Ukraine-Krieg: Selenskyjs Waffenruhe zeigt erste Wirkung
Selenskyjs Waffenruhe: Weniger Angriffe in Ukraine

Die erste Nacht der einseitig von Präsident Wolodymyr Selenskyj angeordneten Waffenruhe im Ukraine-Krieg hat eine Verringerung der Angriffe gebracht. Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums wurden in der Nacht 53 ukrainische Drohnen über russischem Gebiet und der annektierten Schwarzmeerhalbinsel Krim abgewehrt – deutlich weniger als in den vorangegangenen Nächten. Unklar bleibt, ob die Drohnen vor oder nach dem offiziellen Beginn der Waffenruhe um 0:00 Uhr Ortszeit (23:00 Uhr MESZ) abgeschossen wurden. Das Ministerium gab einen Zeitraum zwischen 21:00 und 7:00 Uhr Ortszeit an.

Luftangriffe lassen nach

Auch die Intensität der russischen Luftangriffe auf die Ukraine ließ ersten Informationen zufolge etwas nach. Die ukrainische Luftwaffe meldete jedoch auch nach Beginn der Waffenruhe den Anflug von Drohnen unter anderem auf Charkiw. Insgesamt habe Russland seit Dienstag 18:00 Uhr (17:00 Uhr MESZ) drei Raketen und 108 Drohnen eingesetzt, von denen 89 abgewehrt wurden. In der Nacht zuvor waren es noch elf ballistische Raketen und 164 Drohnen gewesen.

Putin ordnet eigene Waffenruhe an

Kremlchef Wladimir Putin hat seinerseits eine Waffenruhe für Freitag und Samstag angeordnet, wenn in Russland an den sowjetischen Sieg im Zweiten Weltkrieg erinnert wird. Am 9. Mai ist die traditionelle Militärparade auf dem Roten Platz geplant. Selenskyjs Ankündigung einer früheren Feuerpause wurde in Moskau zunächst nicht kommentiert. Die ukrainische Feuerpause gelte unbefristet, solange Russland nicht angreife, erklärte Präsidialamtschef Kyrylo Budanow. „Wenn die Waffenruhe gegenseitig eingehalten wird, dann setzen wir diese fort“, schrieb er auf sozialen Netzwerken. Selenskyj hatte angekündigt, spiegelbildlich zu reagieren, falls die russische Seite die Waffenruhe nicht einhalte.

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Friedensbemühungen und bisherige Feuerpausen

Mit dem Fernduell um eine Waffenruhe versuchen Selenskyj und Putin auch, US-Präsident Donald Trump von ihrem Friedenswillen zu überzeugen. Trump und Putin hatten Ende April telefonisch über eine mögliche Waffenruhe zu den Feierlichkeiten am 9. Mai gesprochen. Kiew spricht sich seit langem für einen dauerhaften Waffenstillstand aus, dem ein Friedensschluss mit Sicherheitsgarantien folgen soll. Moskau lehnt längere Waffenruhen ab und setzt trotz zunehmender Schwierigkeiten darauf, seine Ziele in der Ukraine durchzusetzen. Bisherige Feuerpausen waren brüchig: Zuletzt gab es eine begrenzte Feuerpause zu Ostern, bei der weitreichende Luftangriffe ausblieben, aber an der Front weitergekämpft wurde. Im vergangenen Jahr sollten anlässlich des 80. Jahrestags des Weltkriegsendes drei Tage die Waffen ruhen, doch beide Seiten warfen sich Verstöße vor.

Heftige Kämpfe vor der Waffenruhe

Bis kurz vor dem Beginn der Waffenruhe bekämpften sich beide Seiten mit großer Härte. Am Dienstag tötete die russische Armee durch Luftangriffe und Artilleriebeschuss mehr als 25 ukrainische Zivilisten in Saporischschja, Kramatorsk, Dnipro und anderen Städten. Die Ukraine griff ihrerseits in der Nacht zum Dienstag eine Rüstungsfabrik und eine große Raffinerie in Russland mit Kampfdrohnen an. Der Flugverkehr in Moskau war am Abend gestört. Auch die von Russland 2014 annektierte Krim wurde angegriffen; dabei gab es nach Angaben der Besatzungsverwaltung mindestens fünf Tote in Dschankoj. In Saporischschja wurden durch russische Bombenangriffe am späten Dienstagnachmittag mindestens zwölf Menschen getötet, mehr als ein Dutzend weitere verletzt. In Kramatorsk starben mindestens neun Menschen durch drei russische Bomben, in Dnipro vier durch Raketenbeschuss.

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