Britischer Regierungschef zeigt sich frustriert über internationale Politik
In einem seltenen Ausbruch öffentlicher Frustration hat der britische Premierminister Keir Starmer die Präsidenten der Vereinigten Staaten und Russlands scharf kritisiert. Der Labour-Politiker zeigte sich in einem Interview mit dem britischen Nachrichtendienst ITV erbost über die Auswirkungen internationaler Konflikte auf die Energiepreise.
"Ich habe es satt" - Starmers deutliche Worte
"Ich habe es satt, dass Familien im ganzen Land erleben, wie ihre Energierechnungen steigen und fallen, dass die Energiekosten für Unternehmen steigen und fallen – aufgrund der Handlungen von Putin oder Trump in der Welt", erklärte Starmer mit ungewöhnlicher Direktheit. Der Kommentar markiert eine bemerkenswerte Abweichung von seiner sonst zurückhaltenden öffentlichen Rhetorik gegenüber dem amerikanischen Präsidenten.
Der britische Regierungschef bezog sich dabei insbesondere auf die aktuellen Entwicklungen im Nahen Osten, wo der Irankrieg bereits zu erheblichen Verwerfungen auf den globalen Energiemärkten geführt hat. Die Blockade der strategisch wichtigen Straße von Hormus durch Iran hat den Öltransport aus dem Persischen Golf praktisch zum Erliegen gebracht und die Weltmarktpreise in die Höhe getrieben.
Internationale Spannungen belasten Wirtschaft
Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Konflikts sind bereits deutlich spürbar. In Deutschland stieg die Inflationsrate im März auf 2,7 Prozent – den höchsten Stand seit Januar 2024. Massiv gestiegene Energiepreise, insbesondere bei Kraftstoffen und Heizöl, trieben die Teuerung an. Auch in den USA zog die Inflationsrate auf 3,3 Prozent an, nachdem sie im Februar noch bei 2,4 Prozent gelegen hatte.
Die Internationale Energieagentur warnt bereits vor Engpässen bei Diesel und Kerosin in Europa in den kommenden Wochen. Fatih Birol, Chef der Organisation, spricht von der "größten Energiekrise der Geschichte", wobei die Produktions- und Lieferausfälle bei Erdöl, Erdgas und Treibstoffen größer seien als in allen drei vorherigen Energiekrisen zusammen.
Diplomatische Bemühungen um Deeskalation
Während die wirtschaftlichen Folgen des Konflikts immer deutlicher werden, laufen diplomatische Bemühungen auf Hochtouren. In Islamabad bereitet sich Pakistan auf Friedensgespräche zwischen den USA und Iran vor. Das Fünf-Sterne-Hotel Serena wurde komplett für die Delegationen geräumt, mehr als 10.000 Sicherheitskräfte sind in der Hauptstadt stationiert.
US-Vizepräsident JD Vance wird die amerikanische Delegation anführen, während Iran durch Außenminister Abbas Araghchi und Parlamentssprecher Mohammad Bagher Ghalibaf vertreten sein wird. Die Gespräche sollen bereits am Samstag beginnen, doch die Positionen liegen weit auseinander. Iran besteht auf Garantien, dass der Krieg nicht wieder aufgenommen wird, und lehnt einen Waffenstillstand ab, der dem "angreifenden Feind" eine Wiederbewaffnung ermöglichen würde.
Region weiter in Unruhe
Trotz der angekündigten zweiwöchigen Waffenruhe zwischen den USA und Iran gehen die Kämpfe im Libanon weiter. Israels Premierminister Benjamin Netanyahu kündigte weitere Angriffe auf die Hisbollah an, gleichzeitig aber auch Verhandlungen mit dem Libanon. Die libanesische Regierung macht einen Waffenstillstand zur Vorbedingung für Gespräche.
Die humanitäre Lage im Libanon verschlechtert sich zusehends. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation könnten medizinische Vorräte wie Arzneimittel und Blutkonserven knapp werden. Innerhalb weniger Tage seien drei bis vier Wochenvorräte aufgebraucht worden. Seit Kriegsbeginn wurden im Libanon 13 Krankenhäuser beschädigt, sechs mussten kriegsbedingt schließen.
Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (Unicef) meldet, dass seit Beginn des Krieges am 2. März rund 600 Kinder im Libanon getötet oder verletzt wurden. Allein bei den israelischen Angriffen am Mittwoch starben 33 Kinder, 153 wurden verletzt.
Europäische Positionen zum Konflikt
In Europa zeigen sich unterschiedliche Haltungen zum Konflikt. Während Nato-Generalsekretär Mark Rutte praktische Unterstützung bei der Sicherung der Straße von Hormus in Aussicht stellte, schloss der spanische Außenminister José Manuel Albares eine Beteiligung der Nato an Militäroperationen aus. "Der Nahe Osten liegt nicht im Aktionsradius der Nato", betonte Albares.
Die Bundesregierung hat unterdessen angekündigt, die Gespräche mit Iran wieder aufzunehmen. Außenminister Johann Wadephul forderte Teheran in einem Telefonat mit seinem iranischen Kollegen Araghchi auf, den Waffenstillstand einzuhalten und freie Schifffahrt durch die Straße von Hormus zu ermöglichen.
Starmers Kritik an Trump und Putin spiegelt die wachsende Besorgnis vieler europäischer Regierungen wider, die die wirtschaftlichen Folgen des Konflikts zunehmend als Bedrohung für die Stabilität ihrer Länder wahrnehmen. Die hohen Energiepreise belasten nicht nur Haushalte und Unternehmen, sondern könnten auch soziale Unruhen provozieren, wie bereits in Irland zu beobachten ist, wo Proteste gegen die gestiegenen Kraftstoffpreise zu Engpässen an Tankstellen geführt haben.



