Plötzliche Distanz: Trump über Orbán nur noch in Vergangenheitsform
Washington – Der US-Präsident Donald Trump hat sich nach der Wahlniederlage des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán deutlich von seinem früheren Verbündeten distanziert. Bei einem Interview mit der italienischen Zeitung „Corriere della Sera“ sprach Trump ausschließlich in Vergangenheitsform über Orbán und betonte: „Er war mein Freund. Es war nicht meine Wahl, aber er war mein Freund, ein guter Mann.“
Persönlicher Einsatz für Orbáns Wiederwahl
Die plötzliche Distanzierung ist bemerkenswert, da sich Trump im Vorfeld der ungarischen Wahl persönlich für Orbáns Wiederwahl eingesetzt hatte. Der US-Präsident schickte nicht nur seinen Außenminister Marco Rubio und Vizepräsident J.D. Vance nach Budapest, um Wahlkampf zu machen, sondern richtete auch per Videoansprache und in sozialen Medien Aufrufe an die ungarischen Wähler. Bei einer Wahlkampfveranstaltung rief Vance sogar Trump an, der über den Handylautsprecher 5.000 jubelnde Orbán-Anhänger begrüßte.
Doch all diese Bemühungen zeigten offenbar keine Wirkung: Orbán, der als europäischer Vorzeigepolitiker der MAGA-Bewegung galt, verlor die Wahl haushoch. Seitdem reagiert Trump äußerst zurückhaltend auf das Wahlergebnis und schwieg zunächst zwei Tage lang komplett dazu.
Konflikt mit Meloni verschärft die Situation
Im selben Interview mit der „Corriere della Sera“ lobte Trump Orbáns Umgang mit illegaler Einwanderung nur, um anschließend gegen Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni zu sticheln. „Er hat nicht zugelassen, dass Leute ins Land kommen und es zerstören, wie es in Italien geschehen ist“, sagte der US-Präsident. Meloni hatte sich zuvor zunehmend von Trump distanziert, nachdem dieser den Papst kritisiert hatte.
Die Entwicklung zeigt: Innerhalb weniger Tage verliert Trump gleich zwei wichtige politische Verbündete in Europa. Während Orbán durch die Wahlniederlage seine Machtposition einbüßte, entfernt sich Meloni zunehmend von der Politik des US-Präsidenten.
Historische Beziehung zwischen Trump und Orbán
Die Beziehung zwischen Trump und Orbán reicht bis ins Jahr 2017 zurück, als sich beide Politiker beim NATO-Gipfel in Brüssel trafen. Seither galten sie als enge Verbündete, die ähnliche politische Ansichten in Bereichen wie Einwanderungspolitik und nationaler Souveränität teilten. Orbáns Besuch bei Trump in Mar-a-Lago im Jahr 2024 unterstrich diese Verbindung zusätzlich.
Die aktuelle Distanzierung Trumps wirft nun Fragen auf, wie sich die transatlantischen Beziehungen unter seiner Präsidentschaft weiterentwickeln werden. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass Trump selbst in der Vergangenheit betonte, keine Verlierer zu mögen, erscheint seine Reaktion auf Orbáns Wahlniederlage konsequent, wenn auch für viele Beobachter überraschend deutlich.



