Merz gelassen zu Trump-Kritik: Deutschland verdoppelt Verteidigungsetat
Merz gelassen zu Trump-Kritik: Verteidigungsetat verdoppelt

Bundeskanzler Friedrich Merz hat gelassen auf die Kritik von US-Präsident Donald Trump reagiert, der den Nato-Beitrag Deutschlands als „lächerlich“ bezeichnet hatte. „Deutschland verdoppelt seinen Verteidigungsetat innerhalb von vier Jahren. Das ist die größte Kraftanstrengung, die wir jemals gemacht haben, um unsere Verteidigungsfähigkeit zu stärken“, sagte Merz bei einem Treffen mit baltischen Staats- und Regierungschefs. Er verwies auf das Ziel, fünf Prozent der Wirtschaftsleistung für Verteidigung auszugeben. „Insofern brauchen wir uns hier vor niemandem zu verstecken.“ Das sollte jeder anerkennen, der sich mit diesen Zahlen beschäftigt. „Ich werde diese Zahlen auch nennen, wenn wir in der nächsten Woche in Ankara zusammentreten.“

Merz steht nach eigenen Angaben vor dem Nato-Gipfel in Ankara in engem Austausch mit US-Präsident Donald Trump und dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Der Gipfel findet am 7. und 8. Juli in der Türkei statt.

Trump bezeichnet Nato-Beiträge als „lächerlich“

Kurz vor dem Nato-Gipfel hatte Trump in einem Post auf der Plattform Truth Social die Beiträge Deutschlands und anderer Verbündeter als „lächerlich“ bezeichnet. Er listete mehrere Länder auf, darunter Großbritannien und Italien, sowie Finanzzahlen, die einem Nato-Bericht für das Jahr 2025 ähneln. Zu Deutschland machte Trump keine konkreten Angaben, schrieb aber, dass dessen Beiträge angeblich deutlich niedriger seien. Wie Trump zu dieser Annahme kommt, blieb unklar. Laut Nato-Jahresbericht lag Deutschland 2025 bei den Verteidigungsausgaben an Position zwei und steigerte seine Ausgaben inflationsbereinigt um mehr als 20 Prozent auf 88,8 Milliarden Euro.

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Ukraine: 30 Tote nach Großangriff auf Kiew

Nach dem schweren russischen Luftangriff auf Kiew am Donnerstag ist die Zahl der Todesopfer auf mindestens 30 gestiegen. Drei weitere Leichen wurden aus den Trümmern geborgen, teilte der ukrainische Katastrophenschutz mit. Mehr als 90 Menschen wurden verletzt. Der Leiter der Kiewer Militärverwaltung, Tymur Tkatschenko, erklärte, die Rettungskräfte suchten weiter nach Vermissten, weshalb die Opferzahl noch steigen könnte. Russland hatte in den frühen Morgenstunden Hunderte Drohnen und Dutzende Raketen auf Kiew abgefeuert. Dabei wurden rund 130 Gebäude beschädigt. Es war der folgenschwerste Angriff auf die ukrainische Hauptstadt in diesem Jahr.

Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko sprach von den „verheerendsten Angriffen des Feindes auf die Hauptstadt“ seit Kriegsbeginn. Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe setzte Russland 74 Raketen und 496 Drohnen ein. Die Luftabwehr habe die meisten abgeschossen, jedoch hätten 25 ballistische Raketen und zwölf Drohnen insgesamt 33 Ziele getroffen. Klitschko rief für Freitag einen Trauertag aus: Die Flaggen sollen auf Halbmast gesetzt werden, Unterhaltungsveranstaltungen sind verboten.

Selenskyj drängt auf eigene Patriot-Produktion

Nach dem massiven Angriff drängt Präsident Wolodymyr Selenskyj auf eine eigene Produktionsstätte für Patriot-Raketen. „Um wirklich Leben schützen zu können, braucht die Ukraine eine eigene Produktion“, sagte Selenskyj in einer Videobotschaft. Er sprach von einer europäischen Produktion in der Ukraine oder gemeinsam mit Partnern und stellte den USA in diesem Fall auch Unterstützung bei Einsätzen in Aussicht. Der Westen hatte der Ukraine Patriot-Systeme und Iris-T-Komplexe geliefert, doch die Raketen sind teuer und rar. Durch den von Trump begonnenen Iran-Krieg ist das Defizit noch größer geworden. Selenskyj hofft, dass die USA der Ukraine den Bau von Patriot-Raketen in Lizenz erlauben.

Weitere russische Angriffe fordern Tote und Verletzte

Bei neuen russischen Luftangriffen auf die Ukraine wurden vier Menschen getötet. In der nordöstlichen Grenzregion Sumy kamen beim Einschlag einer Drohne in ein Wohnhaus zwei Frauen, ein älterer Mann und ein Kleinkind unter zwei Jahren ums Leben, teilte der Leiter der regionalen Militärverwaltung, Oleh Hryhorow, mit. Drei weitere Menschen wurden verletzt. In der zentralukrainischen Stadt Krywyj Rih verletzte eine russische Rakete sieben Menschen, wie der Chef des örtlichen Verteidigungsrates, Olexander Wilkul, erklärte.

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Im Gebiet Dnipropetrowsk wurden bei verschiedenen Angriffen zwei Menschen getötet und neun verletzt, schrieb Militärgouverneur Olexander Hanscha. Russland setzte Drohnen, Artillerie, Gleitbomben und eine Rakete ein. In Saporischschja wurden sieben Menschen bei einem Drohnenangriff verletzt, darunter vier Minderjährige im Alter von 6 bis 16 Jahren, so Militärgouverneur Iwan Fedorow.

Ukraine attackiert russische Luftwaffenstützpunkte auf der Krim

Die Ukraine hat nach eigenen Angaben zwei russische Luftwaffenstützpunkte auf der annektierten Halbinsel Krim angegriffen. Ziel seien mindestens sieben Kampfflugzeuge sowie Drohnendepots gewesen, teilte der ukrainische Inlandsgeheimdienst SBU mit. Betroffen waren die Stützpunkte Hwardijske und Saki. Letzterer sei in dieser Woche bereits zum zweiten Mal attackiert worden. Die dort stationierten Flugzeuge seien beschädigt oder zerstört worden. Eine russische Stellungnahme lag zunächst nicht vor.

Zudem attackierte die Ukraine eine Raffinerie in der Wolgaregion Nischni Nowgorod. Gouverneur Gleb Nikitin bestätigte „unbedeutende Schäden an einem Industrieobjekt und an mehreren Wohnhäusern“ durch herabfallende Drohnentrümmer. Ein Mensch kam ums Leben, vier wurden verletzt. Die zum Ölkonzern Lukoil gehörende Anlage in Kstowo ist eine der größten Raffinerien Russlands.

EU geht gegen russische Schattenflotte vor

Wegen eines härteren Vorgehens der EU gegen die russische Schattenflotte streicht Kamerun 39 Tanker aus seinem Schiffsregister. Die Regierung teilte mit, ihre Flagge werde missbräuchlich verwendet. Moskau verurteilte das Vorgehen der EU. Brüssel bereitet für Mitte Juli weitere Sanktionen vor, die sich gegen die Schattenflotte richten. Die EU-Marinemission IRINI kann seit Anfang Juni Schiffe im Mittelmeer anhalten und durchsuchen, die im Verdacht stehen, unter Umgehung von Sanktionen russisches Öl zu transportieren. Russland nutzt für die Transporte eine sogenannte „Schattenflotte“ aus älteren Schiffen, die oft unter der Flagge anderer Staaten wie Kamerun fahren.

Nato-Kommandeur: Europäer füllen US-Lücken

Die europäischen Nato-Verbündeten haben die durch den US-Abzug entstandenen Lücken in den Verteidigungsplänen der Allianz weitgehend geschlossen, erklärte der Nato-Oberbefehlshaber, US-General Alexus Grynkewich. In den wenigen Bereichen, in denen es noch keine gleichwertigen Fähigkeiten gebe, prüfe die Allianz Alternativen. Reuters hatte berichtet, dass das Bündnis dies auf dem Gipfel in Ankara offiziell bekanntgeben will.

Russische Drohnen spionierten monatelang in Europa

Einer Analyse der britischen Denkfabrik International Institute for Strategic Studies (IISS) zufolge hat Russland ein Dutzend Nato-Staaten über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren mit einer Drohnenkampagne überzogen. Gestartet wurden die unbemannten Flugobjekte von Tankern der russischen Schattenflotte, Frachtern und kleineren Wasserfahrzeugen. Der Bericht beleuchtet 144 Vorfälle in 13 Ländern zwischen August 2024 und Februar 2026. Die Experten sehen ein klares Muster, offiziell bestätigt habe das aber keine westliche Regierung.