Steinmeier gratuliert USA zum 250. Geburtstag – mit mahnenden Worten
Steinmeier gratuliert USA mit mahnenden Worten

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat US-Präsident Donald Trump ein Glückwunschschreiben zum 250. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung übermittelt. Der Brief, der dem SPIEGEL exklusiv vorliegt, enthält neben freundlichen Worten auch deutliche Kritik an der aktuellen politischen Entwicklung in den Vereinigten Staaten.

Freundliche Worte mit subtiler Ermahnung

In dem Schreiben würdigt Steinmeier die historische Bedeutung des 4. Juli 1776 und die enge deutsch-amerikanische Freundschaft. „Die Vereinigten Staaten von Amerika haben über zwei Jahrhunderte hinweg eine Vorbildfunktion für Demokratie und Freiheit in der Welt eingenommen“, heißt es darin. Doch der Bundespräsident bleibt nicht bei der bloßen Gratulation stehen. Er erinnert an die gemeinsamen Werte, die beide Länder verbinden, und mahnt indirekt zu deren Einhaltung.

„In einer Zeit, in der demokratische Institutionen weltweit unter Druck geraten, ist es wichtiger denn je, an den Grundsätzen der Gewaltenteilung, der Rechtsstaatlichkeit und der Menschenrechte festzuhalten“, schreibt Steinmeier. Diese Passage wird als Anspielung auf Trumps umstrittene Politik und seine wiederholten Angriffe auf die amerikanische Justiz und Medien verstanden.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Historischer Kontext und aktuelle Spannungen

Der 250. Geburtstag der USA fällt in eine Phase politischer Polarisierung. Trump, der im Januar 2025 erneut ins Weiße Haus einzog, hat mit seiner „America First“-Agenda traditionelle transatlantische Beziehungen belastet. Steinmeier betont in seinem Brief die Bedeutung der NATO und der europäisch-amerikanischen Partnerschaft. „Unsere Sicherheit und unser Wohlstand sind untrennbar miteinander verbunden“, unterstreicht der Bundespräsident.

Ein Sprecher des Bundespräsidialamts bestätigte, dass der Brief am 2. Juli 2026 über die deutsche Botschaft in Washington übermittelt wurde. Eine offizielle Reaktion aus dem Weißen Haus steht noch aus.

Symbolik des Datums

Die Wahl des Datums ist bewusst: Am 4. Juli 2026 jährt sich die Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung zum 250. Mal. Steinmeier hebt hervor, dass dieses Ereignis nicht nur für die USA, sondern für die gesamte demokratische Welt von zentraler Bedeutung sei. „Die Ideale von Freiheit und Gleichheit, die damals verkündet wurden, sind heute so aktuell wie nie“, schreibt er.

Gleichzeitig übt der Bundespräsident verhaltene Kritik an der aktuellen US-Politik in den Bereichen Klimaschutz und Migration. Ohne Trump direkt zu nennen, betont er die Notwendigkeit internationaler Zusammenarbeit bei globalen Herausforderungen.

Reaktionen in Deutschland

In Berlin wird der Brief als diplomatischer Balanceakt gewertet. Politiker der Regierungskoalition begrüßten die klare Positionierung Steinmeiers. „Der Bundespräsident hat deutlich gemacht, dass Freundschaft auch Kritik verträgt“, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amts. Oppositionspolitiker der AfD kritisierten hingegen die „Einmischung in amerikanische Angelegenheiten“.

Der Brief endet mit einem Ausblick: „Möge die Freundschaft zwischen unseren Völkern auch in den nächsten 250 Jahren Bestand haben.“ Ob Trump darauf antworten wird, blieb zunächst unklar.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration