Polen sieht ein wachsendes Risiko russischer Übergriffe an der Nato-Ostflanke. Der Chef des polnischen Auslandsgeheimdienstes, Oberst Pawel Szota, sagte der Zeitung „Rzeczpospolita“: „Wir sehen die Ereignisse in der Ukraine und dass der Krieg für Russland derzeit nicht gut läuft. Das ist ein Grund zur Besorgnis, dass Moskau die Situation weiter eskalieren könnte.“
„Grüne Männchen“ als Szenario
Szota zufolge könnte ein begrenzter Angriff auf die baltischen Staaten so aussehen, dass dort „grüne Männchen“ auftauchen – ein Begriff für russische Soldaten ohne Hoheitsabzeichen, die 2014 die Krim unter Kontrolle brachten. „Russland überschreitet systematisch rote Linien, um die Reaktion der Nato zu testen“, sagte Szota. „Die Kosten solcher Provokationen sind gering, aber das Bündnis reagiert vor allem politisch, was zu weiterer Eskalation einlädt.“
Ukraine attackiert Rüstungsfabrik in Wolgograd
Die Ukraine hat eigenen Angaben nach eine Rüstungsfabrik in Wolgograd angegriffen. Präsident Wolodymyr Selenskyj teilte auf X mit, Marschflugkörper des Typs Flamingo hätten die Anlagen des Betriebs Titan-Barrikady getroffen und in Brand gesetzt. In der Fabrik werden Artilleriesysteme und Elemente für Raketenabschussrampen produziert. „Jedes russische Verteidigungsobjekt, das dem Krieg gegen die Ukraine dient, ist ein berechtigtes Ziel für unsere Langstreckensanktionen“, schrieb Selenskyj.
Der Gouverneur der Region Wolgograd, Andrej Botscharow, bestätigte Schäden an den Produktionsanlagen eines Unternehmens, machte aber keine genaueren Angaben. Er sprach von angreifenden „Flugobjekten mit Hochgeschwindigkeit“. Behördenangaben zufolge wurde ein Mensch getötet und zehn weitere verletzt. Titan-Barrikady stellt Komponenten für die Raketenkomplexe Iskander, Jars und Topol-M her, die prinzipiell auch Atomwaffen tragen können.
Kyjiw bestätigt Angriffe auf zwei Raffinerien
Selenskyj bestätigte Drohnenangriffe auf zwei russische Raffinerien. Eine Anlage im südrussischen Slawjansk-na-Kubani wurde getroffen, eine weitere in der Region Jaroslawl, rund 700 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt. Unabhängig überprüfen lassen sich die Angaben nicht. Der Gouverneur der Region Krasnodar meldete einen Toten und einen Verletzten bei einem ukrainischen Drohnenangriff. In der Raffinerie Slawjansk-na-Kubani brach ein Feuer aus, auch eine Strom- und eine Gasleitung wurden beschädigt.
Das russische Verteidigungsministerium erklärte, insgesamt seien 213 ukrainische Drohnen in mehr als einem Dutzend Regionen abgefangen worden, darunter in Moskau.
Russische Polizei sucht kritischen Ex-Soldaten
Der ehemalige Frontsoldat Alexander Lunin, der in einem Video schwere Vorwürfe gegen die russische Militärführung erhoben hatte, wird von der Polizei gesucht. Die Oppositions-Website „Medusa“ berichtete unter Berufung auf Lunins Ehefrau, die Polizei habe seine Unterkunft durchsucht und elektronische Geräte beschlagnahmt. Lunin selbst sei nicht angetroffen worden. In dem Video hatte Lunin erklärt, er müsse Putin die „ganze Wahrheit“ über die Zustände an der Front sagen. Er drohte: „Wenn ich nicht in Kürze neben Ihnen live im Fernsehen auftrete, dann richtet die Armee ihre Waffen auf den Kreml.“ Das Video wurde rund zehn Millionen Mal aufgerufen.
Kremlsprecher Dmitri Peskow bestätigte, man habe von dem Video gehört. „Man muss sich das erst einmal anschauen“, sagte Peskow.
Ukrainischer Kampfjet abgestürzt
In der zentralukrainischen Region Poltawa ist ein Kampfjet des Typs MiG-29 abgestürzt. Der Pilot habe sich per Schleudersitz retten können, teilte die ukrainische Luftwaffe mit. Der Vorfall ereignete sich während eines Kampfeinsatzes in der Nacht, als Russland die Ukraine erneut mit mehr als 100 Drohnen attackierte. Bei neuen gegenseitigen Luftangriffen wurden nach Angaben beider Seiten mindestens fünf Menschen getötet und Dutzende verletzt.
Ukraine meldet wiederholten Angriff auf Ölpumpstation für Moskau
Der ukrainische Geheimdienst SBU hat eigenen Angaben nach eine für die Treibstoffversorgung Moskaus wichtige Ölpumpstation mit Drohnen angegriffen. Getroffen wurde ein technisches Gebäude der Station in Wtorowo nahe Wladimir. Es sei die zweite erfolgreiche Attacke innerhalb eines Monats auf die Anlage. Russische Behörden haben den Angriff bislang nicht bestätigt. Die Station gehört zum staatlichen Ölpipelinekonzern Transneft und pumpt unter anderem Diesel in die Moskauer Ringpipeline.
Die russische Flugabwehr habe mindestens 19 ukrainische Drohnen im Anflug auf Moskau abgeschossen, teilte Bürgermeister Sergej Sobjanin mit.
Ukrainische Energiebranche bereitet sich auf Winter vor
Der ukrainische Stromversorger DTEK bereitet sich intensiv auf den nächsten Kriegswinter vor. „Wir haben im vergangenen Winter unsere Lektion gelernt, die Energiefirmen, die Regierung, alle Beteiligten“, sagte DTEK-Vorstandschef Maksym Timtschenko bei der Wiederaufbau-Konferenz für die Ukraine in Danzig. Russische Luftangriffe hatten die Energienetze schwer beschädigt. DTEK habe im Krieg dreimal bis zu 80 Prozent seiner Stromerzeugungskapazitäten verloren und sie immer wieder hergestellt, so Timtschenko. Das Unternehmen unterzeichnete eine Absichtserklärung über den Bau eines modernen Gasturbinenkraftwerks mit 650 Megawatt Leistung in der Westukraine.
Gefangenenaustausch zwischen Russland und der Ukraine
Russland und die Ukraine tauschten jeweils 160 Kriegsgefangene aus. Das teilten das russische Verteidigungsministerium und der ukrainische Präsident Selenskyj mit. Die ukrainischen Soldaten seien seit 2022 in russischer Gefangenschaft gewesen, erklärte Selenskyj. Die Menschenrechtsbeauftragten beider Länder einigten sich zudem auf gemeinsame Besuche von Kriegsgefangenen.
Ehemaliger russischer Vizeregierungschef Iwanow gestorben
Der ehemalige russische Vizeregierungschef Sergej Iwanow ist im Alter von 73 Jahren gestorben. Kremlsprecher Peskow bestätigte den Tod. Iwanow war ein langjähriger Weggefährte von Präsident Putin, diente als Verteidigungsminister und leitete die Präsidialverwaltung. Wegen der russischen Annexion der Krim und des Krieges gegen die Ukraine verhängten die EU und die USA Sanktionen gegen ihn.
Lawrow fordert Klärung der US-Rolle bei Friedensbemühungen
Russlands Außenminister Sergej Lawrow forderte eine Klärung der Rolle der USA bei den Friedensbemühungen. Er wies Darstellungen von US-Außenminister Marco Rubio zurück, wonach es bei dem Treffen von Putin und US-Präsident Donald Trump in Alaska keine Einigung über die Grundzüge eines Friedensabkommens gegeben habe. Lawrow entgegnete, die US-Seite habe Vorschläge vorgelegt, denen Putin zugestimmt habe.
Gazprom erwartet steigenden Gewinn
Der russische Energieriese Gazprom erwartet im laufenden Jahr einen Anstieg des operativen Gewinns um sechs bis sieben Prozent. Grund seien steigende Lieferungen auf dem heimischen Markt und höhere Exporte nach China, sagte Vize-Chef Famil Sadygow.
Ausnahmezustand auf der Krim
Die von Russland eingesetzten Behörden auf der Krim haben den Ausnahmezustand ausgerufen. Der Tourismus und Ferienlager für Kinder wurden bis September ausgesetzt. Grund sind Treibstoffmangel und Sicherheitsbedenken nach ukrainischen Drohnenangriffen.
IAEA: Stromleitung am AKW Saporischschja repariert
Die UN-Atomaufsicht IAEA teilte mit, eine wichtige Stromleitung am ukrainischen Atomkraftwerk Saporischschja sei repariert worden. Die Leitung sei jedoch noch nicht wieder in Betrieb genommen, da das angeschlossene Umspannwerk schwer beschädigt sei.
Bundesjustizministerin Hubig in Kyjiw
Bundesjustizministerin Stefanie Hubig ist zu Gesprächen nach Kyjiw gereist. Sie nahm an einer Konferenz zum 30. Jubiläum der ukrainischen Verfassung teil. Ihr Ministerium hat die Förderung der Rechtsstaatlichkeit in der Ukraine ausgeweitet.
Ukrainischer Botschafter besorgt über AfD-Höhenflug
Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Oleksii Makeiev, zeigte sich besorgt über die hohen Umfragewerte der AfD. „Das macht mir Sorgen“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Er pflege keine Kontakte zu „undemokratischen Parteien“.



