Selenskyj: Größte Schwachstelle ist Abwehr ballistischer Raketen
Selenskyj: Größte Schwachstelle ist Abwehr ballistischer Raketen

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die unzureichende Abwehr ballistischer Raketen als die „größte Schwachstelle“ der Ukraine im Verteidigungskrieg gegen Russland bezeichnet. In einem Interview mit der „Financial Times“ betonte er, dass sich der Krieg in der Luft entscheiden werde. Derzeit ist die Ukraine jedoch nicht in der Lage, einen bedeutenden Teil der russischen Raketenangriffe abzuwehren, insbesondere die ballistischen Raketen, die mit hoher Geschwindigkeit und auf steilen Flugbahnen anfliegen.

Russland nutzt Lücke in der ukrainischen Luftverteidigung aus

Die russische Armee setzt im Angriffskrieg verstärkt auf ballistische Raketen, da die Ukraine diese nur schwer abfangen kann. Während Marschflugkörper häufig erfolgreich abgeschossen werden, gelingt dies bei ballistischen Raketen so gut wie nie. Das US-Institut für Kriegsstudien (ISW) stellte in seinem Lagebericht vom 6. Juli fest: „Ukrainische Streitkräfte haben über Nacht nahezu alle russischen Marschflugkörper erfolgreich abgefangen, jedoch keine der ballistischen Raketen.“

Die Ukraine ist für die Abwehr ballistischer Raketen auf amerikanische Patriot- und französische SAMP/T-Systeme angewiesen. Diese Abwehrraketen sind jedoch teuer und knapp. Eine Patriot-Rakete kostet mehrere Millionen Dollar, und die Produktion ist bereits vor dem Iran-Krieg begrenzt. Selenskyj zufolge kommen Patriot-Raketen manchmal erst einen Tag vor einem neuen Großangriff in der Ukraine an.

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Russland spart Raketen gezielt ein

Das ISW beobachtet, dass Russland bei seinen Angriffen die Anzahl ballistischer Raketen reduziert. So wurden in der Nacht vom 1. auf den 2. Juni noch 41 Raketen eingesetzt, in der Nacht vom 14. auf den 15. Juni 40, in der Nacht vom 1. auf den 2. Juli 28 und in der Nacht vom 5. auf den 6. Juli nur noch 29. Das ISW vermutet eine bewusste Taktik dahinter: Die russischen Militärführer halten Raketen zurück, weil sie davon ausgehen können, dass die eingesetzten Geschosse ihre Ziele ohnehin treffen werden. Da die Ukraine ballistische Raketen kaum abfangen kann, reicht eine geringere Anzahl aus, um Schaden anzurichten.

Militärexperte Andreas Rapp vom German Institute for Defence and Strategic Studies erklärte dem Tagesspiegel: „Russland kann immer noch viele Sanktionen umgehen und so die Waffen- und Raketenproduktion auf hohem Niveau aufrechterhalten.“ Die ballistischen Raketen sind dabei besonders effektiv, da sie eine große Menge Sprengstoff transportieren und schwieriger abzuwehren sind.

Schwere Folgen für die Zivilbevölkerung

Die russischen Angriffe mit ballistischen Raketen fordern einen hohen Tribut unter der Zivilbevölkerung. Eine Rakete enthält wesentlich mehr Sprengstoff als eine Angriffsdrohne, was zu größeren Zerstörungen führt. In der Nacht vom 5. auf den 6. Juli gingen die meisten Schäden in Kyjiw auf ballistische Raketen zurück, wie die ukrainische Luftwaffe mitteilte. Bei dem Angriff, der auch Drohnen und Marschflugkörper umfasste, starben mindestens 15 Menschen, mindestens 60 wurden verletzt.

Die Hoffnung der Ukraine ruht auf dem Nato-Gipfel in der Türkei, wo neue Zusagen internationaler Verbündeter erwartet werden. Doch selbst bei neuen Lieferungen bleibt das Kernproblem der Knappheit bestehen. Eigene Lösungen, an denen die Ukraine arbeitet, werden noch Zeit in Anspruch nehmen. Solange nutzt Russland die Gelegenheit, seine Raketenreserven zu schonen und dennoch maximale Wirkung zu erzielen.

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