Polen entzieht Selenskyj den Weißer-Adler-Orden
Warschau – Nach einem diplomatischen Streit um die Benennung einer ukrainischen Armeeeinheit hat der polnische Präsident Karol Nawrocki dem ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj die höchste Auszeichnung Polens entzogen. Nawrocki verkündete die Aberkennung des Ordens des Weißen Adlers am Freitagabend in einer Videobotschaft. Die ukrainische Regierung reagierte umgehend und verurteilte den Schritt als „strategischen Fehler“ und „respektlos“.
Hintergrund des Konflikts
Der Konflikt entzündete sich Ende Mai, als Selenskyj eine ukrainische Armeeeinheit nach der Ukrainischen Aufständischen Armee (UPA) benannte. Die UPA war im Zweiten Weltkrieg auf dem Gebiet der heutigen Ukraine für Massaker an Polen verantwortlich. Diese Entscheidung löste in Polen scharfe Kritik aus und führte zu einer schweren diplomatischen Krise zwischen den beiden Ländern.
Polen zählt bislang zu den wichtigsten militärischen und humanitären Unterstützern der Ukraine im Verteidigungskrieg gegen Russland. Die Aberkennung des Ordens könnte die Beziehungen weiter belasten. Nawrocki, der seit August 2025 im Amt ist, betonte in seiner Videobotschaft, dass die Entscheidung notwendig sei, um die historische Wahrheit zu wahren und die Opfer der UPA zu ehren.
Reaktionen aus Kiew
Die ukrainische Regierung zeigte sich empört über den Schritt. Ein Sprecher des Außenministeriums erklärte, die Entscheidung sei ein schwerer Fehler, der die gemeinsamen Interessen beider Länder im Kampf gegen die russische Aggression gefährde. Man hoffe auf eine baldige Klärung des Missverständnisses.
Der Orden des Weißen Adlers wurde Selenskyj im Jahr 2023 verliehen, als Zeichen der Anerkennung für seinen Einsatz im Krieg gegen Russland. Die Aberkennung ist ein beispielloser Vorgang in den polnisch-ukrainischen Beziehungen.



