Regierungsbildung in Rumänien gescheitert: Parlament lehnt Premierkandidaten ab
Regierungsbildung in Rumänien gescheitert

Sieben Wochen nach dem Sturz der proeuropäischen Reformregierung in Rumänien ist die Bildung einer neuen Regierung gescheitert. Das Parlament in Bukarest lehnte den vom Staatspräsidenten Nicusor Dan vorgeschlagenen Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten, Adrian Vestea, ab. Für die Wahl zum Regierungschef und Nachfolger von Ilie Bolojan hätte Vestea die absolute Mehrheit von 233 Stimmen benötigt, erhielt jedoch nur 189 Stimmen bei 23 Gegenstimmen. An der Abstimmung nahmen lediglich 212 der 465 Abgeordneten teil.

Präsident Dan muss neuen Kandidaten vorschlagen

Staatspräsident Nicusor Dan ist nun aufgefordert, dem Parlament einen neuen Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten vorzuschlagen. Dan hatte den Politiker der Nationalliberalen Partei (PNL) gegen den Willen des PNL-Vorsitzenden Bolojan nominiert. Ein Sonderparteitag der PNL hatte am Sonntag beschlossen, Vestea und seine Anhänger aus der Partei auszuschließen, wobei diesem Beschluss noch weitere Parteigremien zustimmen müssen.

Gescheiterter Pakt mit Rechtsaußen

Vestea erhielt Unterstützung nur von der oppositionellen Sozialdemokratischen Partei (PSD) sowie von Abweichlern aus der PNL und Splittergruppen. Er hatte zudem mit der rechtsextremen Oppositionspartei AUR verhandelt, um deren Rückhalt zu gewinnen. Vor der Abstimmung verließ die AUR-Fraktion jedoch den Plenarsaal, was Vesteas Niederlage besiegelte.

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Präsident Dan hatte eine Neuauflage der vor mehr als einem Monat zerbrochenen Koalition aus PNL und der als korrupt kritisierten PSD angestrebt. Bolojan und die Mehrheit der PNL lehnten dies strikt ab.

Bolojan per Misstrauensvotum gestürzt

Der als reformeifrig und proeuropäisch geschätzte Ilie Bolojan war am 5. Mai durch ein Misstrauensvotum des Parlaments gestürzt worden. Der Antrag war von der bis vor wenigen Wochen mitregierenden PSD und der rechtsextremen AUR eingebracht worden. Bolojan, der seit einem Jahr regierte, hatte die Sanierung der maroden Staatsfinanzen zur obersten Priorität erklärt.

Bis zu seinem Sturz führte Bolojan eine Koalition aus PSD, PNL, der liberalkonservativen Reformpartei USR sowie der ungarischen Minderheitenpartei UDMR. Ende April verließ die PSD die Koalition. Ohne die stärkste Fraktion PSD ist die Bildung einer proeuropäischen Mehrheit im Parlament rechnerisch schwierig. Derzeit führt Bolojan die Regierungsgeschäfte kommissarisch weiter.

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