Der ehemalige Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hat die europäischen Mitgliedstaaten aufgefordert, früher und stärker in ihre Verteidigung zu investieren. „Die Europäer hätten früher anfangen sollen, mehr in die Verteidigung zu investieren“, sagte Stoltenberg in einem Interview mit dem SPIEGEL. Er äußerte sich vor dem Nato-Gipfel in Ankara, von dem er sich eine Botschaft der Geschlossenheit erhofft. Zugleich setzt er auf Deutschland als zunehmend bedeutende Militärmacht.
Stoltenberg: Beispiellose sicherheitspolitische Herausforderungen
Stoltenberg betonte, dass die Nato vor beispiellosen sicherheitspolitischen Herausforderungen stehe. „Wir sehen uns beispiellosen sicherheitspolitischen Herausforderungen gegenüber“, erklärte der Norweger. Er verwies auf die veränderte Sicherheitslage in Europa und die Notwendigkeit, die Verteidigungsfähigkeiten zu stärken. Die Nato-Mitglieder müssten ihre Hausaufgaben machen und die vereinbarten Verteidigungsausgaben von zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreichen.
Deutschland als Schlüsselakteur
Besonders hob Stoltenberg die Rolle Deutschlands hervor. „Deutschland wird eine immer bedeutendere Militärmacht in der Nato“, sagte er. Die Bundesrepublik habe ihre Verteidigungsausgaben deutlich erhöht und leiste einen wichtigen Beitrag zur Abschreckung und Verteidigung des Bündnisses. Er lobte die deutsche Führungsrolle bei der Unterstützung der Ukraine und bei der Stärkung der Nato-Ostflanke.
Stoltenberg äußerte sich auch zu den laufenden Diskussionen über die künftige Strategie der Nato. Er forderte eine enge Abstimmung zwischen den Verbündeten und eine klare gemeinsame Linie gegenüber Russland. „Die Nato muss geeint bleiben und ihre Entschlossenheit zeigen“, so der Ex-Generalsekretär.
Nato-Gipfel in Ankara: Signal der Geschlossenheit
Der Nato-Gipfel in Ankara solle ein starkes Signal der Geschlossenheit senden, sagte Stoltenberg. Es gehe darum, die Solidarität unter den Verbündeten zu bekräftigen und die weitere Unterstützung für die Ukraine zu koordinieren. Zugleich müsse die Nato ihre eigenen Verteidigungsfähigkeiten modernisieren und an die neuen Bedrohungen anpassen.
Stoltenberg warnte davor, die sicherheitspolitischen Herausforderungen zu unterschätzen. „Wir dürfen nicht nachlassen in unseren Anstrengungen“, mahnte er. Die Investitionen in die Verteidigung müssten langfristig gesichert werden, um die Handlungsfähigkeit der Nato zu gewährleisten.



