Diplomatische Rotation: Neue Botschafter für Schlüsselposten in Moskau, Peking und Tel Aviv
Im Sommer stehen umfangreiche Personalwechsel in deutschen Auslandsvertretungen an. Betroffen sind sieben Schlüsselposten, darunter in Israel, Russland, China, Mexiko, Spanien, Indien und Brasilien. Ein Bericht des Spiegel nennt nun konkrete Namen und enthüllt einige Überraschungen in der diplomatischen Besetzung.
Neubesetzungen auf Vorschlag von Außenminister Wadephul
Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) hat nach Informationen des Spiegel die Leitung von sieben Botschaften in der Besoldungsstufe B9 neu vergeben. Die Rotation betrifft die Standorte Tel Aviv, Moskau, Mexiko-Stadt, Madrid, Peking, Neu-Delhi und Brasília. In Regierungskreisen wurde bestätigt, dass auf Vorschlag von Wadephul die turnusmäßige Rotation nun einheitlich erfolgt. Das Tableau soll an diesem Mittwoch im Kabinett beschlossen werden, wobei die Zustimmung der Gastländer gemäß dem Wiener Übereinkommen über diplomatische Beziehungen noch aussteht.
Überraschende Wechsel und etablierte Karrieren
Alexander Graf Lambsdorff, derzeit Botschafter in Moskau, soll nach Tel Aviv wechseln und dort Steffen Seibert ablösen, der regulär in den Ruhestand geht. Seibert, ehemaliger Regierungssprecher unter Kanzlerin Angela Merkel, hatte seinen Posten im Sommer 2022 angetreten. Sein Nachfolger in Moskau wird Clemens von Goetze, der aktuell die Vertretung in Mexiko-Stadt leitet. Von Goetze bringt umfangreiche Erfahrung mit, da er zuvor bereits als Botschafter in Tel Aviv, Peking und Tokio im Einsatz war.
In Mexiko-Stadt übernimmt Maria Margarete Gosse, die derzeitige Botschafterin in Madrid. Gosse hatte von 2018 bis 2022 die Zentralabteilung des Auswärtigen Amtes in Berlin geleitet und gilt als versierte Diplomatin. Ihr folgt in Madrid überraschend Heiko Thoms, der erst im Sommer auf Wunsch von Wadephul den Posten in Kiew übernommen hatte, nachdem Martin Jäger zum Bundesnachrichtendienst wechselte. Die Nachfolge in der Ukraine steht noch nicht zur Entscheidung an.
Weitere Rotationen und Auswirkungen auf Ministerien
Die Leitung der Botschaft in Neu-Delhi zieht auch Veränderungen im Bundesverteidigungsministerium nach sich: Jasper Wieck, derzeit Politischer Direktor im Bendlerblock, kehrt nach Indien zurück, wo er von 2017 bis 2020 bereits als stellvertretender Botschafter tätig war. Wieck übernimmt von Philipp Ackermann, der als Botschafter nach Peking wechselt. Ackermann war unter anderem als Gesandter in Washington aktiv und leitete zuvor die Politische Abteilung 3 im Auswärtigen Amt, zuständig für Beziehungen zum Nahen und Mittleren Osten, Afrika und Lateinamerika.
Seine Vorgängerin Patricia Flor wird neue deutsche Botschafterin in Brasília. Flor hatte vor ihrer Zeit in China die Delegation der Europäischen Union in Tokio geleitet und war im Auswärtigen Amt in der Abteilung für Internationale Ordnung, Vereinte Nationen und Rüstungskontrolle beschäftigt. Sie folgt auf Bettina Cadenbach, die regulär in den Ruhestand geht.
Diplomatische Praxis und Zustimmung der Gastländer
Aus dem Auswärtigen Amt wurde auf Nachfrage bestätigt, dass turnusgemäß jeden Sommer zahlreiche Mitarbeiter zum einheitlichen Versetzungstermin die Posten wechseln, einschließlich vieler Leiter deutscher Auslandsvertretungen. Gemäß dem Wiener Übereinkommen über diplomatische Beziehungen muss zunächst das Gastland über geplante Entsendungen informiert und dessen Einverständnis eingeholt werden. Dies entspricht guter diplomatischer und protokollarischer Praxis. Um der Entscheidung des Gastlandes nicht vorzugreifen, werden Personalien grundsätzlich erst nach Zustimmung der Gastregierung bestätigt, so eine Sprecherin.



