Präsidentenfamilie in diesem Umfang während der Amtsausübung parallel ein globales Geschäftsportfolio entwickelt und monetarisiert."
Höhere Schätzungen von Medien und Demokraten
Trump-kritische US-Medien wie der unabhängige und gemeinnützige Sender "National Public Radio" (NPR) kommen auf deutlich höhere Summen: "Selbst bei vorsichtigen Schätzungen haben Trump und seine Familie in nur etwa einem Jahr fast vier Milliarden Dollar 'aus dem Präsidentenamt' verdient", bilanzierte bereits Anfang 2026 ein NPR-Reporterteam. Einer Auswertung der Nachrichtenagentur Reuters zufolge hat Trumps Familie allein mit Krypto-Geschäften mindestens 2,3 Milliarden US-Dollar (2 Milliarden Euro) verdient, wie aus einer Auswertung von vier Krypto-Projekten hervorgeht.
Die Demokraten im US-Repräsentantenhaus kommen auf noch höhere Zahlen. Sie haben im vergangenen Monat einen sogenannten "Trump-Familie-Digital-Betrugs-Vermögens-Tracker" veröffentlicht, der damals besagte, dass die Familie zusätzliches Vermögen in Höhe von insgesamt 5,1 Milliarden US-Dollar angehäuft habe.
Strukturelle Vermischung von Politik und Geschäft
Der aktuelle Wolfram-Deal in Kasachstan "fügt sich nahtlos in ein seit Jahren zu beobachtendes Muster ein, bei dem die geschäftlichen Interessen der Familie Trump eng mit konkreten Entscheidungen der US-Regierung verflochten sind", sagt US-Experte Lammert. "Damit sehen wir ein bekanntes Grundmuster aus der ersten Trump-Amtszeit und jetzt aus der zweiten wieder: Staatliche Außenwirtschaftspolitik und Rohstoffsicherung – hier strategisch wichtiges Wolfram – werden so gestaltet, dass private Beteiligungen der Präsidentenfamilie und ihres Umfelds in denselben Projekten sitzen und vom staatlich abgesicherten Deal profitieren."
Politisch problematisch ist aus Sicht des Experten dabei weniger die einzelne Transaktion, sondern die strukturelle Vermischung: "Außenpolitik, Exportförderung und sicherheitspolitisch begründete Rohstoffpolitik werden faktisch zu Hebeln der familiären Vermögensmehrung." Rechtlich bewegt sich dieses Verhalten in einer Grauzone, sagt Christian Lammert: "Die US-Verfassung enthält sehr deutliche Antikorruptionsnormen, aber sie wurden in der Praxis gegenüber Trump bislang kaum durchgesetzt."
Schleichende Autokratisierungstendenz
Politisch ist der Kasachstan-Fall aus Lammerts Sicht auch deshalb so brisant, "weil er nicht nur individuelle Bereicherung illustriert, sondern eine schleichende Autokratisierungstendenz": Staatliche Macht, außenpolitische Ressourcen und Sicherheitsargumente würden instrumentalisiert, um Trumps Netzwerke in strategischen Zukunftsbranchen zu stärken. "Das schwächt nicht nur die institutionellen Checks and Balances in den USA, sondern sendet international das Signal, dass amerikanische Außen- und Wirtschaftspolitik zunehmend käuflich und personenbezogen wird."



