Putin trifft Schröder: Vertrauliches Gespräch im Kreml bestätigt
Putin trifft Schröder vertraulich im Kreml

Der russische Präsident Wladimir Putin hat sich laut Kreml-Angaben zu einem vertraulichen Vieraugengespräch mit dem ehemaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) getroffen. „Ja, sie haben sich getroffen. Es war ein gutes Gespräch“, erklärte Putins außenpolitischer Berater Juri Uschakow der Agentur Interfax. Über den Inhalt des Treffens und mögliche Perspektiven für Verhandlungen zwischen Russland und der Europäischen Union machte er keine Angaben. Das Treffen fand demnach im Kreml in Moskau statt.

Hintergrund des Treffens

Die Beziehungen zwischen der EU und Russland sind seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine im Jahr 2022 und der Unterstützung Kiews durch Brüssel schwer belastet. Putin hatte Schröder kürzlich als möglichen Vermittler zwischen der EU und Russland ins Spiel gebracht. Bei einem Treffen mit Vertretern internationaler Nachrichtenagenturen, darunter die Deutsche Presse-Agentur, im Konstantin-Palast in St. Petersburg betonte Putin, dass nur neutrale „Leute“ infrage kämen, „denen man vertrauen kann“. Er zeigte sich „verwundert“ über die heftige Diskussion in Deutschland zu seinem Vorschlag.

Putins Sicht auf Schröder

Putin bezeichnete Schröder als einen Staatsmann, der für die Interessen Deutschlands eintrete und seine eigenen Positionen verteidige – unabhängig von persönlichen Freundschaften. Gleichzeitig kritisierte er Deutschland und Europa wegen der Waffenlieferungen an die Ukraine als nicht neutral.

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Keine offizielle Vermittlerrolle in Sicht

Die Benennung eines externen Unterhändlers durch die 27 EU-Mitgliedstaaten gilt jedoch als äußerst unwahrscheinlich. Dies wurde bereits bei einem informellen EU-Außenministertreffen auf Zypern deutlich, wo die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas vor weiteren Diskussionen warnte: „Es ist eine Falle, in die Russland uns locken will.“ Neben Schröder wurden auch die frühere Kanzlerin Angela Merkel, der finnische Präsident Alexander Stubb und Ex-EZB-Chef Mario Draghi als mögliche Vermittler genannt.

Mögliche Friedensgespräche in den kommenden Monaten

Trotz zunehmender Kampfhandlungen im Ukraine-Krieg geht die Bundesregierung davon aus, dass es in den nächsten Monaten zu Gesprächen mit Russland über ein Ende des Krieges kommen kann. „Langsam öffnet sich ein Fenster für Gespräche der europäischen Seite mit Russland“, hieß es aus Regierungskreisen. „Die harten Kämpfe der letzten Tage zeigen aber, es dürfte nicht Wochen, sondern Monate dauern.“ Wer die Gespräche für die Europäer führen könne, werde derzeit auf europäischer Seite diskutiert. Es müsse sich um ein möglichst handlungsfähiges Format handeln, das von den Europäern als legitim angesehen werde. „Es spricht einiges dafür, dass die E3 dabei weiter eine wichtige Rolle spielen werden.“

Als E3 werden Deutschland, Großbritannien und Frankreich bezeichnet. Am Sonntagabend wird es nach Angaben eines britischen Regierungssprechers Beratungen von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron und des britischen Premiers Keir Starmer mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in London geben. Die E3-Gruppe war bereits im vergangenen Jahr über Gespräche mit den USA und der Ukraine an den Bemühungen um ein Ende des Krieges beteiligt.

Bevorstehende Gipfeltreffen

Im Juni und Juli stehen mehrere Gipfeltreffen an, bei denen das Thema eine Rolle spielen könnte. Übernächste Woche kommt zunächst die G7 der wirtschaftsstarken westlichen Demokratien und dann die EU auf Spitzenebene zusammen. Anfang Juli folgt der Nato-Gipfel in der Türkei.

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Schröders Rolle als Vermittler

Schröder war von 1998 bis 2005 Bundeskanzler und baute in seiner Regierungszeit gute Beziehungen zu Putin auf. Zum Ende seiner Amtszeit vereinbarte er mit Putin den Bau der umstrittenen Ostseepipeline Nord Stream unter Umgehung der Ukraine. Später wurde er Aufsichtsratschef der Nord Stream AG und auch des russischen Energiekonzerns Rosneft, was ihm den Ruf eines russischen Lobbyisten einbrachte. Zu Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine im März 2022 war Schröder auf Bitten Kiews kurzzeitig erfolglos als Vermittler tätig. Ob der 82-Jährige gesundheitlich einer Vermittlerrolle gewachsen wäre, ist unklar. 2025 hatte er Zeugenaussagen vor einem Untersuchungsausschuss zur Klimastiftung Mecklenburg-Vorpommern im Kontext des Baus der Erdgasleitung Nord Stream 2 mehrfach wegen einer Burnout-Erkrankung abgesagt.