Wenige Jahrzehnte nach Gründung der USA zerriss der Bürgerkrieg das Land. Nordstaaten-General William T. Sherman ließ Georgia und South Carolina systematisch zerstören. Die Frage, ob dies ein Kriegsverbrechen oder eine Strategie war, die Leben rettete, beschäftigt Historiker bis heute. Der SPIEGEL beleuchtet in einem Artikel von Frank Patalong und Martin Pfaffenzeller die Ereignisse und ihre Bewertung.
Der Marsch zum Meer: Shermans Strategie der verbrannten Erde
Im Jahr 1864 führte General Sherman seinen berüchtigten „Marsch zum Meer“ von Atlanta nach Savannah durch. Dabei zerstörten seine Truppen systematisch Eisenbahnen, Fabriken, Ernten und private Anwesen. Ziel war es, die Wirtschaft der Konföderation zu zerschlagen und den Willen der Zivilbevölkerung zu brechen. Sherman selbst schrieb: „Der Name des Satans selbst hätte sie nicht mehr ängstigen können“ – ein Hinweis auf den psychologischen Schrecken, den seine Taktik verbreitete.
Kriegsverbrechen oder militärische Notwendigkeit?
Die Zerstörung ganzer Städte wie Columbia (South Carolina) wirft bis heute die Frage nach der Legalität auf. Nach heutigem Völkerrecht könnten solche Handlungen als Kriegsverbrechen gelten. Historiker argumentieren jedoch, dass Shermans Strategie den Krieg verkürzte und damit insgesamt Leben rettete. Ein Zitat aus dem Artikel: „Sherman wollte den Krieg so brutal beenden, dass die Südstaaten nie wieder aufrüsten würden.“ Die Debatte bleibt kontrovers.
Die Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung
Die Zerstörung traf vor allem die Zivilbevölkerung. Tausende wurden obdachlos, viele verhungerten. Shermans Truppen hinterließen eine Schneise der Verwüstung. Dennoch argumentieren Befürworter, dass die schnelle Kapitulation der Konföderation im April 1865 ohne Shermans Marsch nicht möglich gewesen wäre. Die Zahl der Todesopfer durch direkte Kampfhandlungen war geringer als die durch die Zerstörung verursachten Entbehrungen.
Historische Bewertung im Wandel der Zeit
Die Bewertung von Shermans Taktik hat sich im Laufe der Zeit verändert. Während er im Norden lange als Held galt, wird er im Süden bis heute gehasst. Neuere Forschungen betonen die Komplexität: Shermans Handlungen waren einerseits brutal, andererseits strategisch kalkuliert. Der Artikel des SPIEGEL fasst zusammen: „Sherman war weder ein Satan noch ein Heiliger – er war ein Produkt des totalen Krieges.“



