IW-Studie: Selbstnutzer bei Immobilien steuerlich benachteiligt
IW-Studie: Selbstnutzer benachteiligt

Wer in Deutschland eine Immobilie kauft und selbst bewohnt, ist steuerlich deutlich schlechter gestellt als ein Vermieter. Das zeigt eine aktuelle Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Demnach entgehen Selbstnutzern im Vergleich zu Vermietern über einen Zeitraum von 15 Jahren erhebliche finanzielle Vorteile.

Hohe Verluste für Selbstnutzer in Metropolen

Kauft man etwa eine Eigentumswohnung in einer deutschen Metropole für 300.000 Euro und zieht selbst ein, verliert man gegenüber einem Vermieter innerhalb von 15 Jahren rund 87.000 Euro. Das entspricht einer Rendite auf das eingesetzte Kapital von knapp neun Prozent für Vermieter, während Selbstnutzer nur auf sechs Prozent kommen. Außerhalb der Metropolen beträgt der Steuernachteil laut Studie 40.000 bis 50.000 Euro.

Ursache: Steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten

Der Grund für die Ungleichbehandlung liegt im Steuerrecht: Vermieter können ihre Immobilie steuerlich abschreiben und Kosten wie Kreditzinsen sowie Instandhaltung geltend machen. Selbstnutzern bleiben diese Möglichkeiten verwehrt. „Wohneigentum ist Vermögensaufbau und Altersvorsorge in einem – mit einem Freibetrag bei der Grunderwerbsteuer für Selbstnutzer könnte der Staat das fördern“, sagte IW-Immobilienexperte Michael Voigtländer.

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Deutschland im europäischen Vergleich ein Sonderfall

Die Studie vergleicht Deutschland mit sechs europäischen Ländern, darunter die Niederlande, Frankreich und Österreich. In allen Vergleichsländern begünstigt das Steuerrecht die Selbstnutzung – etwa durch niedrigere Kaufnebenkosten für Eigennutzer oder eine höhere Besteuerung der Vermietung. In Deutschland hingegen erzielen Vermieter mit durchschnittlich rund sieben Prozent die höchste Rendite aller untersuchten Länder, Selbstnutzer die niedrigste.

Niedrigste Wohneigentumsquote in der EU

Die Folge: Die Wohneigentumsquote in Deutschland ist die niedrigste in der gesamten Europäischen Union. 2022 lag sie bei nur 44 Prozent, während der EU-Schnitt bei rund 70 Prozent liegt. „Viele Menschen träumen vom Eigenheim – doch anders als in vielen anderen europäischen Ländern legt der deutsche Staat ihnen dabei Steine in den Weg“, kritisierte Voigtländer.

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