Am heutigen Montag beginnt vor dem Staatsschutzsenat des Hanseatischen Oberlandesgerichts in Hamburg der Prozess gegen einen 54-jährigen Dänen mit afghanischen Wurzeln. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm geheimdienstliche Agententätigkeit vor. Konkret soll der Mann im Auftrag Irans hochrangige Vertreter jüdischer Organisationen in Deutschland für mögliche Mord- und Brandanschläge ausgekundschaftet haben.
Angeklagter soll Josef Schuster und Volker Beck ausgespäht haben
Laut Anklage gehören zu den ausgespähten Personen der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, sowie der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Volker Beck. Beck, der von 1994 bis 2017 für die Grünen im Bundestag saß, hat beantragt, als Nebenkläger zugelassen zu werden. Eine Gerichtssprecherin bestätigte das Vorliegen des Antrags, über den jedoch noch nicht entschieden wurde, da den anderen Prozessbeteiligten zunächst die Möglichkeit zur Stellungnahme eingeräumt werden müsse.
Neben dem Hauptangeklagten ist ein mutmaßlicher Komplize angeklagt, ein Afghane, der dem mutmaßlichen Spion seine Unterstützung für eine mögliche Anschlagsvorbereitung zugesagt haben soll. Der Komplize war im November des Vorjahres ebenfalls in Dänemark festgenommen und nach Deutschland überstellt worden.
Festnahme in Dänemark und Hintergründe
Der 54-Jährige war vor genau einem Jahr in der zweitgrößten dänischen Stadt Aarhus von dänischen Polizeibeamten festgenommen worden. Wenige Wochen später wurde er nach Deutschland überstellt und einem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe vorgeführt. Seitdem sitzt er in deutscher Untersuchungshaft.
Anfang 2025 soll der mutmaßliche Spion den Auftrag erhalten haben, Informationen über Schuster und Beck einzuholen. „Zudem sollte er zwei jüdische Lebensmittelhändler in Berlin ausspähen“, so der Vorwurf der Bundesanwaltschaft. Auftragsgemäß habe der Däne im Frühjahr 2025 in Berlin diverse Orte ausgekundschaftet.
Al-Kuds-Brigaden als Auftraggeber
Den Auftrag sollen ihm nach früheren Informationen die sogenannten Al-Kuds-Brigaden erteilt haben – die Auslandseinheit der einflussreichen iranischen Revolutionsgarden. Zu den Aufgaben der iranischen Elitestreitmacht gehören verdeckte Geheimdienstoperationen im Ausland.
Der erste Hinweis auf den mutmaßlichen Spion kam laut Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) von einem befreundeten ausländischen Nachrichtendienst. Man habe mit mehreren ausländischen Diensten in der Sache kooperiert, sagte Dobrindt nach der Festnahme im vergangenen Jahr. Eine mit dem Thema vertraute Quelle bestätigte der Deutschen Presse-Agentur, dass der israelische Auslandsgeheimdienst Mossad beteiligt war.
Iran weist Vorwürfe zurück
Der Iran hatte die Vorwürfe damals entschieden zurückgewiesen. Die iranische Botschaft in Berlin sprach von „unbegründeten und gefährlichen Behauptungen“, wie die regierungsnahe Nachrichtenagentur Isna berichtete. Die Vorwürfe seien Teil einer Kampagne, um von Israels Krieg gegen den Iran abzulenken.
Israel hatte am 13. Juni 2025 den Iran angegriffen und landesweit Ziele bombardiert. Als Begründung führte die Regierung die Bedrohung durch Irans umstrittenes Atomprogramm an – Israel befürchtet, die Islamische Republik könnte eine Atombombe bauen. Der Iran bestreitet dies und reagierte mit Raketen- und Drohnenangriffen. Später bombardierten die USA iranische Atomanlagen. Im Februar brach der Krieg erneut aus, inzwischen gilt eine Waffenruhe.
Weitere Prozessdetails
Der Festgenommene stehe im Verdacht, Vorbereitungen für Brandanschläge getroffen zu haben, sagte Dobrindt damals weiter. Unter anderem soll er versucht haben, Menschen anzuheuern, die diese Anschläge ausführen. Das Auswärtige Amt bestellte nach der Festnahme den iranischen Botschafter ein.
Für den Prozess wurden zunächst bis Mitte Oktober 18 weitere Termine angesetzt. Der Prozess findet vor dem Staatsschutzsenat des Hanseatischen Oberlandesgerichts in Hamburg statt.



