Bundesregierung besetzt sieben Schlüsselbotschaften neu: Lambsdorff nach Tel Aviv
Sieben Botschafterposten neu besetzt: Lambsdorff wechselt nach Israel

Bundesregierung ordnet Botschafterrotation neu: Sieben Schlüsselposten werden besetzt

Das alljährliche Karussell an der Spitze wichtiger deutscher Auslandsvertretungen dreht sich erneut. Am Mittwoch soll das Bundeskabinett eine Reihe bedeutender Personalentscheidungen beschließen, die sieben prestigeträchtige und politisch höchst relevante Botschafterposten betreffen.

Neubesetzung in sieben Hauptstädten weltweit

Die Bundesregierung plant die turnusmäßige Rotation an den deutschen Vertretungen in Tel Aviv, Moskau, Mexiko-Stadt, Madrid, Peking, Neu-Delhi und Brasília. In Regierungskreisen heißt es, Außenminister Johann Wadephul (CDU) habe die Vorschläge eingebracht, die in der Koalition auf Einigkeit stoßen. Das Tableau der Posten in der Besoldungsstufe B9 soll an diesem Mittwoch im Kabinett beschlossen werden.

Lambsdorff wechselt von Moskau nach Tel Aviv

Nach SPIEGEL-Informationen soll Alexander Graf Lambsdorff, derzeitiger Botschafter in Moskau, auf den Schlüsselposten in Tel Aviv wechseln. Lambsdorff, der nach seiner Attaché-Ausbildung 1997 verschiedene Positionen in Washington und im Auswärtigen Amt innehatte, zog 2004 ins Europaparlament und 2017 in den Bundestag ein. Im Sommer 2023 legte er sein Mandat nieder, um Botschafter in Russland zu werden. In Israel löst er Botschafter Steffen Seibert ab, der regulär in den Ruhestand geht.

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Weitere bedeutende Personalwechsel

Die Nachfolge in Moskau übernimmt Botschafter Clemens von Goetze, der derzeit die Vertretung in Mexiko-Stadt leitet. Von Goetze verfügt über breite außen- und sicherheitspolitische Erfahrung und war bereits als Botschafter in Tel Aviv, Peking und Tokio im Einsatz.

In Mexiko-Stadt wiederum übernimmt die derzeitige Botschafterin in Madrid, Maria Margarete Gosse. Sie hatte vor ihrem Posten in Spanien von 2018 bis 2022 die Zentralabteilung des Auswärtigen Amtes in Berlin geleitet, das organisatorische Rückgrat der Zentrale und der mehr als 200 deutschen Auslandsvertretungen.

Überraschender Wechsel nach Madrid

Ihr folgt in Madrid, und das kommt eher überraschend, Botschafter Heiko Thoms. Er hatte erst im Sommer auf Wunsch von Außenminister Wadephul den Posten in der ukrainischen Hauptstadt Kyjiw übernommen, nachdem die Bundesregierung Martin Jäger von dort an die Spitze des Bundesnachrichtendienstes berufen hatte. Thoms war zuvor unter anderem Botschafter in Brasília und arbeitete zu Zeiten der Ampelregierung als Staatssekretär im FDP-geführten Bundesfinanzministerium. Seine Nachfolge in der Ukraine ist allerdings noch offen und steht nicht im aktuellen Kabinettsbeschluss zur Entscheidung an.

Veränderungen in Neu-Delhi und Peking

Die Leitung der Botschaft Neu-Delhi zieht auch Veränderungen in der Leitungsebene des Bundesverteidigungsministeriums von Boris Pistorius nach sich: Jasper Wieck, derzeit Politischer Direktor im Bendlerblock, kehrt nach Indien zurück, wo er von 2017 bis 2020 bereits als stellvertretender Botschafter tätig war. Dem Vernehmen nach erfüllt sich für Wieck damit ein langgehegter Wunsch, da bereits sein Vater Hans-Georg Wieck die Botschaft von 1990 bis 1993 geleitet hatte.

Wieck übernimmt in Indien von Philipp Ackermann, der wiederum als Botschafter nach Peking wechselt. Ackermann war unter anderem als Gesandter in Washington tätig und leitete bis zu seinem Wechsel nach Indien die Politische Abteilung 3 im Auswärtigen Amt, die für die politischen Beziehungen zu den Ländern des Nahen und Mittleren Ostens, Afrikas und Lateinamerikas zuständig ist.

Neue Botschafterin in Brasília

Ackermanns Vorgängerin in China, Patricia Flor, wird neue deutsche Botschafterin in Brasília. Bevor sie den Botschafterposten in Peking übernahm, hatte sie die Delegation der Europäischen Union in Tokio geleitet und im Auswärtigen Amt die Abteilung für Internationale Ordnung, Vereinte Nationen und Rüstungskontrolle. Sie folgt auf Botschafterin Bettina Cadenbach, die regulär in den Ruhestand geht.

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Mehrstufiges Verfahren der Botschafterbesetzung

Bei der Besetzung von Botschafter- und Botschafterinnenposten handelt es sich um ein mehrstufiges Verfahren: Nach dem Abschluss des Planungsprozesses in der Bundesregierung, der mehrere Monate dauern kann, wird bei der Regierung des Gastlandes ein sogenanntes Agrément ersucht, also die Einwilligung der jeweiligen Regierung. Wenn dieses erteilt wurde, stellt der Bundespräsident ein Beglaubigungsschreiben aus, das die Diplomatinnen und Diplomaten bei Amtsantritt dem Staatsoberhaupt des Gastlandes überreichen.

Um der Entscheidung eines Gastlandes nicht vorzugreifen, bestätigt das Auswärtige Amt Personalien grundsätzlich erst nach Erteilung des Agréments. Aus dem Auswärtigen Amt hieß es auf Nachfrage des SPIEGEL, turnusgemäß wechseln im Auswärtigen Amt jeden Sommer zahlreiche Kolleginnen und Kollegen zum sogenannten einheitlichen Versetzungstermin die Posten, so auch eine Vielzahl von Leiterinnen und Leitern deutscher Auslandsvertretungen.