Fast 16 Jahre lang prägte Angela Merkel als Bundeskanzlerin die deutsche Außenpolitik. Ihre Amtszeit war geprägt von tiefgreifenden globalen Veränderungen, von der Finanzkrise über die Flüchtlingskrise bis hin zu neuen geopolitischen Spannungen. In dieser Analyse werfen wir einen Blick auf die Schlüsselmomente ihrer Außenpolitik und fragen: Hat Merkel alles richtig gemacht?
Die Anfänge: Kontinuität und neue Akzente
Als Merkel 2005 ins Amt kam, stand sie zunächst im Schatten ihres Vorgängers Gerhard Schröder. Doch schnell setzte sie eigene Akzente. Sie pflegte enge Beziehungen zu den USA, ohne die deutsch-französische Achse zu vernachlässigen. Besonders in der Euro-Krise zeigte sie ihre Handschrift: Sie setzte auf Austerität und Haushaltsdisziplin, was ihr sowohl Lob als auch Kritik einbrachte.
Die Ukraine-Krise: Eine Bewährungsprobe
Ein zentraler Test war die Ukraine-Krise ab 2014. Merkel verfolgte eine Doppelstrategie aus Sanktionen gegen Russland und diplomatischen Gesprächen. Sie war maßgeblich an den Minsker Abkommen beteiligt, die eine Deeskalation zum Ziel hatten. Kritiker bemängeln jedoch, dass diese Abkommen den Konflikt nicht lösten, sondern nur einfroren.
Die Flüchtlingskrise: Ein Wendepunkt
2015 traf Merkel mit ihrem Satz „Wir schaffen das“ eine Entscheidung, die die deutsche Außenpolitik nachhaltig veränderte. Sie öffnete die Grenzen für Hunderttausende Flüchtlinge, was international Beachtung fand. Viele lobten ihren humanitären Einsatz, während andere die mangelnde Koordination mit europäischen Partnern kritisierten. Die Folgen dieser Politik sind bis heute spürbar.
Die transatlantischen Beziehungen unter Trump
Mit der Wahl Donald Trumps 2016 stand Merkel vor einer neuen Herausforderung. Sie hielt an multilateralen Strukturen fest und betonte die Wertegemeinschaft mit den USA, auch wenn die Beziehungen zeitweise stark belastet waren. Ihr Auftritt beim G7-Gipfel 2018, bei dem sie Trump die Stirn bot, wurde als Symbol ihrer Standhaftigkeit gefeiert.
Die Ära Biden: Eine Rückkehr zur Normalität?
Mit Joe Biden als US-Präsidenten kehrte eine gewisse Normalität ein. Merkel nutzte die letzte Phase ihrer Kanzlerschaft, um die transatlantischen Beziehungen zu festigen und gemeinsame Positionen zu China und Russland zu finden. Dennoch blieben Differenzen, etwa in der Energiepolitik mit der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2.
Ein abschließendes Urteil
Angela Merkels Außenpolitik war von Pragmatismus und Prinzipientreue geprägt. Sie hielt an multilateralen Institutionen fest und versuchte, Deutschland als verlässlichen Partner zu positionieren. Kritiker werfen ihr vor, zu zögerlich und reaktiv gewesen zu sein, insbesondere in der Ukraine-Krise. Befürworter betonen ihre ruhige Hand und ihre Fähigkeit, in Krisen zu vermitteln. Letztlich bleibt die Bewertung ihrer Außenpolitik ambivalent: Sie hat Deutschland international gestärkt, aber nicht alle Probleme gelöst.
Die Bilanz ihrer Außenpolitik zeigt eine Kanzlerin, die in einer turbulenten Zeit Stabilität bot, aber auch vor ungelösten Konflikten zurückließ. Ob sie alles richtig gemacht hat, wird die Geschichte zeigen.



