Ein Feiertag der Trauer
Für Wendsler Nosie, den früheren Stammesführer der San-Carlos-Apachen, ist der 4. Juli kein Grund zum Feiern. Während die USA den Unabhängigkeitstag begehen, erinnert er sich an die dunkle Geschichte seines Volkes. „90 Prozent unseres Volkes wurden ausgelöscht“, sagt Nosie. Der Kampf gegen die Landnahme geht für ihn weiter – diesmal gegen eine geplante Kupfermine am heiligen Berg der Apachen in Arizona.
Ein Besuch im Reservat
Wer Wendsler Nosie besuchen will, muss im San-Carlos-Reservat am Schild „Nosie’s Native Gift Shop“ rechts abbiegen und einen sandigen Weg hochfahren. Ganz oben, mitten in den kargen Bergen von Arizona, steht sein braunes Haus mit weißem Dach und weißen Fensterrahmen. Nosie hat am Küchentisch Platz genommen. An der Wand hängen Fotos der Kinder und Enkelkinder. Auf der Küchenzeile stehen noch die Rosen vom Vatertag. Im Wohnzimmer läuft der Fernseher. Immer wieder klingelt Nosies Handy.
Der Kampf gegen die Kupfermine
Seit Jahren setzt sich Nosie gegen den Bau einer Kupfermine am Oak Flat, einem heiligen Ort der Apachen, ein. Das Gebiet liegt etwa 100 Kilometer östlich von Phoenix. Die Mine würde nach Angaben von Umweltschützern und indigenen Gruppen nicht nur die spirituelle Stätte zerstören, sondern auch die Umwelt schwer belasten. Nosie betont: „Dieser Berg ist unser heiliger Ort. Er ist das Herz unseres Volkes.“ Die US-Regierung hatte das Land im Jahr 2014 im Tausch gegen andere Flächen an ein Bergbauunternehmen übertragen. Ein Gerichtsverfahren läuft noch.
250 Jahre USA – 250 Jahre Leid
Nosie zieht eine bittere Bilanz der letzten 250 Jahre. „Die US-Regierung hat uns immer wieder betrogen und unser Land gestohlen“, sagt er. Die San-Carlos-Apachen wurden in ein Reservat gedrängt, das nur einen Bruchteil ihres ursprünglichen Territoriums ausmacht. „Wir haben unsere Traditionen, unsere Sprache und unsere Identität bewahrt, aber der Preis war hoch.“ Der 4. Juli ist für ihn ein Symbol der Unterdrückung, nicht der Freiheit. Viele indigene Völker in den USA sehen den Nationalfeiertag ähnlich kritisch.
Ein Ortstermin in Arizona
Nosie lebt bescheiden in seinem Haus im Reservat. Er empfängt Besucher und erzählt ihnen von der Geschichte der Apachen. Sein Handy klingelt ununterbrochen – Anrufe von Unterstützern, Journalisten und anderen Aktivisten. Der Kampf gegen die Mine hat ihn überregional bekannt gemacht. Er ist zu einer Stimme der indigenen Bewegung geworden. „Wir geben nicht auf“, sagt Nosie. „Wir kämpfen für unsere Kinder und Enkelkinder, damit sie eines Tages sagen können: Wir haben unsere heiligen Stätten verteidigt.“
Die Bedeutung des heiligen Berges
Oak Flat, auf Apache „Chichil Bildagoteel“ genannt, ist seit Jahrhunderten ein Ort für Zeremonien und spirituelle Rituale. Die Apachen glauben, dass hier die Geister ihrer Vorfahren wohnen. Die geplante Mine würde einen Krater von mehr als zwei Kilometern Durchmesser und 300 Metern Tiefe hinterlassen. „Das wäre eine Zerstörung, die nicht wiedergutzumachen ist“, warnt Nosie. Er appelliert an die US-Regierung, den Vertrag zu überdenken und das Land den Apachen zurückzugeben.
Ein langer Weg zur Gerechtigkeit
Nosie ist sich bewusst, dass der Kampf noch lange dauern kann. Er verweist auf andere indigene Erfolge, wie den Protest gegen die Dakota-Access-Pipeline in Standing Rock. „Wir sind stärker, wenn wir zusammenstehen.“ Der frühere Stammesführer hofft auf ein Umdenken in der Gesellschaft. „Viele Amerikaner wissen nicht, was an diesem Tag wirklich passiert ist. Wir müssen die Wahrheit erzählen, auch wenn sie schmerzhaft ist.“



