Die russische Armee setzt im Angriffskrieg auf Masse, doch bei ballistischen Raketen kann Moskau offenbar sparen, weil die Ukraine ihnen schutzlos ausgeliefert ist. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete die Verteidigung gegen ballistische Raketen als die „größte Schwachstelle“ der Ukraine.
Russland umgeht Sanktionen und produziert weiter Raketen
Militärexperte Andreas Rapp vom German Institute for Defence and Strategic Studies erklärte dem Tagesspiegel: „Russland kann immer noch viele Sanktionen umgehen und so die Waffen- und Raketenproduktion auf hohem Niveau aufrechterhalten.“ Ballistische Raketen sind besonders schwer abzufangen, obwohl sie auf dem Radar früher erkannt werden als Marschflugkörper. Ihre Abwehr ist teuer und kompliziert.
Ukraine auf Patriot und SAMP/T angewiesen
Die Ukraine ist auf amerikanische Patriot- und französische SAMP/T-Abwehrraketen angewiesen. Patriot-Raketen kosten mehrere Millionen Dollar pro Stück und waren bereits vor dem Iran-Krieg knapp. Selenskyj sagte der „Financial Times“, dass Patriot-Raketen manchmal erst einen Tag vor einem neuen Großangriff in der Ukraine ankommen.
ISW: Keine ballistischen Raketen abgefangen
Das US-Institut für Kriegsstudien (ISW) stellte in seinem Lagebericht vom 6. Juli fest: „Ukrainische Streitkräfte haben über Nacht nahezu alle russischen Marschflugkörper erfolgreich abgefangen, jedoch keine der ballistischen Raketen.“ Diese Lücke führt zu einem Ungleichgewicht in der Abwehr.
Russland spart Raketen bewusst
Das ISW listet die Anzahl ballistischer Raketen bei größeren Attacken seit Anfang Juni auf: 41 Raketen in der Nacht vom 1. auf den 2. Juni, 40 Raketen in der Nacht vom 14. auf den 15. Juni, 28 Raketen in der Nacht vom 1. auf den 2. Juli und 29 Raketen in der Nacht vom 5. auf den 6. Juli. Die sinkende Zahl deutet laut ISW auf eine bewusste Zurückhaltung hin, da die russischen Militärführer davon ausgehen können, dass die eingesetzten Raketen ihre Ziele ohnehin treffen.
Zivile Opfer durch ballistische Raketen
Diese Angriffe gehen zulasten der ukrainischen Zivilbevölkerung, da eine ballistische Rakete wesentlich mehr Sprengstoff enthält als eine Drohne. Der Großteil der Zerstörungen in Kyjiw in der Nacht vom 5. auf den 6. Juli geht auf ballistische Raketen zurück, berichtete die ukrainische Luftwaffe. Mindestens 15 Menschen starben, mindestens 60 wurden verletzt.



