Der Streit zwischen Polen und der Ukraine um die Aufarbeitung des Zweiten Weltkriegs eskaliert weiter. Nachdem Polens Präsident Karol Nawrocki dem ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj die höchste Auszeichnung des Landes aberkannt hatte und Selenskyj den Orden demonstrativ nach Warschau zurückschickte, sagte er nun seine Teilnahme an einer wichtigen Wiederaufbaukonferenz in Polen ab.
Selenskyj bleibt der Konferenz fern
Die Kiewer Delegation wird bei der Konferenz am Donnerstag und Freitag in Danzig von der ukrainischen Ministerpräsidentin Julija Swyrydenko angeführt, wie diese auf Telegram mitteilte. Mit dabei sind Vertreter aus Wirtschaft und Kommunen sowie Chefs von Staatsunternehmen. Doch der wichtigste Repräsentant der Ukraine wird fehlen – Präsident Selenskyj selbst.
Hintergrund des Ordensstreits
Der Streit, auf dessen bisherigem Höhepunkt Nawrocki Selenskyj den Orden des Weißen Adlers aberkannt hat, dreht sich um ein historisch belastetes Thema: Selenskyj hatte einer ukrainischen Militäreinheit den Ehrennamen der Ukrainischen Aufstandsarmee (UPA) verliehen. Diese Truppe wird in Polen für die Massaker an Zehntausenden polnischen Zivilisten während des Zweiten Weltkriegs verantwortlich gemacht. Die Benennung sorgte in Polen für Empörung.
Selenskyj schickt Orden zurück
Selenskyj hatte den Orden 2023 für seine Verdienste um die Sicherheit Europas und die polnisch-ukrainische Zusammenarbeit erhalten. Als Nawrocki ihm die Auszeichnung am Freitag symbolisch entzog, schickte Selenskyj den Weißen Adler demonstrativ zurück. Auf X veröffentlichte er Fotos des Ordens und die Paket-Quittung als Beleg. „Heute habe ich den Orden an den Präsidenten Polens zurückgeschickt“, schrieb er. Viele Ukrainer hätten die Auszeichnung als Ehrung „für das ukrainische Volk und unsere Armee“ verstanden. „Ich bin überzeugt, dass die Zukunft zeigen wird, dass die Ukrainer den Respekt erhalten, den sie verdienen.“
Konferenz mit internationaler Beteiligung
Die Konferenzen zum Wiederaufbau der Ukraine finden seit dem ersten Kriegsjahr jährlich an wechselnden Standorten statt. Selenskyj war 2022 in Lugano und 2023 in London zugeschaltet; 2024 in Berlin und 2025 in Rom reiste er persönlich an. In Danzig wird auch Bundeskanzler Friedrich Merz erwartet.



