Die von Russland angegriffene Ukraine soll beim Nato-Gipfel in Ankara ein neues Versprechen für milliardenschwere Militärhilfen erhalten. Darauf verständigten sich die 32 Bündnisstaaten wenige Tage vor dem Spitzentreffen in Brüssel in den abschließenden Beratungen über die geplante Gipfelerklärung, wie die Deutsche Presse-Agentur erfuhr.
Merz gelassen auf Trump-Kritik an Verteidigungsausgaben
Bundeskanzler Friedrich Merz hat gelassen auf die Kritik von US-Präsident Donald Trump reagiert, dass der Nato-Beitrag Deutschlands nach dessen Darstellung „lächerlich“ sei. „Deutschland verdoppelt seinen Verteidigungsetat innerhalb von vier Jahren. Das ist die größte Kraftanstrengung, die wir jemals gemacht haben, um unsere Verteidigungsfähigkeit zu stärken“, sagt Merz und verweist auf das Ziel, fünf Prozent der Wirtschaftsleistung für Verteidigung auszugeben. „Insofern brauchen wir uns hier vor niemandem zu verstecken.“ Das sollte jeder anerkennen, der sich mit diesen Zahlen auch beschäftigt. „Ich werde diese Zahlen auch nennen, wenn wir in der nächsten Woche in Ankara zusammentreten.“
Selenskyj drängt auf eigene Produktion für Patriot-Raketen
Nach dem massiven russischen Angriff mit mehr als 20 Toten in der ukrainischen Hauptstadt Kiew drängt Präsident Wolodymyr Selenskyj auf eine eigene Produktionsstätte für Patriot-Raketen. Um wirklich Leben schützen zu können, brauche die Ukraine eine eigene Produktion, sagte Selenskyj in einer abendlichen Videobotschaft. Er sprach von einer europäischen Produktion in der Ukraine oder mit Partnern gemeinsam und stellte den USA in diesem Fall auch Unterstützung bei Einsätzen in Aussicht. Der Westen hatte der Ukraine für die Flugabwehr Waffen wie US-amerikanische Patriot-Systeme oder die deutschen Iris-T-Komplexe geliefert. Doch die Raketen für solche Flugabwehrsysteme sind teuer und rar. Durch den von US-Präsident Donald Trump begonnenen Iran-Krieg ist das Defizit an solchen Raketen noch größer geworden. Selenskyj hofft darauf, dass die USA der Ukraine den Bau von Patriot-Raketen in Lizenz erlauben.
Zahl der Todesopfer nach Großangriff auf Kiew auf 30 gestiegen
Nach dem schweren russischen Luftangriff auf die ukrainische Hauptstadt Kiew am Donnerstag ist die Zahl der Todesopfer auf mindestens 30 gestiegen. Drei weitere Leichen seien aus den Trümmern geborgen worden, teilt der ukrainische Katastrophenschutz mit. Zudem wurden den Behörden zufolge mehr als 90 Menschen verletzt. Laut dem Leiter der Kiewer Militärverwaltung, Tymur Tkatschenko, suchen Rettungskräfte in den Trümmern weiter nach Vermissten, weshalb die Opferzahl noch steigen könnte. Russland hatte in den frühen Morgenstunden am Donnerstag Hunderte Drohnen und Dutzende Raketen auf Kiew abgefeuert. Dabei wurden rund 130 Gebäude beschädigt. Es war der folgenschwerste Angriff auf die ukrainische Hauptstadt in diesem Jahr.
Insider: Russland will wegen Engpass Kerosin aus Japan importieren
Die ukrainischen Angriffe auf die Energieinfrastruktur machen Russland immer mehr zu schaffen. Wegen Knappheiten soll Kerosin aus Japan importiert werden, sagten drei mit der Angelegenheit vertraute Personen am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters. Demnach sollen mindestens 200.000 Barrel (je 159 Liter) Kerosin in der ersten Julihälfte im japanischen Chiba verladen und zunächst nach Südkorea verschifft werden. An dem komplexen Geschäft seien mehrere Händler beteiligt, sagten die Insider. Damit reagiert Russland offenbar auf eine schwere Treibstoffkrise als Folge von ukrainischen Drohnenangriffen auf russische Ölraffinerien und Depots. Die Regierung in Moskau hat bereits Beschränkungen für den Kauf von Treibstoff verhängt, während Landwirte warnten, die Ernte sei gefährdet.
Ukraine attackiert zwei russische Luftwaffenstützpunkte auf der Krim
Die Ukraine hat nach eigenen Angaben zwei russische Luftwaffenstützpunkte auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim angegriffen. Ziel seien mindestens sieben Kampfflugzeuge sowie Drohnendepots gewesen, teilt der ukrainische Inlandsgeheimdienst SBU auf der Online-Plattform Telegram mit. Betroffen waren demnach die Stützpunkte Hwardijske und Saki. Letzterer sei in dieser Woche bereits zum zweiten Mal attackiert worden. Die dort stationierten Flugzeuge seien beschädigt oder zerstört worden, hieß es beim SBU weiter. Eine russische Stellungnahme lag zunächst nicht vor.
Weitere Entwicklung im Überblick
Bei neuen russischen Luftangriffen auf die Ukraine sind Behördenangaben zufolge vier Menschen getötet worden. In der nordöstlichen Grenzregion Sumy seien beim Einschlag einer russischen Drohne in ein Wohnhaus in der Nacht zwei Frauen, ein älterer Mann und ein Kleinkind im Alter von unter zwei Jahren ums Leben gekommen, teilte der Leiter der regionalen Militärverwaltung, Oleh Hryhorow, auf Telegram am Freitag mit. Drei weitere Menschen seien verletzt worden. Zudem wurden in der zentralukrainischen Stadt Krywyj Rih laut den Behörden sieben Menschen verletzt. Dort schlug eine russische Rakete in ein dicht besiedeltes Wohngebiet ein, wie der Chef des örtlichen Verteidigungsrates, Olexander Wilkul, erklärte.
In der Ukraine sind bei verschiedenen russischen Angriffen im Gebiet Dnipropetrowsk im Verlauf des Tages nach Behördenangaben zwei Menschen getötet worden. Insgesamt seien neun weitere verletzt worden, schrieb der Militärgouverneur der Region, Olexander Hanscha, bei Telegram. Russland attackierte demnach die Kreise Dnipro, Nikopol und Synelnykowe und setzte dabei Drohnen, Artillerie Gleitbomben und eine Rakete ein. In Saporischschja ebenfalls im Südosten der Ukraine wurden Militärgouverneur Iwan Fedorow zufolge sieben Menschen bei einem russischen Drohnenangriff in der zweiten Tageshälfte verletzt. Bei vier davon handele es sich um Minderjährige im Alter von 6 bis 16 Jahren.
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas hat nach den jüngsten russischen Angriffen auf Kiew und andere ukrainische Städte neue Sanktionsvorschläge angekündigt. „Heute werde ich als Reaktion auf die Angriffe vorschlagen, weitere Einrichtungen und Unternehmen zu sanktionieren, die den russischen militärisch-industriellen Komplex unterstützen“, teilte sie mit. Auf der Plattform X schrieb sie: „Je stärker Moskau Zivilisten angreife, desto mehr Sanktionen müssen verhängt werden.“



